Highlights aus 20 Jahren mit VOICE:TEN

„Mädchen der Nacht“ aus „Jekyll & Hyde“ - mit Christina Maul, Kerstin Ostermeier und Julia Oeffinger (v. l.)Foto: gt

Oberursel (gt). Vor 21 Jahren fing alles an, als Alexander Albert und Ella Oeffinger einen Workshop im Familientreff (damals noch „Mütterzentrum“ genannt) anbieten wollten. Der Workshop fand zwar nicht statt, aber es haben sich dadurch Menschen zusammengefunden, die gerne singen und Bühnenerfahrung hatten.

Aus dieser ersten Idee ist die Gruppe „VOICE:TEN“ entstanden und vor 20 Jahren hatten sie ihre erste Gala in der Stadthalle. Dort feierten sie auch am vergangenen Samstag ihr 20-jähriges Jubiläum und so wie vor 20 Jahren war die Gala ausverkauft. Dabei standen sie nicht allein auf der Bühne, sondern hatten Unterstützung vom Frohsinn-Ballett und von den Sektschwestern, die ebenfalls eine Korporation des Karnevalvereins Frohsinn sind. Zusammen haben sie dem Publikum drei unvergessliche und bunte Stunden gezaubert, mit Highlights aus 20 Jahren Leidenschaft und Erinnerungen.

Zugegeben, wenn man das Programmheft liest, könnte man sich fragen, was das Publikum noch erwartet, denn auf der ersten Seite wird darauf hingewiesen, dass niemand ernsthaft verletzt, getötet oder misshandelt wird, auch wenn es auf der Bühne manchmal so aussieht. Und außerdem sei das Blut nur Kunstblut!

Als es losgeht und die ersten Töne von „Circle of Life“ aus „König der Löwen“ ertönen, kommt Nebel auf die Bühne, etwas was an diesem Abend vor allem in düsteren Szenen vorkommt. Alles erstrahlt in gelb und orange, die Tänzerinnen tragen goldene Kostüme, und durch ihre Mitte kommt Julia Müller als Rafiki. Im Hintergrund überwacht Stefan Schummer als Simba. Mit insgesamt vier Liedern aus dem Musical treten sie auf, bevor es in das erste „Off-Stage“-Segment geht.

„Off-Stage“ hört sich zwar an, als ob es nicht auf der Bühne stattfindet, doch das Gegenteil ist der Fall. Dabei verschwinden alle Farben aus der Beleuchtung, auf der Leinwand im Hintergrund sieht man ein Schwarzweiß-Foto, das den Bereich hinter der Bühne darstellt, und Christina Maul bleibt allein von dem Ensemble zurück. Sie singt „Das bin ich“ von „Die Päpstin“ und wechselt dabei vom gelben Löwin-Kostüm zum glitzernden roten Kleid. Auch ihr rotes Kopftuch tauscht sie gegen eine Perücke, und um sie herum wird die Bühne umgebaut,

Als sie mit dem Lied fertig ist, kehren die anderen Künstler zurück, die inzwischen auch für „Der kleine Horrorladen“ sich umgezogen haben. Kerstin Ostermeier wird im Rollstuhl reingefahren und wartet auf ihr unfreiwilliges Schicksal mit dem sadistischen Zahnarzt, gespielt von Markus Oeffinger.

Nun kommt auch die große Leinwand im Hintergrund zum Einsatz, denn als Monika Gab-Krick als Audrey „Irgendwo im Grünen“ singt und von ihrem Traumhaus erzählt, werden ihre Gedanken in Bildern und Filmsequenzen dargestellt. Romantisch wird es am Ende, wenn sie mit Volker Neuenburg „Jetzt hast du Seymour“ zusammen singt.

Im nächsten „Off-Stage“ Wechsel verwandelt sich Alexander Albert aus seinem grünen Anzug und rotem Hut bei „Dies ist die Stunde“ zu Dr. Jekyll und Mr.Hyde in schwarzer Jacke und Zylinder vom gleichnamigen Musical. In dieser Rolle greift er vor der Tower Bridge Kulisse einen Soldat an, was zu dem versprochenen Blut führt, das auf der Leinwand erscheint und die ganze Bühne in rotem Licht taucht. Schließlich singt er „Gefährliches Spiel“ im Duett mit Julia Oeffinger, in dem beide die Chance bekommen zu zeigen, wie beeindruckend ihre Stimmen sind.

