Oberursel (ow) – Der Geschichts- und Kulturkreis Oberstedten vier historische Filme aus den 60er Jahren und einen Film über die Oberstedter Jubiläumskerb des Jahres 1992. Wilfriede Tröschel, Digitalisierung der Filme ihres Vaters Heinz Braun, und Horst Eufinger, Überarbeitung und Schnitt aller Filme, hatten diese Schätze aus der Geschichte Oberstedtens gehoben und erhielten dafür viel Anerkennung und Applaus.
Am Vortag hatte sich der Verein bereits mit einer Fußtruppe, dem geschmückten Traktor der Familie Eufinger sowie dem historischen „Wanderer“-Mofa von Michael Braun am traditionellen Kerbe-Festzug beteiligt. Der Super-8-Film von Heinz Braun bot seltene Aufnahmen vom „Open House Day der US-Army im Camp King 1961“, dem gut besuchten Tag der offenen Tür im Camp King, das sonst nach dem Krieg aus militärischen und nachrichtendienstlichen Gründen für die Bevölkerung „off limits“ war. In der NS-Zeit war hier 1938 der sog. „Reichssiedlungshof“ errichtet worden, seit 1939 ein Durchgangslager für gefangengenommene alliierte Piloten, kurz: DULAG Luft. Nach dem Krieg mutierte das Gelände zunächst zum Verhör- und Geheimdienstzentrum der Amerikaner, bevor sich hier bis zu deren Abzug im Jahr 1993 der Verkehrsführungsstab der US-Truppen für Westeuropa und die 22th Signal Brigade niederließen. Da das Camp King in Teilen auf Oberstedter Gemarkung lag, stand es auch immer im Stedter Fokus.
Der sich anschließende Auszug aus dem vertonten Foto-Film von Heinz Braun zeigte sowohl den großen Festzug der Turner anlässlich des Gau-Turnfestes in Oberstedten im Jahr 1962 als auch schöne kommentierte Aufnahmen der Straßen des geschmückten alten Ortskerns. Wichtige Straßen erhielten nach der Eingemeindung in Oberursel 1972 andere Namen. Angeführt von der Prominenz in einer Kutsche, marschierten die Oberstedter Vereine, darunter der Gesangverein Harmonia und die Sängereinigung, beide heute nicht mehr existent, der Wanderclub, Turnverein, Fußballclub und der Schützenverein im Festzug mit.
Es folgte Heinz Brauns Film über die Grundsteinlegung für die neue Grundschule an der Landwehr, heute: Dornbachschule, am Samstag, 7. Dezember 1963, die ab 1966 das 1827 errichtete Schulgebäude im Alten Rathaus ersetzen sollte. Davor hatte die erste Oberstedter Schule in der Pfarrstraße 2 residiert. Ehrengäste, Ansprachen, Tanzvorführungen und die musikalische Begleitung der Feuerwehrkapelle prägten die feierliche Zeremonie, bei der auch eine Zeitkapsel eingemauert wurde. Diese gilt seit der Erweiterung der Schule um eine Eingangsstufe im Jahr 1970 als verschollen.
Einen tragischen Verlust erfuhr ebenfalls 1963 die berühmte alte Lohndreschmaschine vom „Schmied-Karl“, die jahrzehntelang die Ernte der Oberstedter Groß- und Kleinbauern auf dem Anwesen Schaller in der Dornholzhäuser Straße drosch. Die „beste Dreschmaschine weit und breit“, bedauerte Ludwig Becker im vierten Film zutiefst, wurde leider bei einer Feuerwehrübung verbrannt. Aus heutiger Sicht ein völlig unverständlicher Umgang mit dieser historisch bedeutenden Maschine.
Der fünfte Film, ein digitalisierter Videofilm von Alfred Schmoll über die Jubiläumskerb von 1992, die zur 1175-Jahr-Feier von Oberstedten als Straßenkerb im alten Ortskern mit einem großen historischen Umzug veranstaltet wurde, zeichnet das reiche Stedter Vereinsleben und das übergroße Engagement der Ehrenamtlichen eindrucksvoll auf.
Die ganze Hauptstraße wurde mit Bäumen geschmückt. Motivwagen und Fußgruppen gaben in historischen Kostümen den zahlreichen Besuchern Einblicke in die Oberstedter Geschichte, vom Leben im Mittelalter über die historischen Raale, Religionsflüchtlinge und Hexenprozesse, das Mühlenwesen und die Entwicklung der Feuerwehr bis zum „Mirabellendorf“ Oberstedten. Karl Heinz Herzberger, „Schmied-Karl“, zog gar mit der alten Holzschneidemaschine, die den Haushalten einst das Winterholz schnitt, im Festzug mit. Im Ortskern wurde tagelang gebührend bei Tanz und Musik feuchtfröhlich gefeiert. Viele der bestens gelaunten damaligen Akteure sind auch heute noch gut bekannt und haben sich dauerhaft ins Oberstedter Gedächtnis eingebrannt, darunter der damalige Ortsvorsteher Roland Bohn.
Die eindrucksvollen Filme werden beim Stedter Advent noch einmal vorgeführt, dann auch bei besseren Lichtverhältnissen, versprach GuK-Vorsitzender und Spiritus Rector der historischen Oberstedten-Filme Horst Eufinger. Denn in der Taunushalle fehlte diesmal leider die Verdunkelung.

