50 Jahre Sankt Franziskus-Kirche

Herr Bluhm von der katholischen Gemeinde Sankt Aureus und Justina, Pastor Tobias Lenhard von der Freien Evangelischen Gemeinde, der Pfarrer der Alt-Katholiken Christopher Weber und Martin Ott, Kirchenvorstand der Evangelischen Kreuzkirchen-Gemeinde (v.l.) .Foto: bg

Seit 50 Jahren ist die Sankt Franziskus-Kirche am Geschwister-Scholl-Platz ein Wahrzeichen im Stadtteil Bommersheim. Am 18. Oktober 1975 wurde die Sankt Franziskus-Kirche von Bischof Josef Brinkhues geweiht und der Gemeinde zur Feier ihrer Gottesdienste übergeben.

Von Brigitte Geißler-Burschil

Damit hatte die alte Holzkirche, die viele Jahre anstelle eines festen Hauses genutzt wurde, ausgedient. Sie hatte zuvor schon gute Dienste in Frankfurt in der Freiherr-vom-Stein-Straße geleistet hatte, von dort zu diesem markanten Platz umgezogen und im Mai 1959 von Bischof Demmel geweiht worden. Das Grundstück für den vorgesehen Neubau eines Gemeindezentrums hatte die Gemeinde bereits 1958 von der Stadt Oberursel erworben, aber die Mittel reichten damals noch nicht aus. Im Jahr 1974 war es dann soweit. Im Juni, nachdem die Stadt die Baugenehmigung erteilt hatte, erfolgte im Oktober die feierliche Grundsteinlegung. Bereits am 21. November konnte dann das Richtfest gefeiert werden. Für das neue Kirchengebäude wurde der Name Sankt Franziskus Kirche festgelegt. Mit einem feierlichen Festgottesdienst feierte jetzt die Alt-Katholische Gemeinde dieses Jubiläum. Aus diesem Anlass war das Gotteshaus fast bis auf den letzten Platz besetzt. Das Kirchweihfest war für alle Gemeindemitglieder ein besonderer Freudentag. Die Festgemeinde wurde von Doris Augsten, 2. Vorsitzende des Kirchenvorstandes auf’s Herzlichste begrüßt. Sie freute sich über besonders über viele Gäste aus den befreundeten Pfarreien in Bommersheim. Von der Katholischen Gemeinde St. Aureus und Justina, der Evangelischen Kreuzkirche und der Freien Evangelischen Gemeinde waren Abordnungen erschienen. Ökumene wird in Bommersheim von allen vier christlichen Gemeinden gelebt. Das gute Miteinander besteht teilweise bereits seit mehr als 50 Jahren. Der erste Pfarrer der Kreuzkirche Peter Soeder hat das in seinen Erinnerungen sehr schön festgehalten. Im Mai 1961 trat er seine Pfarrstelle in Bommersheim an. Tatkräftig trieb er die Pläne zum Bau eines Gemeindezentrums voran, so dass die Kreuzkirche im Goldackerweg noch im Jahr 1965 eingeweiht werden konnte. Zur Geschichte gehört: Bis zur Fertigstellung ihres eigenen Gotteshauses waren die Mitglieder der Kreuzkirchgemeinde regelmäßig zu Gast bei den Altkatholiken und durften in deren Holzkirche ihre Gottesdienste halten. Nähe. Fünf Jahre lang nahm die Kreuzkirchengemeinde die Gastfreundschaft der Altkatholiken gerne in Anspruch, daraus entwickelten sich dauerhafte Beziehungen.

Die Altkatholiken sind eine junge Kirche mit uralten Wurzeln. Schon das Wort „Alt“ verbinden viele spontan mit veraltet, stockkonservativ; dabei sind die Altkatholischen Christen alles andere als das. Sie denken fortschrittlich, aufgeschlossen, reformorientiert, sind gastfreundlich und schließen niemanden aus. Ihre Kirche entstand vor mehr als 150 Jahren. Die Beschlüsse des 1. Vatikanischen Konzils 1870 von der Unfehlbarkeit des Papstes waren der Anlass für die Eigenständigkeit. In Oberursel erlebte die Alt-Katholische Gemeinde eine Blütezeit kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges in den Jahren 1945/46 durch den Zuzug von Sudetendeutschen, die aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Darunter befanden sich viele Altkatholiken aus dem Bistum Warnsdorf, die im Vordertaunus eine neue Heimat gefunden hatten. Für all die Not, durch sie durch Krieg und Vertreibung erlebten hatten, fanden viele Menschen Trost und Halt in der Kirche. Alle Gotteshäuser waren damals immer proppenvoll.

Gleich zu Beginn des Gottesdienstes zündete Pfarrer Christopher Weber für das verstorbene Gemeindemitglied Lieselotte Schweneke, eine Trauerkerze an. Das treue Gemeindemitglied sei zu Hause friedlich eingeschlafen, berichtete er. Noch bis vor wenigen Monaten nahmen sie trotz ihrer 98 Jahre regelmäßig am Gottesdienst teil, munter und im Kopf hell wach. Vielen Generationen in Bommersheim brachte sie Schreiben und Lesen bei. Fast ihr gesamtes Berufsleben war sie an der früheren Volks- und späteren Grundschule Oberursel Süd im Einsatz.

In seiner Ansprache schlug der Pfarrer einen großen Bogen vom Predigttext über die Berufung der Jünger von Jesus durch die einfache Aufforderung „Komm mit“ zum Bau neuer Kirchen. „Das waren keine Superhelden, aber was ist daraus entstanden? Häuser aus Stein wurden errichtet, Häuser in den sich die Wege der Menschen kreuzen, sie Zwiesprache mit Gott halten und sich begegnen. In Bommersheim stellte er fest, kennt doch noch fast jeder und jeden. Mit seinen Macken, Stärken und Fähigkeiten und das zählt. Kirche sind heilsame Orte, so sein Credo. Für den stimmungsvollen, musikalischen Rahmen des Kirchweihfestes sorgte der Männerchor Oberursel, unter der Leitung von Alexander Launspach. Er stimmte „Donna nobis pacem“ und „Ich bete an die Macht der Liebe“ an. Ihm gehören zur Zeit knapp 30 Sänger an. Gegründet wurde er im Jahr 2023. Damals schlossen sich der traditionsreiche Kolpingchor, der bereits 1887 ins Leben gerufen wurde und der Mag’sche Männerchor aus Bommersheim, der 1932 gegründet worden war, zusammen. Über Zuwachs würden sie sich freuen und laden alle Interessenten ein, einmal zu ihren Chorproben zu kommen. Der Männerchor probt jeden Mittwoch im Pfarrheim der Liebfrauenkirche, Berliner Straße, Beginn: 19.30 Uhr.

Nach einem kleinen Sektumtrunk folgte ein gemütliches Beisammen bei Kaffee und Kuchen, im Gemeindesaal, der blitzschnell umgeräumt worden war. An den langen Tafeln saßen man einträchtig zusammen, tauschte sich aus und führte interessante Gespräche. Alle waren sich einige, es war ein sehr würdiges und beglückendes Kirchweihfest.

Die alte Holzkirche gibt es übrigens immer noch. Von Bommersheim erfolgte vor 50 Jahren ein Umzug nach Laubus-Eschbach. Dort dient sie noch heute der Katholischen Kirche als Gotteshaus, das sei doch gelebte Ökumene bemerkte Pfarrer Christopher Weber zufrieden lächelnd am Rande.

Lange Kaffee-Tafeln in der Franziskus-Kirche. Foto: bg

Der Männerchor Oberursel im Einsatz. Foto: bg

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