Schönberg (kb) – Die CDU-Kandidaten für den Ortsbeirat Schönberg haben bei ihrem Besuch bei der Volkswirtschaft Lindenhof, die in Schlangenbad-Bärstadt von Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen einer Genossenschaft seit mehreren Jahren eigenständig geführt wird, viele wichtige Erkenntnisse für die Weiterführung der Kneipe ‚Die Freizeit‘ in Schönberg gewonnen: „Vor allem braucht es eine kleine Gruppe von Leuten, die mit Herzblut dabei ist, damit so ein Vorhaben Erfolg haben wird. Diese Gruppe muss sich dann auch beständig um zentrale Aufgaben kümmern: Einkauf, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit sowie Finanzen“, bekräftig Jürgen Krelaus. „Weiterhin sollte man die Gaststätte nicht nur als Kneipe betreiben, sondern auch mit ungewöhnlichen Veranstaltungen wie Musikquiz oder Bingo versuchen, neue Leute in die Kneipe holen.“
„Schließlich muss man sich auf die Organisationsform einigen – ob Verein oder Genossenschaft oder gar ein anderes Model,“ betont Alexander Bobis-Deupmann. „Bei der Volkswirtschaft Lindenhof wurde eine Genossenschaft gegründet, an der sich viele Bürger von Schlangenbad-Bärstadt beteiligt haben. So etwas muss aber nicht unbedingt auch für die „Freizeit“ in Schönberg passen. Eine Kneipe kann auch von einer kleinen Gruppe von Leuten geführt werden, wie die Erfahrungen von anderen Orten zeigen.“
An der Genossenschaft haben sich mehr als 200 Leute beteiligt. Neben dem Vorstand gibt es eine Gruppe von etwa 40 Leuten, die Thekendienste übernehmen. Geöffnet ist an drei Abenden unter der Woche. Ziel war es, mit einer Genossenschaft größtmöglich Transparenz nach außen hin herzustellen: So muss jedes Jahr eine Jahresbilanz erstellt und sogar im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Es gibt zusätzlich einen Aufsichtsrat, der den Vorstand der Genossenschaft überwacht. So eine Genossenschaft ist damit ein sehr aufwendiges Organisationsmodell, deren Gründung auch Kosten mit sich bringt – auch wenn man hierfür in Hessen Fördertöpfe anzapfen kann.
Dass sich so viele Leute an der Genossenschaft beteiligt haben, lag auch an der Ausgangslage: Als vor einigen Jahren der letzte private Pächter bei der Volkswirtschaft Lindenhof aufgehört hatte, bestand die Gefahr, dass der letzte verbliebende Gastronomiebetrieb in Schlangenbad-Bärstadt dauerhaft die Pforten schließt.
Die Kneipe läuft seit der Neugründung sehr gut – das liegt aber auch daran, dass immer wieder ganz verschiedene Veranstaltungen angeboten werden: Heringsessen, Schlachtfest, Pubquiz, Bingo, Lesungen, Theater, Weinprobe und Trauercafé. Es treten Bands auf, die gerne wiederkommen, und Vereine nutzen die Kneipe für ihre Sitzungen. So kommen auch neue Leute in die Kneipe, die sie bisher noch nicht besucht hatten.
„Wir haben bei unserem Besuch aber auch viele ganz praktische Tipps erhalten – jedenfalls für uns, die wir in der Führung einer solchen Kneipe gänzlich unerfahren sind,“ erklärt Jürgen Krelaus. „Etwa, dass man die Reinigung lieber extern vergeben sollte, da so etwas doch schwer ehrenamtlich beständig zu organisieren ist. Dass man keine frisch zubereiteten Speisen anbietet, sondern nur solche, die schon vorbereitet sind und die man dann nur noch aufwärmen muss – da es hierfür weniger Hygieneauflagen gibt. Oder dass in der Küche Fotos von allen angebotenen Speisen hängen, damit jeder genau weiß, was und wie viel auf den Teller kommen muss.“
„Wer die Kneipe ‚Die Freizeit‘ erhalten will, muss aber nicht gleich groß in die Organisation ihrer ehrenamtlichen Weiterführung einsteigen. Es reicht, wenn wir alle diesen Ort häufiger besuchen,“ bekräftigt Alexander Bobis-Deupmann. „Ich fasse mich da auch an meine eigene Nase: Obwohl ich seit 30 Jahren in Schönberg lebe, habe ich in dieser Zeit “die Freizeit“ ganz selten besucht. Ich nahm sie als Selbstverständlichkeit hin – und jetzt merke ich erst, dass ihr Fortbestehen eben nicht selbstverständlich ist.“
„Was für die Freizeit gilt, gilt auch für andere Gastronomiebetriebe oder Kultureinrichtungen in Schönberg – wie zum Beispiel für das Restaurant in der Taunushalle oder für die Veranstaltungen von Creative Sounds Kronberg in der Kellerbar der Taunushalle,“ betont Martha Ried. „Wenn wir wollen, dass diese Einrichtungen erhalten bleiben, müssen wir sie einfach selbst häufiger nutzen. Es liegt an uns, dass Schönberg lebendig bleibt.“