Nach ernüchternden PISA-Ergebnissen: Kreiselternbeirat fordert bessere Bedingungen für Schulen

Seit dem Schuljahr 2026/27 gibt es einen bundesweiten Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung, zunächst für Kinder der 1. Klassen. Doch es soll nicht nur verlängerte „Verwahrung“ sein, sondern Förderung, Lernen und Bewegung miteinander verbinden.Foto: KI generiert

Main-Taunus (kez/ju) – Die jüngsten PISA-Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal: Deutschlands Schülerinnen und Schüler schneiden in zentralen Bildungsbereichen schlecht ab, gleichzeitig hängt der Bildungserfolg noch immer stark vom Elternhaus ab. Für den Kreiselternbeirat des Main-Taunus-Kreises ist deshalb klar, dass sich die Bildungspolitik nicht mit einzelnen Maßnahmen begnügen darf. Gefordert werden bessere Rahmenbedingungen für Schulen, mehr Unterstützung für Kinder und Jugendliche und eine stärkere Orientierung an den tatsächlichen Bedürfnissen der Familien.

Ungleiche Bildungschancen beginnen nach Ansicht des Kreiselternbeirats bereits in Kita und Grundschule. Nicht alle Familien verfügen über die gleichen zeitlichen, finanziellen oder sozialen Möglichkeiten, ihre Kinder zusätzlich zu fördern. Freiwillige oder kostenpflichtige Angebote erreichen deshalb gerade diejenigen Kinder nicht immer, die Unterstützung besonders benötigen. Förderung müsse daher stärker als Aufgabe der Bildungseinrichtungen verstanden und strukturell abgesichert werden.

Dazu gehört vor allem ausreichend Personal. Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte müssten angesichts sehr unterschiedlicher Lernstände mehr Möglichkeiten bekommen, einzelne Kinder gezielt zu unterstützen. Der Kreiselternbeirat sieht dabei auch den Ganztag als wichtigen Baustein. Er dürfe nicht lediglich eine verlängerte Betreuung sein, sondern müsse Lernen, Bewegung, soziale Entwicklung, Freizeit und gemeinsame Mahlzeiten sinnvoll miteinander verbinden. Gerade für Kinder aus Familien mit weniger Möglichkeiten könne der Ganztag einen wichtigen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten.

Schule braucht Zeit und gute Bedingungen

Gleichzeitig stehen die weiterführenden Schulen unter erheblichem Druck. Unterrichtsausfälle, Personalmangel und große Lerngruppen erschweren individuelle Förderung. Der Kreiselternbeirat plädiert deshalb dafür, nicht immer mehr Stoff in immer kürzerer Zeit vermitteln zu wollen, sondern nachhaltiges Lernen stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Kinder müssten Gelegenheit bekommen, Inhalte wirklich zu verstehen und anzuwenden, anstatt sie möglichst schnell für die nächste Prüfung abzurufen.

Auch die Schulgebäude gehören für die Elternvertreter zu den Grundlagen guter Bildung. Sanitäre Anlagen, Fenster, Sonnenschutz und Hitzeschutz seien keine Nebensachen, sondern Voraussetzungen dafür, dass Kinder und Lehrkräfte vernünftig lernen und arbeiten können. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz könnten den Unterricht sinnvoll ergänzen, dürften aber kein Selbstzweck sein. Lehrkräfte müssten sich auf ihre pädagogische Arbeit konzentrieren können und dürften nicht nebenbei zu Technikbetreuern werden. Für den Kreiselternbeirat hängen diese Fragen eng zusammen: Familie, Kita und Schule dürften nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Kinder brauchten verlässliche Strukturen, gute Lernbedingungen und Erwachsene, die sie auf ihrem Weg begleiten. Bildungsgerechtigkeit lasse sich deshalb nicht allein durch die Bereitschaft einzelner Eltern herstellen, sondern müsse auch durch die Rahmenbedingungen des Bildungssystems ermöglicht werden.

Die PISA-Ergebnisse sollten nach Ansicht des Kreiselternbeirats deshalb nicht nur Anlass für neue Einzelmaßnahmen sein, sondern für eine grundsätzliche Diskussion darüber, wie Schule künftig aussehen muss, damit Kinder unabhängig von ihrer Herkunft gute Bildungschancen erhalten.



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