„Tausend und eine Nacht nach Orschel gebracht …“

Ausstellungseröffnung mit Gästen aus Epinay (v. l.): Bernard Gautier, Nicole Damba, Gabriel Madoumba, Birgit C. Morgenstern und Antje Runge. Foto: bg

Oberursel (bg). Birgit Morgenstern und die versammelte Künstlergemeinschaft „PrismO“ haben traumhafte Bilder geschaffen und auf wundersame Weise Oberursel und den Orient miteinander verwoben. Im Rathaus-Foyer wurde jetzt die Jahresausstellung eröffnet, und bei der Vernissage gab es kaum ein Durchkommen. „Tausend und eine Nacht nach Orschel gebracht“, auf dieses Thema hatten sich die Kunstschaffenden bereits 2020 vorbereitet, obwohl es damals einigen durchaus Kopfzerbrechen bereitete. Die Ausstellung fiel dann Corona zum Opfer. Nun war der Nachholbedarf groß, dichtgedrängt versuchten die Kunstfreunde, Blicke auf die ausgestellten Werke zu erhaschen.

Zum Thema „Orient“ ist Magnus Hornung ein Geniestreich gelungen. Das Orschel-Motiv schlechthin, den malerischen Blick vom Markplatz durch die schmale Gasse zur über der Stadt thronenden St.-Ursula-Kirche hat er fast fotografisch, hyperrealistisch festgehalten. Bei seiner Darstellung des Wahrzeichens der Stadt schwebt ein Halbmond in der Kirchturmspitze, umkränzt von einem Sternenhimmel. Sofort stellt sich die Assoziation zu einem Minarett ein. „Schnittmenge“ lautet der treffende Titel des großformatigen Gemäldes. Von ihm können Drucke erworben werden. Inspiriert von „Tausend und einer Nacht“ tauchen in den Bildern von Monika Hoksch fliegende Teppiche und orientalisch anmutenden Laternen mit Innenleben in Oberursel und der Taunuslandschaft auf. Ein neues Stilmittel hat Türkan Lau-Turan für ihren Blick auf Istanbul ausprobiert und präsentiert die Stadtansicht in markanten Grau-, Weiß- und schwarzen Tönen. In schillernden Farben dagegen schwelgt Yüksel Akpinar bei ihrem Blick auf die Stadt am Bosporus. Durch ihr Studium bei Markus Lüpertz wurde Barbara Scholz-Evans zu einem großformatigen Diptichon angeregt.

Der besondere Reiz dieser fantastischen Ausstellung liegt in der großen Vielfalt der Exponate und in der Fülle an produktiven Gestaltungen. Vertreten in der Jahresschau der Künstlergemeinschaft „PrismO“ sind unter anderem Ingrid Glatthorn mit Motiven aus der Provence, Kazuko Kasyua-Schlegel mit einem goldenen Regen auf knallrotem Hintergrund, Claudia Kreis zeigt farbenkräftige Darstellungen und Collagen, Zofia Kwestorowska-Markowsky stellt traumhafte Pfingstrosen vor, Kamele halten Einzug in Oberursel auf dem Gemälde von Birigt C. Morgenstern, Birgit Reinecke zeigt drei abstrakte, lila Motive, Elke Riad Siewert präsentiert ein pfiffiges Glas-Stillleben, und Abstraktes in kräftigen Farben steuert Ingrid Schiller bei. Nicht fehlen dürfen bei dieser Werkschau die Porzellanmaler. Sie werden durch Annette Andernacht präsentiert, die in einer Glasvitrine ausstellt. Sie verwandelt mit ihrer Porzellanmalerei haushaltsübliche Blumenvasen in wahre Kunstwerke. Besonders gelungen die weißen Seerosen auf schwarzem Grund mit goldfarbenen Wurzeln.

Zur Ausstellungseröffnung waren auch Gäste aus Oberursels Partnerstadt Epinay angereist. Wie immer wurden sie von der Künstlergemeinschaft „PrismO“ mit Birgit C. Morgenstern an der Spitze während ihres Aufenthaltes in Oberursel rundum betreut. Die Delegation bestand aus Bernard Gautier, dem Präsidenten der Union D‘Artiste, und Nicole Damaba, die mit ihrem Sohn Gabriel Madoumbou zum ersten Mal die Partnerstadt besuchte. Im Gepäck hatten die Gäste aus Frankreich diesmal traditionelle französische Patchwork-Arbeiten, sogenannte Foamboards. Sie bestehen aus einem Karton mit ausgestanzten Teilen in die Stoffe eingearbeitet und dann mit Zeichnungen versehen werden. Diese ungewöhnlichen Collagen sind echte Hingucker.

Bürgermeisterin Antje Runge ließ es sich nicht nehmen, persönlich die „PrismO“-Jahresausstellung offiziell zu eröffnen. „Kunst braucht Raum“, so ihr Credo. Für die Stadt sei es wichtig, öffentliche Räume dafür zu schaffen. Das Rathaus-Foyer habe sich durch die Kunstwerke von einer funktionalen Dienststelle in einen Kraftraum verwandelt, der die Menschen zum Verweilen, Schauen und Staunen einlade, so Runge.

Zur musikalischen Einstimmung spielte Laurids B. Green am Klavier. Die Künstler stellten mit einem raffinierten Fingerfood-Büfett für die große Gästeschar auch ihre Kochkünste appetitanregend unter Beweis. Die Jahresausstellung 2023 „Malerei, Grafik, bemaltes Porzellan“ der Künstlergemeinschaft „PrismO“ läuft bis zum 8. Mai und ist während der Rathaus-Öffnungszeiten im Foyer zu sehen.

Weitere Artikelbilder



X