Neubau des Instituts für Bienenkunde nimmt Gestalt an

Nach den Vorstellungen von „ARGE ts/c und Marcel Heller“ könnte so der Eingangsbereich zum neuen Institut für Bienenkunde aussehen. Repro: ach

Oberursel (ow). Seit einiger Zeit plant das renommierte Institut für Bienenkunde seinen jetzigen Standort am Karl-von-Frisch-Weg zu verlassen und an der verlängerten Ebertstraße gegenüber dem Kleingarten-Vereinsheim einen Neubau zu errichten. Bis dahin wird es zwar noch etwas dauern, aber der architektonische Entwurf für den Neubau hat sich konkretisiert, und auch der Vorentwurf des Bebauungsplans ist vorbereitet.

Das Institut für Bienenkunde in Oberursel der Polytechnischen Gesellschaft wurde 1937 gegründet und wird gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt unterhalten. Das Institut verbindet, ganz im polytechnischen Sinn, naturwissenschaftliche Grundlagenforschung mit praktischer Bienenhaltung. Die Besonderheit, und damit ein Alleinstellungsmerkmal des Instituts, bildet die enge Verknüpfung von universitärer Grundlagenfoschung mit praktischer Bienenhaltung einerseits, von Hochschullehre mit Berufsausbildung andererseits.

Heute haben die Aufgaben des Bieneninstituts mehr Aktualität denn je: So gehören die derzeitigen Forschungen zur Bedrohung der Bienen, die Debatten um Bienenschutz und Diversität der Insekten sowie die Erhaltung der landwirtschaftlichen Produktivität zur Sicherung der Ernährung angesichts der Herausforderungen des Klimawandels zu den ökologisch und ökonomisch wichtigsten Fragen der Zeit. Bienen sind durch die Bestäubung von Blütenpflanzen für die Ernährung von Mensch und Tier von immenser Bedeutung. Daneben sind sie unersetzbar für die meisten Ökosysteme und somit eine Schlüsselgruppe der Ökologie. Die angewandte und die Grundlagenforschung am Institut, seine Öffentlichkeitsarbeit über die Bedeutung der Bienen und die Ausbildung von Studenten und Auszubildenden vor Ort liefern einen Beitrag zum Erhalt der Bienen.

250 Bienenvölker am Institut

Eine wichtige Aufgabe des Oberurseler Instituts ist die Verbindung von Wissenschaft und Praxis in Form der Ausbildung von Imkern. Gemeinsam werden neue Methoden zur Bekämpfung der Milbe Varroa destructor entwickelt oder Bienenvölker als Schadstoffmonitore im Rhein-Main-Gebiet genutzt. Dazu hält das Institut bis zu 250 Bienenvölker für die Forschung und Honigproduktion.

Prof. Dr. Bernd Grünewald, der Leiter des Instituts für Bienenkunde, nennt einen zentralen Baustein der Philosophie des Instituts: „Uns ist es wichtig, die Öffentlichkeit an den aktuellen Erkenntnissen teilhaben zu lassen, Partner für die Imkerschaft zu sein und über die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung von Honigbienen aufzuklären. Regelmäßig finden bei uns Führungen und Vorträge am Institut statt. Schulklassen und Kindergartengruppen lernen das Leben der Biene kennen und werden so zu Botschaftern der Faszination an Bienen.“

Die Labore, Büros und Werkstätten sind in einem Altbau aus den 1930er- und in einem Neubau aus den 1960er-Jahren untergebracht, die letzten Sanierungsmaßnahmen wurden in den 1980er-Jahren durchgeführt. Die organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen dieser Gebäude erfüllen nicht mehr die arbeitstechnischen Anforderungen an ein wissenschaftliches Institut. Auch die angemietete Bienenflughalle auf dem Gelände des Siedlungslehrhofs ist aus energetischen Gründen nicht mehr zweckdienlich. Aufgrund der Tatsache, dass diese beiden Einheiten des Instituts an einem Standort zusammengefasst werden sollen, und aufgrund der mittlerweile hohen Besucherzahl von Schulklassen wurde nach einem neuen Standort in Oberursel für das Bieneninstitut gesucht.

Optimaler Standort

Der geplante Standort an der Ebertstraße und die nähere Umgebung werden derzeit als Wiese genutzt. Außerdem liegen in direkter Nähe sowohl die Anlage des Kleingärtnervereins als auch private Kleingärten. Erster Stadtrat Christof Fink erläutert: „Die Nähe zur Kleingartenanlage und zu Streuobstwiesen ist als Nahrungsquelle für die Bienen optimal und auch für die Kleingärten ökologisch sinnvoll. Das ist eine gegenseitige Bereicherung, und wir freuen uns, dass durch den Verbleib die enge Vernetzung zwischen dem Institut für Bienenkunde, der Stadt und deren Bürgern, den ansässigen Schulen sowie den vielen Imkern fortgesetzt werden kann.“

Die Polytechnische Gesellschaft als Bauherrin des Instituts hat sich 2018 dazu entschlossen, einen offenen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb für die Hochbauplanung des Neubaus durchzuführen. Das Büro Wentz & Co. wurde mit der Betreuung des Verfahrens betraut. „Ziel des Wettbewerbs war die architektonische Hochbauplanung für das Institut für Bienenkunde mit den primären Hauptfunktionen Forschung und Lehre, Bienenhaltung sowie Öffentlichkeitsarbeit zu strukturieren, die Bewegungsströme zwischen den Nutzungen sinnvoll zu lenken sowie ansprechende Arbeitsqualität und qualitätsvolle Aufenthaltsbereiche zu schaffen,“ so Johann-Peter Krommer, Mitglied des Vorstands der Polytechnischen Gesellschaft. Gleichzeitig sollten das für Führungen genutzte Außengelände sowie der Wirtschafts-Institutsgarten und Nutzflächen wie Stellplätze, Lagergebäude oder Andienung sinnvoll an das Gebäude mit den jeweiligen Nutzungen angeordnet werden.

