Bitte nicht anfassen! – Wildkätzchen im Wald lassen

Sie sehen der Hauskatze sehr ähnlich – die Wildkatzen Foto: Helmut Heller

Taunus (kez/ju) – Mit dem Frühling kehrt auch ein stiller Erfolg des Naturschutzes zurück: die Europäische Wildkatze. In immer mehr hessischen Wäldern so auch im Taunus werden wieder Jungtiere gesichtet – ein ermutigendes Zeichen für die Rückkehr einer lange selten gewordenen Art. Doch genau diese positive Entwicklung bringt eine neue Gefahr mit sich. Immer wieder werden die kleinen Wildkatzen von Spaziergängerinnen und Spaziergängern mit vermeintlich ausgesetzten Hauskätzchen verwechselt und aus dem Wald mitgenommen. Was gut gemeint ist, kann für die Tiere tödlich enden. Der BUND Hessen appelliert daher eindringlich: Graugetigerte Kätzchen im Wald bitte nicht anfassen oder mitnehmen.

Verwechslungsgefahr

„Die Wildkatze kehrt in viele hessische Wälder zurück. Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz. Doch genau diese Entwicklung bringt ein neues Risiko mit sich: Ihre Jungtiere werden häufig mit Hauskatzen verwechselt“, erklärt Wildkatzenexpertin Susanne Schneider vom BUND Hessen. Noch vor wenigen Jahren galt die Art in manchen Regionen als verschwunden. Erst kürzlich gelangen wieder Nachweise, etwa im Odenwald. Die Anwesenheit der Wildkatze gilt als wichtiger Indikator für naturnahe und artenreiche Wälder.

Das Problem: Wildkatzen sehen graugetigerten Hauskatzen zum Verwechseln ähnlich. Zudem lassen die Muttertiere ihren Nachwuchs während der Jagd im Versteck zurück. Wenn Spaziergänger dann spielende Jungtiere entdecken, wirkt es oft so, als seien diese hilflos verlassen. „Was wie Hilfe aussieht, ist oft das Gegenteil“, warnt Schneider. Wird ein gesundes Wildkätzchen mitgenommen, sinken seine Überlebenschancen drastisch. Die Tiere sind sehr empfindlich, vertragen kein übliches Katzenfutter und können sich leicht mit Krankheiten von Hauskatzen infizieren. Gerade in Regionen mit kleinen oder noch instabilen Beständen kann jedes entnommene Tier die weitere Ausbreitung der Art gefährden.

Wer ein vermeintlich verlassenes Jungtier entdeckt, sollte deshalb Ruhe bewahren und sich zunächst leise entfernen. Nach sechs bis zwölf Stunden kann vorsichtig überprüft werden, ob das Tier noch am selben Ort ist. Ist dies der Fall, empfiehlt es sich, fachkundige Hilfe zu kontaktieren – etwa den BUND oder eine örtliche Wildtierauffangstation. Nur wenn ein Jungtier offensichtlich in Not ist, etwa verletzt wirkt oder laut rufend Menschen hinterherläuft, sollte direkt eingegriffen werden. Wichtig ist zudem: Die Europäische Wildkatze ist streng geschützt. Das Mitnehmen von Jungtieren aus der Natur und ihre Haltung in Privathaushalten ist verboten.

Informationsmaterial

Um Unsicherheiten zu vermeiden, stellt der BUND Hessen Informationsmaterialien, Videos und praktische Leitfäden zur Verfügung. Sie helfen dabei, Wild- und Hauskatzen besser zu unterscheiden und im Ernstfall richtig zu handeln. Unterstützung bietet auch das Notfalltelefon im Wildkatzendorf Hütscheroda, das täglich von 10 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 036254-86 51 80 erreichbar ist.

Ein kurzer Moment der Unsicherheit kann über das Schicksal eines Wildtieres entscheiden. Wer ein scheinbar verlassenes Kätzchen im Wald entdeckt, hilft am meisten, indem er es in Ruhe lässt – denn die beste Hilfe für Wildkätzchen ist, sie in der Natur zu belassen.



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