Schweikard von Kronberg – Freund und Förderer der Kirchenmusik

Das „Neue Orchester Kronberg“ hatte zu einem stimmungsvollen Nachmittag in den Wappensaal eingeladen. Foto: Ried

Kronberg (war) – Vor kurzem bewies das „Neue Orchester Kronberg“ erneut sein hohes musikalisches Können. Dazu hatte das immer wieder gern gehörte Streicherensemble in den Wappensaal – die „gute Stube“ der Burg – eingeladen. Insbesondere die vom Orchester aufgeführte „Secunda Symphonia“ passte ideal an diesen Ort, denn deren Komponist Daniel Bollius hatte einst Schweikard von Kronberg an seinen Hof in Mainz berufen. Der 1553 geborene und musikbegeisterte Schweikard stand von 1604 bis 1626 als Kurfürst und Erzbischof dem Bistum Mainz vor. Schon als Theologiestudent des bis heute renommierten Priesterseminars „Collegium Germanicum“ in Rom erhielt Schweikard eine solide musikalische Ausbildung, zu der auch die Gesangskunde gehörte. So soll er in Rom regelmäßig Konzerte des damals führenden Kirchenmusikers der Renaissance, Giovanni Pierluigi Palestrina, besucht haben. Das erklärt nicht zuletzt sein ausgeprägtes musikalisches Interesse in seinem weiteren Leben. Insbesondere die Förderung der Kirchenmusik lag ihm als Erzbischof sehr am Herzen, diente sie ihm doch als ein wirksames Instrument zur Stärkung des Glaubens der Menschen in seinem Bistum.

So erschien schon zu Beginn seiner Regentschaft im Jahr 1605 das „Catholisch Cantual“. Es gehört mit zu den ersten katholischen Gesangbüchern, die deutsche Gottesdienstlieder gleichberechtigt neben die bisher durchweg lateinischen Gesänge der Kirche stellt. Das „Cantual“ ist nicht zuletzt als Reaktion auf den evangelischen Gottesdienst zu verstehen, in dem schon länger deutschsprachiges Liedgut Einzug gehalten hatte So gehen alleine rund 35 deutsche Lieder auf Martin Luther zurück. Zahlreiche Komponisten, darunter auch evangelische, widmeten Schweikard immer wieder Musikstücke. Zunächst war für Schweikard der um 1601 nach Mainz berufene und vermutlich aus Flandern stammende Jan Le Febure bis 1612 als Hofkapellmeister und Hoforganist tätig. Unter diesem entwickelte sich die kurfürstliche Hofkapelle zu einem hochrangigen Klangkörper. Noch heute ist Le Febure durch sein um 1609 publiziertes, 33 strophisches Marienlied „Rosetum marianum“ bekannt. Ab 1612 stand dann der aus Slowenien gebürtige Gabriel Plautz der Mainzer Hofkapelle vor. Diesem oblag auch die musikalische Begleitung bei der festlichen Einweihung des von Schweikard neu errichteten Schloss Johannisburg in Aschaffenburg im Jahr 1614. Dort unterhielt Schweikard sogar eine umfangreiche Bibliothek eigens für Musikalien, darunter Werke französischer deutscher und italienischer Tonmeister. Nach Schweikards Tod wurde die Sammlung nach Mainz verlegt. Hier verbrachten jedoch die Schweden, welche sich 1631 in Mainz für mehrere Jahre während des 30-jährigen Kriegs festgesetzt hatten, die Bücher und Noten ins schwedische Uppsala. Ein Teil der konfiszierten Beute ging unwiderruflich bei einem Schiffsbruch in der Ostsee verloren. Ab den 1620er-Jahren trat wohl der eingangs erwähnte Daniel Bollius ebenfalls in den Dienst des Kurfürsten. Zuvor war dieser als Organist am Hohenzollernhof in Sigmaringen tätig gewesen. Bollius war einer der ersten deutschen Komponisten, die einen italienisch beeinflussten Konzertstil bevorzugten.

Schweikards Hofkapelle trat auch bei den Kaiserkrönungen der Habsburger Matthias und Ferdinand II. in den Jahren 1612 und 1619 im Frankfurter Dom auf, denn der Mainzer Bischof begleitete in Personalunion automatisch das Amt des Reichserzkanzlers. Dadurch war Schweikard als Stellvertreter des Kaisers hierarchisch gesehen der zweite Mann im Staat, welchem nach dem Ableben eines Kaisers die Wahl und Krönung eines Nachfolgers oblag.

Schweikard verstarb am 17. September 1626 in Aschaffenburg. Aus diesem Grund wird der Burgverein im nächsten Jahr mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm dessen 400. Todestages gedenken. In diesem Rahmen wird die Musik unter Schweikards Regentschaft erneut Thema sein.



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