Nachhaltige Bauweise

„In der Durchführung eines offenen Wettbewerbs sahen wir die Möglichkeit, möglichst viele unterschiedliche Entwürfe für den Neubau zu erhalten. Dabei ging es aber nicht nur um das Institutsgebäude an sich, also um Gebäudeform, Höhe und Fassadengestaltung, sondern auch um die Anordnung des Gebäudes auf dem Gelände, das Zonieren von Parkplatzflächen und Grünflächen wie beispielsweise dem Institutsgarten“, erläutert Grünewald. „Außerdem soll sich der Entwurf natürlich städtebaulich in die von Kleingärten und Wiesen geprägte Umgebung einfügen und selbstverständlich dem Anspruch eines renommierten Forschungsinstituts genügen, sowie ein Vorbild für eine nachhaltige Bauweise sein.“

Die Erwartungen wurden voll erfüllt: In der ersten Phase wurden 72 sehr unterschiedliche Wettbewerbsbeiträge eingereicht. Diese wurden anonymisiert von der Jury in einer gemeinsamen Sitzung bewertet. Als Ergebnis der Phase 1 wurden von der Jury sieben Wettbewerbsteilnehmer für die Phase 2 ausgewählt, in der die vertieften – immer noch anonymisierten – Entwürfe der sieben Wettbewerbsteilnehmer von der Jury in einer gemeinsamen Sitzung anhand verschiedener Kriterien beurteilt. Zwei Arbeiten wurden mit einem zweiten Platz prämiert. Es handelt sich hierbei um die Büros „Torsten Kiefer Architekten/ Radolfzell“ und die „ARGE ts/c und Marcel Heller“. Die beiden Büros wurden aufgefordert, die Entwürfe aufgrund der Hinweise der Jury entsprechend zu überarbeiten. Ende April tagte das Preisgericht aus der Auslobung in leicht reduzierter Zusammensetzung, aber unter Wahrung der Kontinuität der Personen, und sprach einstimmig eine Empfehlung zur weiteren Beauftragung der ARGE ts/c und Marcel Heller aus.

Ausstellung bis 29. August

Alle Entwürfe der Teilnehmer des Wettbewerbs „Institut für Bienenkunde“ sind bis zum 29. August im Foyer des Rathauses zu sehen. „Dies bietet den Bürgern Gelegenheit, sich von der Vielfältigkeit der Entwürfe zu überzeugen“, erläutert ein Vertreter vom Büro Wentz & Co, das den Wettbewerb betreute. „Von Gebäuden in Wabenform über runde Entwürfe und ,klassische’ Gebäudeformen bis zu futuristisch anmutenden Entwürfen war alles dabei. Am Ende hat sich das Konzept durchgesetzt, das den Ansprüchen der zukünftigen Nutzer genügt, durch die ausgeprägte Architektursprache dem Institut für Bienenkunde ein eigenständiges Gesicht geben kann und sich städtebaulich gut einfügt.“

Der Entwurf von ARGE ts/c und Marcel Heller weist drei skulptural überformte Bauteile („Häuser“) für Verwaltung, Bienenhaltung und Forschung/Lehre auf, die durch einen Lichthof verbunden sind. Die geneigten Dächer der ein- und zweigeschossigen Gebäude bilden eine bewegte Dachlandschaft aus. Die Fassaden sind aus Holz vorgesehen. Die Gartenbereiche sind differenziert und sinnvoll voneinander getrennt. Die Andienung erfolgt von der verlängerten Ebertstraße, die dort etwas verbreitert wird. Auch die notwendigen Stellplätze für Besucher und Mitarbeiter des Instituts werden dort angeordnet.

Bebauungsplanentwurf

Nachdem der Entwurf für das Institutsgebäude feststand, wurde auf dessen Grundlage der Vorentwurf für den Bebauungsplan Nr. 246 erarbeitet. Dieser Vorentwurf bildet den Rahmen für den Neubau an der Ebertstraße und lag dem Bau- und Umweltausschuss am Mittwoch zur Beschlussfassung vor. Die Stadtverordnetenversammlung entscheidet am Donnerstag, 29. August, über den Vorentwurf. Stimmt das Stadtparlament zu, wovon auszugehen ist, wird der Vorentwurf ab Mitte September für einen Monat öffentlich ausgelegt. Bürger können ihn im Rathaus einsehen und Stellungnahmen dazu abgeben.

!Die Ausstellung ist bis 29. August montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr sowie montags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr zugänglich. Der Eintritt ist frei. Der offizielle Eröffnungstermin in Anwesenheit der Auftraggeber und einzelner Wettbewerbsteilnehmer ist am Dienstag, 20. August, von 17 bis 19 Uhr im Foyer des Rathauses.

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