Die Blutspende: Ein Geschenk, das wirklich von Herzen kommt

Gut gelaunt und entspannt beim Geschenketausch (v. l.): Yvonne Sarasty Rodriguez, Claudia Willisch vom DRK-Blutspendedienst und Wilhelm Leber. Foto: js

Oberursel (js). Wer kommt, bringt ein für andere Menschen lebenswichtiges Geschenk mit. Und wenn er geht, hat er 500 Milliliter Blut weniger im Körper. Blut, das Leben retten kann. Im Ortsteil Weißkirchen gehört die „gute Tat“ passend zum Fest der Liebe für viele Menschen dazu. Über viele Jahre ging man traditionell am zweiten Weihnachtsfeiertag zum Aderlass ins Feuerwehrhaus, jetzt trifft man sich in der Turnhalle des TV Weißkirchen.

Wilhelm Leber, den im Ortskern fasst jeder kennt, weiß schon gar nicht mehr, wie oft er schon Blut gespendet hat. Liegt völlig unaufgeregt auf der Liege, ein Routine-Akt für den fitten Senior, gehört irgendwie dazu an Weihnachten. Aus der rechten Armbeuge fließt der dunkelrote Lebenssaft, bei Yvonne Sarasty-Rodriguez auf der Liege daneben aus dem linken Arm. Bei ihr ist es auch schon die 26. Spende, sie weiß das so genau, weil sie im Herbst für das „Silberjubiläum“ einen Extra-Dank und eine Urkunde bekommen hat. Claudia Willsch in der Mitte kontrolliert die Zapfstation, passt auf, dass alles ordnungsgemäß läuft. Die Dame vom DRK-Blutspendedienst macht das routiniert und gelassen, auch wenn es bei einem Kandidaten mal nicht so läuft. Auch sie ist seit vielen Jahren dabei, wenn die Blutbeutel gefüllt werden.

Kerstin Wahlisch aus Stierstadt kommt „alle Jahre wieder“ zur Zapfstelle. Sie weiß, dass sie begehrtes Blut hat und mit ihrem Gang „etwas Gutes tut“. Auch wenn es bei ihr kein Blut der Sorte „Null negativ“ ist, das besonders begehrt ist, weil es allen helfen kann, die dringend frisches Blut brauchen. Natürlich ist jeder Typus wichtig, der Blutspendedienst kann gar nicht genug vom Lebenssaft der Menschen bekommen in diesen Tagen, um den Bedarf in den Krankenhäusern zu befriedigen. Bei „Null negativ“ ist die Lage „bedrohlich“, bei „Null plus“ und „A-minus“ bereits kritisch, so steht es geschrieben, visualisiert mit fast leeren Behältnissen. Um ein „besonderes Weihnachtsgeschenk“ haben das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und sein Blutspendedienst daher in den Einladungen an alle eingetragenen Blutspender gebeten. Da kommt es auf alle Thrombozyten an. Die Blutplättchen sind die kleinsten Zellen des Blutes und nur wenige Tage haltbar. Wer zum Weihnachtstermin kommt, geht mit 500 Milliliter Blut weniger und einem guten Gefühl nach Hause.

Im Eingangsbereich zum großen Spenderaum mit dem halben Dutzend Zapfstellen, die von vielen netten Damen meist in weißen Kitteln betreut werden, organisiert Christine Hilbich-Schöck vom DRK-Blutspendedienst mit einem Kollegen die digitale „Einschreibung“ der angemeldeten Freiwilligen und ein paar spontanen Gästen. Erzieherin Hilbich-Schöck macht das seit 20 Jahren, ehrenamtlich für das DRK unterwegs ist sie seit 28 Jahren. Zweiter Schritt ist, an dezent abgetrennten Tischen wie im Wahlbüro den obligatorischen ärztlichen Fragebogen auszufüllen. Es kommt zwar selten vor, aber manchmal müssen die studierten Experten, ein Arzt und eine Ärztin, nach Durchsicht des Fragebogens und Gespräch auch den Daumen senken. Müssen einen willigen Spender leider dankend abweisen, weil irgendetwas nicht passt. Der noch nicht überstandene grippale Infekt etwa oder der Trip vor kurzem nach Indonesien, das als Malaria-Gebiet gilt, wie es bei einem älteren Herrn der Fall war, der gerne etwas zum Blutfluss beigetragen hätte.

Zwischen Vorraum und Doktor-Tisch bildet sich trotz Voranmeldung und vorgegebenem Zeitfenster schnell mal eine kleine Schlange, lange Wartezeiten wie in früheren Zeiten bei unerwartetem Ansturm gibt es aber nicht mehr. Auf den Liegen wechseln die „Patienten“ in flottem Rhythmus. Rund zehn Minuten brauchen die meisten für die 500 Milliliter, ein bisschen Pumphilfe mit der eigenen Hand hilft auch. Damit niemand hinterher abklappt, schließt sich noch eine etwa zehnminütige Ruhepause an. Das ist meist ein Anfängerproblem. „Ab der zehnten Spende läuft’s besser, der Körper merkt sich das“, hat einmal ein Arzt gesagt.

Zum Abschied gibt es noch Süßes vom DRK-Nachwuchs, der die Ruhezeit kontrolliert. Wer kommt, bringt ein Geschenk und geht mit einem Geschenk, so ist das beim Blutspenden. „Blutspenden ist ein Geschenk, welches im wahrsten Sinne des Wortes von Herzen kommt“, so Yvonne Sarasty Rodriguez. Zum Dank für die „Gute Tat“ gibt’s diesmal sogar noch eine rot-weiße Emaille-Tasse mit Blutstropfen und dem Motto der Aktion „Jeder Tropfen zählt“.



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