Kronberg (kb) – In zwei Monaten ist es schon wieder so weit: Zum Frühlingsfest am Samstag, 21. und Sonntag, 22. März, öffnet sich das schwere hölzerne Burgtor an der Unterburg erstmalig wieder für die Besucher nach der Winterpause. 2026 ist für den Burgverein als Schweikard-Gedenkjahr ein ganz besonderes. Grund ist der 400. Todestag Schweikards von Kronberg, der als machtvoller Mainzer Kurfürst und Erzbischof sowie Reichserzkanzler in die Annalen eingegangen ist, am 17. September.
Den Beginn wird die Ausstellungseröffnung zu Schweikard am Sonntag, 3. Mai, machen. Anschließend wird während der diesjährigen Burgsaison bis in den Spätherbst hinein Schweikards Agieren in zahlreichen Veranstaltungen beleuchtet werden. Im Vorfeld dazu wird ja bereits seit Ende letzten Jahres über Schweikards Rolle als Hexen- und Hexerverfolger nicht nur in Kronberg teilweise recht emotional diskutiert. Daran wird ersichtlich – Schweikard bewegt auch vier Jahrhunderte nach seinem Tod immer noch die Gemüter. Selbstverständlich wird dieses „heiße Eisen“ bei einer Reihe von Programmpunkten des Gedenkjahres auf dem Burghügel fokussiert.
Dabei gilt, dass der Burgverein Schweikard nicht kritiklos feiern will, wie teilweise von verschiedener Seite unbegründet behauptet, sondern ihn als bedeutenden politischen Akteur im ersten Quartal des 17. Jahrhunderts vorstellen will. Zum Auftakt des Gedenkjahres haben sich kürzlich rund 130 ehrenamtlich Aktive in der Stadthalle zum internen Neujahrsempfang getroffen. Die musikalische Einstimmung auf den Abend oblag sechs talentierten Jungmusikern des Streicherensembles „Le Sandwich“ der Altkönigschule unter Leitung von Vera Stahlbaum. In seinem anschließenden Grußwort hob Bürgermeister Christoph König hervor, dass die Burg, sicherlich nicht nur für ihn, dank des Vereins keineswegs ein lebloses Gemäuer, sondern vielmehr einen quicklebendigen Ort darstelle, der den Besuchern alljährlich ein reichhaltiges Kulturprogramm und aufgrund seines großen Freigeländes ein besonderes Naturerlebnis bieten könne. König weiter: „Besonders beeindruckt mich, dass das alles auf ehrenamtlicher Basis schon seit mehr als 35 Jahren so gut funktioniert. Das ist schon eine beachtliche Leistung, die uns alle in Kronberg stolz machen sollte auf unsere Burg und den Verein.“ Danach übergab der Bürgermeister die „Ehrenamts-Card“ an zehn Vereinsmitglieder, die sich in den letzten drei Jahren mindestens fünf Stunden pro Woche für das Wahrzeichen Kronbergs engagiert haben. Die Karte bietet zahlreiche Vergünstigungen, wie freien oder reduzierten Eintritt in viele kulturelle Einrichtungen bis hin zu Einkaufsrabatten und kostenloser Giro-Kontoführung bei einigen Bankhäusern.
Geehrt wurde zudem Tina Seehawer, die gerade ihren 60. Geburtstag begehen konnte, durch die Vereinsvorsitzende Martha Ried. Seehawer führt seit zehn Jahren ehrenamtlich als „gute Fee“ sehr verlässlich das Burgbüro an zwei Tagen pro Woche. Für Außenstehende ist sie meistens die erste Kontaktperson des Vereins. Weiterhin bedankte sich Ried nochmals bei dem Präsidenten des Rotary Club Kronberg Michael Klaus, der mit seiner Frau eingeladen war, herzlich für die erneut im vergangenen Jahr großzügige finanzielle Unterstützung für den Burgverein.
Ried stellte zudem freudig fest, dass im vergangenen Jahr über 60 neue Personen dem Burgverein beigetreten sind. Aktuell unterstützen somit 710 Mitglieder die Burg. „Das zeigt, dass unser Verein aus vielerlei Gründen für bislang Außenstehende eine hohe Attraktivität ausübt, uns zu unterstützen. Das freut, bestätigt und motiviert uns sehr, sich weiterhin gerne freiwillig und unentgeltlich, aber nicht umsonst, für die Burg zu engagieren, um den Besuchern so ein paar schöne Stunden zu bieten. Die vielen positiven Rückmeldungen, die wir dadurch erfahren, stärken uns in der Sinnhaftigkeit unseres Tuns“, so Martha Ried.
Felicitas Hüsing, selbst ehrenamtlich Aktive, oblag die angenehme Aufgabe, das achtköpfige Kassenhaus-Team zu würdigen, dabei betonend, dass genau genommen ohne den Einsatz dieser wackeren acht die Burg für die Besucher nicht offengehalten werden könnte. „Doch lediglich mit dem Einsammeln der Eintrittsgelder an der Kasse ist es keineswegs getan. Empathie, Freundlichkeit, Belastbarkeit sowie ein Schuss Diplomatie gehören dazu. Bei dem internationalen Publikum, welches das Jahr über auf den Burghügel kommt, sind zudem Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil“, so Hüsing. Das Kassenhaus ist quasi die Visitenkarte des Burgvereins, denn hier kommt es schließlich zum ersten Kontakt und Eindruck der Besucher aus nah und fern mit der Burg. Letzterer ist oft entscheidend, ob sich die Besucher auf dem Burghügel wohlfühlen werden oder nicht. Als kleine, eher symbolische Anerkennung für ihren wertvollen Einsatz erhielt jedes Teammitglied einen Gutschein für Kaffee und Kuchen im Prinzengarten-Café. Übrigens freut sich das Team stets über engagierten Zuwachs.
Brigitte Bremer brachte danach das Auditorium auf den neusten Stand in Sachen Digitalisierung. Auslöser dafür waren 14.500 Euro, die der Burgverein im letzten Jahr über das Programm „Ehrenamt digitalisiert“ seitens des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung nach einer Bewerbung dafür erhalten hatte. Damit ließ sich bereits das Burgbüro mit neuer Computertechnik samt passender Software ausstatten, tatkräftig und kostenfrei bei der Installation unterstützt durch Dr. Ioannis Flokos und Andreas Gebauer von dem Softwarehaus f-g.consulting. Außerdem steht nunmehr ein effizientes Intranet für die interne Kommunikation zur Verfügung. Aktuell werden gerade die umfangreichen Archivunterlagen eingescannt sowie die Schulungen für den Umgang mit den neuen Programmen durchgeführt. Die finale WLAN-Inbetriebnahme soll ebenfalls in diesem Jahr realisiert werden.
Im zweiten Teil der Zusammenkunft wartete auf die 130 Teilnehmer ein kalt-warmes Buffet. So ließ sich in fröhlicher Runde bei anregenden Gesprächen der inzwischen bei manch einem Teilnehmer aufgekommene Hunger und Durst auf angenehme Weise in Erwartung des gerade begonnen Schweikard-Gedenkjahres stillen.

