Oberursel (bg). „Das es so etwas noch gibt“. Maria Sparwasser kann es immer noch nicht so richtig fassen. Die Freude steht der Einrichtungsleiterin mitten ins Gesicht geschrieben. Auf dem großen Areal des Internationalen Bund (IB) in Bommersheim fand vor dem Cafe Diana etwas Ungewöhnliches statt. Stattliche 5000 Euro wechselten ihren Besitzer. Uwe Beier ist der großherzige Spender. Zur symbolischen Scheckübergabe war er in Begleitung seiner Nichte Katharina aus dem Rodgau angereist. Bei seinem runden Geburtstag hat er auf Geschenke verzichtet und stattdessen um einen Obolus für die Oberurseler Einrichtung des IB gebeten. Über die großherzige Spendenbereitschaft seiner zahlreichen Geburtstagsgäste war er sehr überrascht und hat sie dann selbst großzügig noch aufgestockt.
Dahinter steckt eine unglaublich berührende Geschichte. Seine Schwester Inge war vor neun Jahren gestorben, und zwar genau an seinem Geburtstag, Mitte Juni. „Seitdem konnte ich meinen Geburtstag nicht mehr feiern, obwohl ich das bis dahin immer gern getan habe. Erst jetzt nach neun Jahren, als mein runder Geburtstag anstand, habe ich mir einen Ruck gegeben. Meine Schwester hat sich in ihrem Beruf sehr engagiert und für die Menschen eingesetzt, das fand ich wirklich gut, die Aktion hätte ihr gut gefallen“. Inge Beier war gelernte Diplom-Pädagogin und hat fast ihr ganzes Berufsleben für den IB gearbeitet, davon viele Jahre als Betreuerin in dem Haus für besondere Wohnformen des IB Oberursel in der Bommersheimer/Ecke Spessartstraße. Die alleinerziehende Mutter nahm zur Arbeit des Öfteren auch ihre Tochter Katharina mit, die dann in der grünen Oase mit Springbrunnen und lauschigen Ecke rund um die Gebäude gern spielte. Dabei knüpfte sie auch schöne Kontakte zu den Klienten. Heute begleitet sie ihren Onkel bei diesem Termin und berichtet ganz berührt, dass sie von einigen tatsächlich sofort wieder erkannt worden sei. „Die haben sich so gefreut, dass fand ich wirklich schön. Dabei habe ich mich in den neun Jahren doch ziemlich verändert“, stellt sie lachend fest; und ist froh, wieder einmal zurück in Bommersheim zu sein. Unsere Klienten sind für die menschlichen Kontakte sehr dankbar und vergessen liebgewordene Menschen nicht. Davon weiß auch Maria Sparwasser zu erzählen. Sie arbeitet bereits seit neun Jahren in der Einrichtung des IB. Zur Scheckübergabe hatte sich auch Nicola Graf eingefunden.
Die Diplom-Soziologin ist Regionalleiterin des IB Hochtaunus und der Region Hessen Mitte. Sie hat ihr Büro im Areal an der Bommersheimer Straße. Dort befindet sich neben der Tagesstätte mit zahlreichen Büros und Aufenthaltsräumen auch die heilpädagogische Wohneinrichtung, in der rund 25 Klienten betreut leben. Manche sind da schon über 30 Jahre zu Hause. Im Stadtteil Bommersheim ist der IB mit seinem Standort seit Jahrzehnten gut integriert. Die Innenstadt ist von dort fußläufig zu erreichen ebenso der ÖPNV wie U-Bahn oder Stadtbus. Mit dem unerwarteten Geldsegen soll der Eingangsbereich vor dem Cafe und dem Wohnhaus saniert werden, das steht schon lange auf dem Programm. „Endlich können wir auch neue Gartenstühle anschaffen, die alten sind wirklich total am Ende“, freut sich Maria Sparwasser. Ob das bis zum Sommerfest klappt, kann sie noch nicht sagen.
Der Termin steht aber fest, es ist der 6. September und es soll – wie vor Corona üblich – ganz groß gefeiert werden, auch mit einem Flohmarkt. Uwe Beier würde sich wünschen, dass sein Beispiel Schule macht, getreu dem Motto: „Nicht nur meckern, denn das ist ja einfach, sondern besser machen. Jeder kann etwas tun, sich einbringen, egal ob mit ehrenamtlicher Arbeit oder finanzieller Unterstützung. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten“, so sein Credo.
