40 Jahre gelebte Solidarität – Frauen helfen Frauen Main-Taunus-Kreis e.V. feiert Jubiläum Zahlen zeigen Handlungsbedarf

Gewalt gegen Frauen findet in jeder Gesellschaftsschicht statt. Foto: pixabay.com

Main-Taunus (kez/ju) – Seit nunmehr vier Jahrzehnten ist der Verein Frauen helfen Frauen Main-Taunus-Kreis e.V. ein sicherer Hafen für Frauen, die in ihrem eigenen Zuhause Gewalt erfahren mussten. Mit Mut, Herz und unermüdlichem Engagement setzen sich die Mitarbeiterinnen seit 1985 für Betroffene ein – und schenken ihnen nicht nur Schutz, sondern auch Hoffnung und neue Perspektiven.

Was damals mit einer kleinen Beratungsstelle in Hofheim begann, ist heute eine unverzichtbare Institution im Main-Taunus-Kreis: Das Frauenhaus, eröffnet 1986, hat seither unzähligen Frauen und ihren Kindern Sicherheit gegeben, wenn es anderswo keinen Zufluchtsort mehr gab. Doch der Verein bietet weit mehr als nur einen geschützten Raum. Fachberatung, Präventionsarbeit, Schulungen sowie die enge Zusammenarbeit mit Politik und Zivilgesellschaft machen ihn zu einer starken Stimme im Einsatz gegen Gewalt an Frauen.

Ein gesellschaftliches Problem – eine gemeinsame Verantwortung

„Gewalt gegen Frauen ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem“, betonen die Geschäftsführerinnen Andrea Bartels-Pip und Petra Gokkenbach. Deshalb versteht sich das 40-jährige Jubiläum nicht nur als Anlass zum Feiern, sondern auch als Moment der Dankbarkeit – für alle Unterstützerinnen, Wegbegleiterinnen und Mitarbeiterinnen, die diese Arbeit über die Jahre möglich gemacht haben. Gleichzeitig richtet der Verein den Blick nach vorn: Die Bekämpfung von Gewalt und der Einsatz für Gleichberechtigung bleiben zentrale Aufgaben, die nur gemeinsam zu bewältigen sind.

Ein Jubiläum, das bewegt

Das Jubiläumsjahr ist geprägt von Veranstaltungen, die zum Nachdenken, aber auch zum Mitgestalten einladen. So zeigte die Frankfurter Künstlerin Nora Duus in einer Ausstellung berührende Bilder unter dem Titel „Sehnsucht“. Gemeinsam mit der Polizei startet der Verein zudem eine öffentliche Kampagne, die Gewalt gegen Frauen sichtbarer machen soll. Höhepunkt wird eine Feier in der Stadthalle Hofheim sein, bei der die Kabarettistin Christl Sittenauer mit ihrem Programm „Frauen sind keine Menschen“ das Publikum unterhalten und zugleich zum Nachdenken anregen wird.

Ein starkes Zeichen für die Zukunft

40 Jahre Frauen helfen Frauen – das bedeutet 40 Jahre Mut, Empathie und unzählige Geschichten von Frauen, die ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben gefunden haben. Das Jubiläum erinnert daran, wie wichtig Solidarität und Unterstützung sind, und ruft dazu auf, weiterhin gemeinsam hinzuschauen, hinzuhören und zu handeln.

Weitere Informationen über die Arbeit des Vereins sowie Möglichkeiten zur Unterstützung finden sich unter www.fhfmtkev.de.

Gewalt, die hinter verschlossenen Türen geschieht, bleibt oft unsichtbar – und doch sind die Zahlen des Bundeskriminalamts für 2024 ein lautes Alarmsignal. Mehr als 256.000 Fälle häuslicher Gewalt wurden im vergangenen Jahr registriert – so viele wie nie zuvor. Das bedeutet: Jeden Tag werden in Deutschland Hunderte Menschen Opfer von Gewalt durch Partner, Ex-Partner oder Familienmitglieder. Besonders betroffen sind Frauen: Drei von vier Opfern sind weiblich.

Diese Zahlen sind nicht nur nüchterne Statistik. Hinter jedem einzelnen Fall steckt ein Schicksal, eine Geschichte von Angst, Demütigung, Verletzung. Oft geschieht die Gewalt dort, wo Menschen sich eigentlich sicher fühlen sollten – in den eigenen vier Wänden. Und es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer noch weitaus höher ist: Viele Betroffene schweigen aus Scham oder Angst, den Schritt zur Polizei zu gehen.

Die Politik hat die Dramatik erkannt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig plant eine Gesetzesänderung, die Opfer künftig besser schützen soll. Ein Teil davon ist die Einführung von elektronischen Fußfesseln für Gewalttäter. Nach dem Vorbild Spaniens soll ein technisches System dafür sorgen, dass Täter ihre Opfer nicht mehr unbemerkt verfolgen können. Trägt der Täter eine Fußfessel und nähert er sich zu sehr, wird das Opfer sofort gewarnt und die Polizei alarmiert. Es ist ein Eingriff in die Freiheit des Täters – aber einer, der Leben retten kann.

Parallel dazu soll ein neues Gewalthilfegesetz Frauen einen rechtlichen Anspruch auf Schutz und Beratung geben. Frauenhäuser, Schutzwohnungen und Beratungsstellen sollen besser ausgestattet werden, damit Betroffene schnell und unkompliziert Hilfe finden. Denn noch immer scheitert Schutz im Ernstfall daran, dass Einrichtungen überfüllt sind oder Beratungsangebote fehlen.

Die Rekordzahlen von 2024 zeigen deutlich: Es reicht nicht, auf Bewusstsein zu setzen oder an Betroffene zu appellieren, sich Hilfe zu suchen. Es braucht konkrete Maßnahmen, die Täter wirksam kontrollieren und Betroffenen echte Sicherheit geben.

Denn häusliche Gewalt ist keine private Angelegenheit. Sie ist eine der gravierendsten Verletzungen von Menschenwürde in unserer Gesellschaft – und sie betrifft uns alle. Jede Frau, die Angst haben muss, nach Hause zu gehen, ist eine zu viel. Jede Familie, die durch Gewalt zerstört wird, mahnt uns: Wegsehen ist keine Option mehr.



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