Stabsübung zu Winterchaos und Stromausfall

Wolfgang Reuber, Projektmanager für Sonderlagen beim Hochtaunuskreis (links), leitet die Nachbesprechung der Übung des Katastrophenschutzstabs.Foto: Hochtaunuskreis

Hochtaunus (kw) – Auch wenn man sich wünscht, dass sie nie eintreten: Es ist essenziell wichtig, auf Krisen und Ausnahmesituationen gut vorbereitet zu sein. Das gilt besonders für Rettungskräfte und die übergeordneten Führungsstrukturen. Deswegen werden im Hochtaunuskreis regelmäßig sogenannte Stabsübungen durchgeführt, bei denen Großschadens- oder Katastrophenfälle durchgespielt werden, ohne die Einheiten tatsächlich zu alarmieren. So auch am Samstag, 21. Februar, im Landratsamt des Hochtaunuskreises. Diesmal ging es um die Konsequenzen, die lang anhaltender Schneefall in Kombination mit starkem Wind mit sich bringen.

„Wir müssen uns bewusst sein, dass auch im Hochtaunuskreis große Schadenslagen auftreten können. Dann müssen wir schnell, kompetent und zielorientiert arbeiten. Um Menschenleben zu retten, müssen die verschiedenen Einsatzkräfte wie Zahnräder ineinandergreifen. Daher sind solche Übungen unverzichtbar“, so Landrat Ulrich Krebs.

Angenommen wurde, dass sich eine winterliche Großwetterlage mit all ihren Widrigkeiten wie Unfällen und Einschränkungen des Verkehrs durch unpassierbare Straßen über mehrere Tage verschärft hatte, bis die Koordination der einzelnen Einsätze nicht mehr durch die Zentrale Leitstelle in Zusammenarbeit mit den örtlichen Einsatzkräften zu bewältigen war. Der Katastrophenschutzstab, der bei solchen besonderen Szenarien die Arbeit aufnimmt, sich ein Bild der Lage macht und die Einsätze priorisiert und koordiniert, kam am Samstagmorgen um 8 Uhr zusammen. Mit dabei: Vertreter der Polizei, der Feuerwehren, der Hilfsorganisationen, des THW, und der Bundeswehr. Mehr als fünf Stunden wurden die Einsatzaufträge abgearbeitet und die Kommunikation zwischen den beteiligten Stellen geübt.

Wie in den Einsatzplänen vorgesehen, wurden die Notfallinformationspunkte („Leuchttürme“) in den betroffenen Kommunen aktiviert; wegen Problemen in der medizinischen Versorgung wurde eine alternative hausärztliche Versorgung in Angriff genommen. Um die Feuerwehren zu entlasten wurden zusätzliche Kräfte aus dem Vordertaunus mobilisiert und in Absprache mit den Kommunen Räumfahrzeuge abgestellt, um zumindest den Einsatzkräften das Fortkommen zu ermöglichen.

Doch auch innerhalb der Übung verschärfte sich die Lage mit einem angenommenen Schwerpunkt im Usinger Land, so dass um 11.16 Uhr fiktiv Katastrophenalarm ausgelöst wurde, um weitere Einsatzmittel aktivieren zu können. Unter anderem hatten es die Teilnehmer Dank eingespielter Meldungen der Übungsleitung mit einem großflächigen Stromausfall in mehreren Kommunen zu tun bekommen, nachdem eine Hochspannungsleitung bei Neu-Anspach durch Schnee und Sturm beschädigt worden war. Bei der abschließenden Besprechung wurde die Bedeutung solcher Stabsübungen herausgestellt. Nur durch regelmäßige Zusammenkünfte der Vertreter der verschiedenen Institutionen und Organisationen können die Abläufe so eingeübt werden, dass sie auch bei einer akuten Großschadenslage reibungslos funktionieren. „Die Akteure müssen einander kennen und um die Möglichkeiten und besonderen Herausforderungen der anderen im Einsatz befindlichen Fachbereiche wissen“, sagt Wolfgang Reuber, Projektmanager für Sonderlagen beim Hochtaunuskreis. So brauche es etwa einiges an Vorlauf, Hubschrauber der Bundeswehr in Marsch zu setzen. Das THW wiederum konnte bei dieser Gelegenheit über eine bundesweit aktive Einheit informieren, die bei der Lageeinschätzung hilft und gezielt die sozialen Medien scannt.

Über den Tellerrand schauen zu können und nicht nur den eigenen Arbeitsschwerpunkt sicher zu beherrschen, ist eine der nötigen Qualifikationen, die die Mitglieder des Stabs bei der Bearbeitung solch außergewöhnlicher Lagen mitbringen müssen. „Dafür sind solche Stabsübungen und eine funktionierende Kommunikation untereinander unverzichtbar“, ist sich Reuber sicher.

So unwahrscheinlich manche Szenarien auch auf uns wirken mögen: Treten sie ein, braucht es umso mehr ein eingespieltes Team. Denn gerade dann entstehen Krisensituationen mit speziellen Anforderungen, die deutlich von dem abweichen, was haupt- und ehrenamtliche Rettungskräfte in ihrem Alltag zu bewältigen haben.



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