Wo Pferde heilen: Therapeutinnen aus Hessen öffnen ihre Stalltüren am 22. März

Oberhöchstadt (kb) – Als Leon zum ersten Mal auf den Hof kommt, schaut er nur auf seine Schuhe. Er ist acht, spricht wenig und meidet den Blickkontakt. Doch dann hebt die Stute Fenja den Kopf, schnaubt leise und geht langsam auf ihn zu. Leon bleibt stehen, streckt vorsichtig die Hand aus. Fenja legt ihre Nase hinein. Vertrauen entsteht, ganz ohne Worte.

Szenen wie diese erleben die Therapeutinnen und Therapeuten der Regionalgruppe Hessen regelmäßig. Um ihre Arbeit sichtbar zu machen, laden die Fachleute zu einer interaktiven Ausstellung auf den Pferdehof ein.

Pferdegestützte Interventionen umfassen ein breites Spektrum: angefangen bei der Heilpädagogischen Förderung über die Reittherapie bis hin zum pferdegestützten Coaching. Die Zielgruppen sind vielfältig: Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Jugendliche in schwierigen Lebensphasen, Erwachsene mit psychischen Belastungen oder Führungskräfte, die an ihrer Persönlichkeitsentwicklung arbeiten möchten. Das Pferd reagiert unmittelbar auf Körpersprache, Stimmung und innere Haltung des Menschen. Es hat eine sehr feine Wahrnehmung und spiegelt damit den Menschen.

Hinter den Angeboten steht ein interdisziplinäres Team aus zertifizierten Fachkräften: Ergotherapeutin, Erzieherin, Sozialpädagoginnen, Ärztin und Coach. Alle verfügen über anerkannte Zusatzqualifikationen und bilden sich kontinuierlich fort. Pferdegestützte Therapie ist kein esoterischer Trend, sondern eine evidenzbasierte Methode auf fundierten pädagogischen, psychologischen und physiologischen Grundlagen.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Wirkung von Pferden bei Kindern und Jugendlichen. Ein Kind, das sich im Gespräch verschließt, öffnet sich oftmals auf dem Rücken eines Pferdes. Die rhythmischen Bewegungen stimulieren das Sprachzentrum und wirken gleichzeitig insgesamt beruhigend. Auf einem Pferd zu sitzen, heißt, äußerlich und innerlich ins Gleichgewicht zu kommen. In der Begegnung mit dem Pferd lernen nicht nur junge Menschen, Verantwortung zu übernehmen, Grenzen zu respektieren und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Diese Erfahrungen stärken die Resilienz und bilden die Grundlage für eine gesunde Entwicklung.

Das Pferdewohl steht an oberster Stelle. Die Therapiepferde leben in artgerechter Haltung mit ausreichend Bewegung, Sozialkontakten, Pflege und Training. Sie werden speziell ausgebildet für ihren Einsatz. Die Pferde sind gleichwertige Partner im therapeutischen Prozess, oftmals geben sie neue Impulse, wenn der Mensch nicht weiterkommt.

Die Ausstellung ist bewusst interaktiv mit einer Fühlstation, einer Hörstation, vielen Therapiematerialien und interessanten Informationen zum Wesen der Pferde. Es gibt natürlich die Möglichkeit, die Therapiepferde persönlich kennenzulernen und die Arbeit mit ihnen live zu erleben.

Wenn anschließend bei Kaffee und Kuchen auch noch die Quizfragen gelöst werden können, winken kleine Preis für die Gewinner. Los geht es am Sonntag, 22. März, von 14 bis 17 Uhr. Veranstaltet von der Regionalgruppe des Berufsverbandes für Pferdegestützte Interventionen (PI) Hessen findet das Event in der Ponyreitschule Zuber, Steinbacher Straße in Kronberg-Oberhöchstadt statt. Ansprechpartnerinnen sind Janina Zuber, unter Telefon 0176/64606478 oder per E-Mail an info[at]reiten-therapie[dot]de zu erreichen sowie Brigitte Rieth, per E-Mail an brigitterieth[at]web[dot]de.



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