Im nächsten Offstage-Segment singt Kerstin Obermeier „Zeit zu leben“ aus „Pippin“, während hinter ihr im Dunkeln die Bühne für Monty Python’s „Spamalot“ vorbereitet wird. Hier merkt man, wie viel Spaß das Ensemble miteinander hat, aber besonders kommt das zur Geltung beim „Lied das jeder liebt“ mit Christina Maul und Peter Bohländer. Dabei fällt Christinas Kostüm auf: mitten in den Farben des Mittelalters, betritt sie die Bühne mit einem knappen grünen Kleid mit grünen Federn.

Nach der Pause ging es weiter mit Highlights aus dem eigenen Musical „Im weißen Bembel am Maasgrundsee“, die sogenannte „Orschelrette“. Hier kam sogar noch ein anderes Musical zum Vorschein, denn „Nur ein Zimmerchen“ stammt aus „My Fair Lady“. Vor allem beim Abschlusslied mit dem gleichen Namen wie das Musicals war zu sehen, wie beliebt das Stück in Oberursel ist und das Publikum hat kräftig mitgeklatscht.

Nach dem nächsten Off-Stage kehrte Julia Oeffinger grün geschminkt in der Rolle in Elphaba von „Wicked - Die Hexen von Oz“ zurück, während Ella Oeffinger im weißen Kleid als „Galinda“ auftrat. Nach ihren Duetten näherte Julia sich mit ihrem Besen der Leinwand, bevor sie dort auch im Bild erschien und man sehen konnte, wie sie losflog.

Das letzte „Off-Stage“ des Abends war „Da macht mir keiner was vor“ aus „Seesaw“, gesungen von Peter Bohländer, der aus seinem Zauberer Kostüm zum Anzug wechselte. Das war nicht nur sein letztes Solo des Abends, sondern insgesamt mit VOICE:TEN. Denn nach 18 Jahren war der Galaabend sein letzter Auftritt mit der Gruppe.

In „Elisabeth“, die Geschichte von Kaiserin Sisi, kam Julia Müllers starke Stimme in der Titelrolle zur Geltung, vor allem bei ihrem Solo „Ich gehör nur mir“.

Gruselig wurde es beim letzten Musical des Abends: Tanz der Vampire. Alexander Albert erschien weiß geschminkt mit langem weißen Haar als der Graf von Krolock und für zwei große Lieder war das gesamte Ensemble zum Abschluß auf der Bühne.

Das begeisterte Publikum sprang am Ende auf und forderte zwei weitere Zugaben: zuerst Abbas „Mama Mia“ und danach „Seasons of Love“ aus „Rent“. Beim letzteren sind Fotos aus den letzten 20 Jahren auf der Leinwand erschienen. Und schließlich liefen die Darsteller bei „Waterloo“ durch das Publikum und raus zum Foyer.

Es war beeindruckend, wie oft die Sänger und Tänzer ihre Kostüme im Laufe des Abends gewechselt haben, wie viele Requisiten zum Einsatz gekommen sind, und wie viel Planung dahinter gesteckt haben muss, diese immer zur richtigen Zeit parat zu haben. Denn ein Kostümwechsel bedeutete auch mal zwei Kleiderschichten, wenn im nächsten „Off-Stage“ eins davon abgelegt werden sollte. Aber auch wenn sie mit allen Musical-Stücken irgendwann aufgetreten waren, haben sie ein Jahr lang für diesen Abend geprobt - lediglich die Off-Stage-Segmente waren ganz neu.

Peter Bohländer freute sich nach der Vorstellung im Foyer über eine sehr gelöste Stimmung und dass so viele tolle Gäste den Abend mit bereichert haben.

„Tanz der Vampire“. Für Peter Bohländer (1. Reihe, 3. v.l.), war es der letzte Auftritt mit VOICE:TEN.Foto: gt

Wicked - Die Hexen von Oz“ mit Julia Oeffinger als Elphaba (l.) und Ella Oeffinger als

Galinda (r.). Foto: gt

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