Mitreißendes Konzert im Casals Forum beendet Kammermusikprojekt „Mit Musik – Miteinander“

Mit dem ersten Satz des Streichsextetts Nr. 2 von Johannes Brahms unter Leitung der Dozentin Karolina Errera an der 1. Viola begann das begeisternde Abschlusskonzert des Kammermusik-Workshops „Mit Musik – Miteinander“ im großen Saal des Casals Forums.

Foto: Andreas Malkmus

Kronberg (pf) – „Obwohl es schon zum 44. Mal stattfindet, ist es jedesmal ganz neu und spannend“, sagte Raimund Trenkler, Gründer und Intendant der Kronberg Academy, als er am Freitagnachmittag im Carl Bechstein Saal des Casals Forums die Teilnehmenden am Kammermusik-Workshops „Mit Musik – Miteinander“ begrüßte. Miteinander, meinte er nachdenklich, geschehe in der Welt derzeit kaum etwas, was sicherlich nicht nur ihn betroffen mache. Umso mehr gebe das Miteinander an diesem Kammermusik-Wochenende Hoffnung und Inspiration. Allen Beteiligten wünschte er vor allem Freude miteinander.

Zwischen 13 und 18 Jahre alt sind die vier Jungen und sieben Mädchen aus nicht nur europäischen Nationen, die eingeladen worden waren, gemeinsam mit der aus Japan gebürtigen Geigerin Fumika Mohri, der aus Russland stammenden Bratschistin Karolina Errera und dem in Belarus geborenen Cellisten Ivan Karizna, Sätze aus sechs Kammermusikwerken einzustudieren. Alle elf sind schon vielfach ausgezeichnet und Preisträger nicht nur des deutschen Wettbewerbs „Jugend musiziert“ auf Bundesebene.

Die an der Hochschule der Künste in Zürich studierende 2009 geborene Geigerin Sofia Emilsson gewann vergangenes Jahr einen ersten Preise beim internationalen „Concours Flame“ in Paris. Der 2006 geborene Geiger Julian Jeukendrup, der Jungstudent am Konservatorium Amsterdam und am Königlichen Konservatorium Den Haag war und derzeit an der Musica Mundi School in Belgien studiert, gewann 2021 beim Prinses Christina Concours und 2022 beim Britten Vioolconcours Preise. Die 2007 geborene Geigerin Jinzhu Li mit chinesischen Wurzeln, die derzeit an der Musikhochschule in Frankfurt studiert, war vergangenes Jahr Preisträgerin beim Internationalen Tchaikovsky-Wettbewerb und bei der Zhuhai International Mozart Competition.

Ebenfalls aus China gebürtig ist der 17-jährige Bratscher Chenrong Zhang, der am Xinghai Conservatory of Music ausgebildet wurde. Er studiert seit diesem Jahr an der Universität der Künste in Berlin. Und der mit 13 Jahren jüngste Teilnehmer, der aus der Ukraine stammende Cellist Danylo Semenyuk, der vor zwei Jahren nach Deutschland kam, gewann nicht nur erste Preise bei „Jugend musiziert“ und beim Mendelssohn Wettbewerb. Er ist inzwischen Mitglied des Bonner Jugendsinfonieorchesters und jüngster Solist des Sinfonieorchesters der Technischen Hochschule Köln.

Die drei Dozenten sind ehemalige Studierendende der Kronberg Academy und waren als Juniors beim Kammermusikprojekt der Kronberg Academy „Chamber Music Connects the World“ dabei, wo sie mit berühmten Künstlerpersönlichkeiten wie Gidon Kremer, Christian Tetzlaff und Sir András Schiff gemeinsam musizieren durften. „Eine Erfahrung, die ich mein ganzes Leben lang im Herzen tragen werde und die mich so sehr inspiriert hat“, bekannte sichtlich bewegt Ivan Karizna am Sonntagnachmittag beim Abschlusskonzert im großen Saal des Casals Forums.

Das gemeinsame Erarbeiten von Kammermusikwerken ist nicht nur eine wertvolle Erfahrung für die Teenager, wie Raimund Trenkler in seinen Begrüßungsworten beim Abschlusskonzert am Sonntag betonte. Auch für die Dozenten sind es wichtige Erfahrungen, unterrichten und erklären zu dürfen, welche Gefühle in der Musik schwingen, so drückte es Karolina Errera aus. Ähnlich erklärte es Fumika Mohri, als sie berichtete, dass Bedrich Smetana nicht nur seine Tochter, sondern wie Beethoven auch sein Gehör verloren hatte, als er das Streichquartett komponierte, dessen ersten Satz sie einstudiert hatten.

Begonnen hatte das Abschlusskonzert mit dem Kopfsatz aus dem Streichsextett Nr. 2 G-Dur op. 36 von Johannes Brahms, das seinerzeit dem jungen Komponisten neben seinem Deutschen Requiem zum Durchbruch verhalf. Er beginnt mit charakteristischen Quintsprüngen, die fast hundert Takte lang im piano von Instrument zu Instrument weitergereicht werden, bis das erste Tutti im forte einsetzt. Im gesamten Satz bleiben dieser durchsichtige Klang und der dezente Ton erhalten – trotz großartiger Steigerungen in Durchführung und Reprise.

Nach dem sich anschließenden Kopfsatz aus Smetanas Streichquartett Nr. 1 e-Moll erklangen der vierte und fünfte Satz aus dem sechssätzigen Streichquartett Nr. 13 von Ludwig van Beethoven, gefolgt von den beiden Sätzen Largo und Allegro molto aus dem Streichquartett Nr. 8 c-Moll op. 110 von Dmitri Shostakovich. Er komponierte es 1916 in nur drei Tagen, als er in Dresden weilte, um eigentlich eine Filmmusik zu schreiben, erzählte Ivan Karizna. Weiter ging es mit dem Intermezzo aus dem Streichquintett Nr. 1 A-Dur op. 18 des damals erst 17-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy. Den Abschluss bildete das Streichquartett Sonnets et Rondeaux des 1962 geborenen Cellisten und Komponisten Giovanni Sollima, ein ungewöhnliches Werk, das nicht nur dem Publikum gefiel, sondern sichtlich auch den jugendlichen Interpretinnen, die es gemeinsam mit dem Cellisten Ivan Karizna präsentierten.

„Man kann gar nicht früh genug mit dem Musizieren anfangen“, hatte Dr. Dettloff Schwerdtfeger, Vorstand der Crespo Foundation, in seinen Begrüßungsworten am Freitagnachmittag den jungen Musikerinnen und Musikern mit auf den Weg gegeben. „Denn es kommt nicht auf das Lebensalter an, sondern auf die Erfahrung.“ Ulrike Crespo, vor fünf Jahren verstorbene Musikliebhaberin und Mäzenin, hatte gemeinsam mit der Kronberg Academy die beiden Kammermusik-Projekte „Chamber Music Connects the World“ und „Mit Musik – Miteinandern“ initiiert, die bis heute von ihrer Stiftung getragen werden.



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