Kronberger Kurzfilm „Die Uniformierten“ feiert Weltpremiere beim Locarno Filmfestival

Ein Standbild aus dem Kurzfilm zeigt die Soldaten beim Marschieren.Foto: privat

Kronberg (kb) – Der eine oder andere in Kronberg hat vielleicht schon mal von ihnen gehört, dann allerdings eher im Zusammenhang mit dem Verkauf von Fahrrädern. Die Rede ist von Timon Ott und Ricardo Guzmán, zwei jungen Männern aus Kronberg, die bereits zusammen die Altkönigschule besuchten. Vor zwei Jahren haben sie ihre Produktionsfirma „Einbaum Film“ gegründet und feiern nun die Weltpremiere ihres Kurzfilms „Die Uniformierten“ im internationalen Wettbewerb des Locarno Filmfestivals, einem der renommiertesten Filmfestivals weltweit.

Es handelt sich dabei um einen fiktionalen Dokumentarfilm, der in einer Kaserne gefilmt wurde. Ricardo und Timon wollten aufnehmen und mit dem Film zeigen, wie sich ein junger Mensch in einen Soldaten verwandelt und die Striktheit erlebt, die damit einhergeht. Ein Thema, das angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen von Bedeutung ist. Förderung für den Film erhielten sie aus Hamburg von der MOIN Filmförderung Hamburg-Schleswig Holstein. Anfängliche Schwierigkeiten zählten im Prozess der Entstehung des Films auch dazu. Es ist eigentlich nicht erlaubt, dass ein Filmteam in eine Kaserne darf. Bei der Bundeswehr sei dies ein heikles Thema, da es eben auch viele Filme gibt, die die Bundeswehr schlecht darstellen wollen. Das war jedoch nicht ihre Absicht, erklären die beiden Freunde. „Die Uniformierten“ sei ein „relativ urteilsfreier“ Film, der dem Zuschauer Raum gibt selber zu interpretieren und aus der Beobachterperspektive auf das Geschehen zu blicken. Um diesen Effekt noch zu verstärken, wurden viele Szenen von weiter weg beziehungsweise von oben aufgenommen.

Den Protagonisten haben sie selber ausgewählt, es handelt sich hier um einen echten Rekruten, also keinen Schauspieler. Er ist 18 Jahre alt und hat sich für 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet. Sich als junger Mensch direkt für so eine lange Zeit zu verpflichten, fast so lang wie sein bisher gelebtes Leben, faszinierte Timon und Ricardo. Zudem studiert er Pharmazie und hätte dies auch an einer staatlichen Universität machen können, aber er hat sich bewusst dazu entschieden, zum Bund zu gehen. Der Kurzfilm thematisiert, dass nicht jeder mit der vorherrschenden Disziplin im alltäglichen Ablauf umgehen kann. Es werden beispielsweise Schwierigkeiten von Kameraden gezeigt. Jedoch geht es nicht darum, mit dem Film zu zeigen, wie hart der Alltag in der Bundeswehr ist, sondern es geht viel mehr um das Innere des Protagonisten. Die Gedanken des Soldaten spielen eine große Rolle im Film und werden zur Verdeutlichung aus dem Off dazu gesprochen. Der Film erzählt, wie Menschen sich verändern, wenn sie in dieses strenge System eingearbeitet werden und wie es am Anfang schwer sein kann, gegen seine Instinkte zu handeln.

Alles begann mit einem Bild von marschierenden Soldaten, dass Timon schon länger im Kopf hatte. Woher das genau kam, kann er gar nicht genau sagen, aber es blieb. Er fragte sich, wie sieht das Leben eines Soldaten aus? Sie sitzen ganz entspannt in Uniform im Zug, sind sozusagen im „Freizeitmodus“, aber haben doch auch ihren strikten Ablauf in der Kaserne. Dieser Kontrast faszinierte Timon. Letztendlich betonen die jungen Filmemacher auch, dass sie viel Glück mit einem Kompaniechef aus der Kaserne gehabt hätten. Dieser hätte ihnen viel ermöglicht und stellte so eine große Unterstützung für die Umsetzung des Projektes dar.

Die Planung für ihren nächsten Film, der in Kronberg gedreht werden soll, hat bereits begonnen. Wie in „Die Uniformierten“ wird er ebenfalls ein nicht unbedingt einfaches Thema beleuchten und sich mit gesellschaftlichen Strukturen und Dynamiken beschäftigen. Die Ausgangssituation stellt dabei eine Gruppe von Großgrundbesitzern dar, die einen Wald haben und einen Waldarbeiter, der den Wald für sie pflegt. Dann tritt ein Konflikt auf zwischen den beiden Parteien. Hat der Waldarbeiter wirklich einen Fehler gemacht oder gewinnt hier nur das Recht des Stärkeren die Oberhand? Timon und Ricardo sind gespannt wie sich dieses Filmprojekt gestalten und unterscheiden wird zu „Die Uniformierten“, da sie sich bei dieser Produktion ganz fiktional halten mit der Handlung und es kein Szenario gibt, dass bereits vorliegt und an dem sie sich entlanghangeln können.

Mit dem Blick auf die Zukunft gerichtet, ist es den beiden wichtig, dass es nicht nur bei diesem einen Film bleibt. Sie wollen weiter Filme machen und zusammen arbeiten. Dabei möchten sie sich nicht nur auf Arthouse-Filme beschränken, sondern auch Filme machen, die von einem breiteren Publikum verstanden werden können. Aber eben auch keine rein kommerziellen „entertainment“-Filme, es soll noch genügend Platz für freien Interpretationsspielraum auf der Seite des Zuschauers geben. Des Weiteren betonen sie, dass es ihnen viel Spaß bereite und sie gerne zusammen arbeiten. Timon nennt es „einen Segen“, dass sie sich gemeinsam als Freunde dieser Aufgabe widmen dürfen.

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