Oberursel (ow). Fast fünf Jahre lang war die Halle der Erich-Kästner-Schule (EKS) in Oberursel nicht nutzbar, nachdem im Juni 2021 an der baugleichen Halle der Integrierten Gesamtschule IGS in Stierstadt aufgrund der hohen Last durch gestautes Regenwasser ein Teilstück des Daches eingestürzt war. Die Gebäude an der EKS und der Bad Homburger Gesamtschule am Gluckenstein, GaG, waren daraufhin vorsorglich gesperrt worden, ebenso die Sporthalle am Königsteiner Taunusgymnasium. Da dort aber bereits 2010 Ertüchtigungsarbeiten am Dach vorgenommen worden waren, konnte diese bereits wieder im Oktober 2024 in Betrieb genommen werden.
Die sofortige Sperrung der Sporthallen erwies sich als die richtige Entscheidung, wie sich später zeigte. Ging man zunächst davon aus, dass nur die Dachflächen erneuert werden müssten, wurden bei den zunehmend aufwendiger werdenden Untersuchungen, bei denen auch nicht sichtbare Bauteile geöffnet wurden, teils gravierende Konstruktionsmängel festgestellt. Diese betrafen unter anderem die Auflager der tragenden Betonbinder, unzulässige Bohrungen sowie die Binder selbst: Diese waren im Auflagerbereich so verjüngt, dass sie weder den bei der Errichtung Anfang der 1970er Jahre geltenden Normen, geschweige denn heutigen Vorgaben genügten. Zudem waren in die Binder unzulässig Löcher gebohrt.
So führte an einem Austausch der Betonbinder gegen Stahlelemente kein Weg vorbei. Ein unerwartetes Großprojekt für den Hochtaunuskreis, der als Schulträger im Rahmen seines Schulbauprogramms schon mit den planmäßigen Neu- und Umbauten gut zu tun hat. Jetzt ist ein Ende der Sanierung der ersten der drei verbliebenen Hallen absehbar: An der EKS kann voraussichtlich in der Woche nach den Osterferien endlich die erste Sporthalle wieder in Betrieb gehen. Das Dach ist komplett neu aufgebaut, der Hallenboden ist verlegt, die neuen Sportgeräte stehen für die Abnahme und Einweisung der Lehrkräfte und Vereinsvertreter bereit.
„Es hat lange gedauert, aber es hat sich gelohnt: Die EKS-Schulgemeinde und die Oberurseler Vereine haben nun wieder eine hochmoderne Sportstätte, in der gut und vor allem sicher Sport getrieben werden kann“, sagte Landrat Ulrich Krebs anlässlich eines Rundgangs, bei dem auch die Komplexität der Sanierung deutlich wurde.
Denn trotz der verbindlichen Zusage einer ausführenden Firma, die Restarbeiten bis Ferienbeginn zu erledigen, fehlen noch einige Sportgeräte wie Basketballkörbe und Sprossenwand. Die fehlenden Teile des Prallschutzes sollen hingegen in den kommenden Tagen montiert werden. Es sei ein Montageteam ausgefallen, deswegen könnten einige Arbeiten erst nach den Ferien erledigt werden, hat die beauftragte Fachfirma kurzfristig mitgeteilt. Das ist sehr ärgerlich und zeigt, mit welchen Problemen im Bausektor immer wieder zu kämpfen ist. Jens Glatz, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Hochbau des Hochtaunuskreises, fasste zusammen: Man werde bei der Firma darauf drängen, dass der Sportbetrieb durch die noch ausstehenden Arbeiten nicht gestört wird.
Für Glatz und Landrat Krebs sind solche Verzögerungen bei Bauprojekten ein großes Ärgernis. „Die Hallen werden gebraucht, die Fertigstellung wird von den Schulen und Vereinen sehnsüchtig erwartet, das wissen wir. Allerdings gibt es weiterhin oft eine geringe Rückmeldung von Firmen, wenn Aufträge ausgeschrieben werden. Da ist es bisweilen schon ein Erfolg, wenn überhaupt tragfähige Angebote eingehen“, stellte Krebs klar.
Ausfälle wiederum kosten Geld und führen zu Verzögerungen. Sie kosten Zeit, vor allem, wenn die Gewerke aufeinander aufbauen, und kosten Geld, weil immer Ersatz organisiert und bezahlt werden muss; im Falle der EKS eine verlängerte Standzeit der Traglufthalle.
Im Kreishaushalt waren für die Fertigstellung der Doppelsporthalle an der EKS rund 12,38 Millionen Euro bereitgestellt worden. Mit diesem Geld konnte das Dach erneuert werden, außerdem wurden Hallenboden, Prallwände, Heizung, Lüftung, Elektroinstallationen und teilweise auch Sanitäreinrichtungen erneuert. Außerdem gab es für jede Halle ein Budget in Höhe von 100.000 Euro für neue Sportgeräte.
In der EKS-Halle sind neben den Schülern der Erich-Kästner-Schule als Hauptnutzer auch Jugendliche der Hochtaunusschule, des Gymnasiums Oberursel und der Feldbergschule aktiv. Die TSG Oberursel nutzt die Halle für ihr Handballtraining, der TV Bommersheim für Volleyball.

