Main-Taunus (kez) – Der Streuobstbau steht angesichts zunehmender Hitze- und Trockenperioden vor großen Herausforderungen. Wie können Obstbäume unter diesen Bedingungen erfolgreich etabliert werden? Und müssen es dafür immer die klassischen, bereits größeren Hochstämme aus der Baumschule sein? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Landschaftspflegeverbände Groß-Gerau und Main-Taunus sowie das Streuobstwiesenzentrum Hessen bei einer Informationsveranstaltung am 9. September unter der Überschrift „Alternative Pflanzmethoden im Streuobstbau“. Im Mittelpunkt standen Pflanzmethoden mit bewusst jüngeren Bäumen.
„Gerade die Erfahrungen dieses außergewöhnlich heißen und trockenen Sommers zeigen, wie wichtig es ist, bei der Pflanzung die natürlichen Voraussetzungen eines Baumes zu berücksichtigen. Jüngere Bäume verfügen über ein günstigeres Verhältnis von Wurzel- zu Holzmasse. Dadurch können sie sich leichter etablieren und haben unter trockenen Bedingungen bessere Chancen zu überleben“, erklärt Andreas Baumann vom Streuobstwiesenzentrum Hessen.
Bei größeren Hochstämmen aus der Baumschule stellt sich dagegen ein grundsätzliches Problem: Beim Roden für den Verkauf verlieren die Bäume einen erheblichen Teil ihrer Wurzeln. Das Verhältnis zwischen Wurzelmasse und oberirdischem Holz verschiebt sich dadurch ungünstig. Um den Wasserbedarf eines solchen Baumes in trockenen Jahren dennoch zu decken, ist nach der Pflanzung eine intensive und regelmäßige Bewässerung notwendig – eine Herausforderung, die kaum dauerhaft zu leisten ist.
„Wenn wir wollen, dass Streuobstbestände auch unter den Bedingungen des Klimawandels eine Zukunft haben, müssen wir auch bei der Pflanzung neue Wege denken“, so Nicola Böye vom Landschaftspflegeverband Main-Taunus. Sie stellte die vielversprechenden Ergebnisse eines Pilotprojektes vor, bei dem der Landschaftspflegeverband Main-Taunus erfolgreich die Pflanzung von Wurzelunterlagen anstatt von fertigen Bäumen testete und auf viele Gießgänge verzichten konnte.
Auch auf politischer Ebene wird das Thema berücksichtigt: Die neue Richtlinie des hessischen Landwirtschaftsministeriums zur Förderung des Streuobstbaus fördert ausdrücklich auch alternative Verfahren wie die Direktsaat oder die Pflanzung von Unterlagen.
Kontakt: Über das in Flörsheim-Wicker ansässige Streuobstwiesenzentrum Hessen kann man Pflanzmaterial bestellen. Mehr Infos unter: streuobstzentrum-hessen.de/
