Thorsten Larbig – Phänomenal – ungelogen!

Der polyglotte Kosmopolit Larbig entfachte ein „Feuerwerk in Kronberg“ – ein spielerisches, verspieltes Wort- und Klangfeuerwerk der schönsten Art. Foto: brh

Kronberg (brh) – Er beginnt mit der Zugabe. Aber, ganz ehrlich: Das haben wir ihm sowieso nicht geglaubt. Und dann wirft er erst einmal die Phrasendreschmaschine an – von „Du kannst mich Tag und Nacht anrufen“ bis „Wir lieben Lebensmittel“ spult er einen Unsinnsspruch nach dem anderen ab, wechselt dabei blitzschnell Mimik und Ausdruck, und sein Publikum glaubt ihm. Alles. Oder auch: gar nichts.

Der Pianist Thorsten Larbig mutiert in seinem Programm „Lügen kann ich am besten“ zum Sänger, Schauspieler und Tastenakrobaten, und natürlich sagt er von sich „Ich bin einfach toll“. Das glaubt man ihm dann schon, so rasch wie er die Genres wechselt. Mal lyrisch-melancholisch, wenn er auf der Wiese eine Krise bekommt, und das auch noch mit Luise, die wurde dann ganz fiese, dann wieder schön böse, wie im Zyklus „Schöne deutsche Vornamen“, wo der arme Karlheinz seinen Heiligenschein entbehren musste und der klavierspielend nervende Angelo das Piano, das die entnervten Nachbarn kurzerhand bei der Grillparty in Flammen aufgehen lassen., oder auch Nils – der keine Kompromisse eingehen kann, denn „Kompromisse schließen ist eine Frage des Stils“. Den hat er nicht, der Nils. Veganer und Laktoseintolerante bekommen ihr Fett ab und das Gorgonzola-Prinzip, von Thorstens Großvater erfunden, überzeugt in Larbigs Präsentation auch noch den letzten Käse-Skeptiker. Empfindsam sei er, hoch sensibel, und behauptet „Empörung ist mein Lebenselixier“ und Charity sein zweiter Vorname. Erbarmungswürdig schildert er die Leiden, dem das Klavier in der Textorschule ausgesetzt ist: „Gleich fallen sie wieder über mich her“, die unbegabten Klavierschüler, und der Larbig sieht nur zu und lässt es leiden, währenddessen das geplagte Instrument träumt: von Horowitz, von Lang Lang – und von Marie. Die ist zwar auch unbegabt, aber schön wie ein Engel…

Ein Lied singen, mit zusammengebissenen Zähnen: auch das kann er perfekt, und so schwärmt er sich durch die Geographie: „Wenn ich dich seh, dann werd‘ ich schwach, sogar in Offenbach“ und ist „so sehr von ihr gebannt auf Helgoland“. Der polyglotte Kosmopolit Larbig entfacht ein „Feuerwerk in Kronberg“ – ein spielerisches, verspieltes Wort- und Klangfeuerwerk der schönsten Art. Da konnte auch das zuweilen kratzige Headset-Mikro nicht stören; für Abhilfe sorgte Gabi Krieger, die Organisatorin der Reihe, die Larbig kurzerhand auf offener Bühne mit dem burgeigenen Headset ausstattete, das dann auch störungsfrei funktionierte.

Das war ein gelungener Auftakt der im vorigen Jahr ergänzend zu den „Texten und Tönen zur Teezeit“ neu installierten Veranstaltungsreihe „Samstags auf der Burg“ – Burg Kronberg natürlich.

Nun muss es sich nur noch herumsprechen, dass der erste Samstag eines Monats zwischen Mai und Oktober ab 19 Uhr jeweils beste Unterhaltung verspricht: demnächst mit der Opernakademie Schwalbach, mit Chansons, gesungen von Laetitia Cropp, mit den Moneypennies, und mit der witzigen Band, „Emma Pohl seine Freunde“.

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