Unicef-Studie: Deutschland beim Kindeswohl nur im unteren Mittelfeld

Die Zukunftschancen für Kinder sind in Deutschland ungleich verteilt.Foto: pexels.com

Deutschland (bs) – Obwohl Deutschland zu den wirtschaftsstärksten Ländern der Welt gehört, wachsen Kinder hierzulande nach Einschätzung des Kinderhilfswerks Unicef vielfach nicht unter optimalen Bedingungen auf. In einer aktuellen internationalen Vergleichsstudie zum Kindeswohl landet die Bundesrepublik lediglich auf Platz 25 von 37 untersuchten Ländern – und damit erneut nur im unteren Mittelfeld.

Besonders kritisch bewertet die Studie die Situation im Bildungsbereich. Dort schneidet Deutschland deutlich schlechter ab als viele andere Industrienationen, aber auch schlechter als einige Länder mit erheblich geringerer Wirtschaftskraft. Während die Niederlande, Dänemark und Frankreich die Spitzenplätze belegen, liegen unter anderem auch Rumänien, Ungarn und die Slowakei vor Deutschland.

Die Untersuchung wird seit dem Jahr 2000 regelmäßig vom Unicef-Forschungsinstitut Innocenti durchgeführt und vergleicht das Wohlbefinden von Kindern in wohlhabenden Staaten anhand verschiedener Kriterien. Berücksichtigt werden unter anderem Bildung, Gesundheit, mentale Zufriedenheit sowie soziale Teilhabe.

Bildung ist das A und O

Vor allem im Bildungsbereich sehen die Autoren erheblichen Handlungsbedarf. Nach den Ergebnissen der Studie erreichen in Deutschland nur rund 60 Prozent der 15-Jährigen grundlegende Kompetenzen in Lesen und Mathematik. Damit landet Deutschland im internationalen Vergleich auf Rang 34 von 41 Staaten mit vergleichbaren Bildungsdaten. Länder wie Irland, Slowenien oder Südkorea erzielten deutlich bessere Ergebnisse – teilweise trotz schwächerer wirtschaftlicher Voraussetzungen.

Auffällig ist laut Unicef zudem die starke soziale Ungleichheit. Jugendliche aus finanziell benachteiligten Familien haben deutlich schlechtere Bildungschancen als Gleichaltrige aus wohlhabenden Haushalten. Während in privilegierten Familien rund 90 Prozent der Jugendlichen die Mindestkompetenzen erreichen, sind es bei Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien lediglich 46 Prozent.

Problem: Kinderarmut

Auch die Kinderarmut bleibt ein zentrales Problem. Nach Angaben von Unicef lebt im Durchschnitt der untersuchten Länder fast jedes fünfte Kind in Einkommensarmut. In Deutschland stagniert die Quote seit Jahren bei etwa 15 Prozent. Die Organisation warnt davor, die Folgen dieser Entwicklung zu unterschätzen.

Etwas besser fällt Deutschlands Platzierung im Bereich körperliche Gesundheit aus. Hier liegt die Bundesrepublik auf Rang 15 von 41 Ländern. Doch auch in diesem Bereich hängt das Wohlbefinden vieler Kinder stark vom sozialen Hintergrund ab. So gelten 79 Prozent der Kinder aus wohlhabenden Familien als gesundheitlich in sehr guter Verfassung, bei Kindern aus den einkommensschwächsten Familien sind es lediglich 58 Prozent.

Ähnliche Unterschiede zeigen sich laut Studie beim mentalen Wohlbefinden. Unter Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien berichten nur 61 Prozent von einer hohen Lebenszufriedenheit. Bei Jugendlichen aus finanziell besser gestellten Familien liegt dieser Wert dagegen bei 73 Prozent.

Kinderrechte stärken

Unicef Deutschland fordert deshalb von der Bundesregierung entschlossenere Maßnahmen gegen Kinderarmut und mehr Investitionen in Bildung, Gesundheit und soziale Teilhabe. Öffentliche Mittel müssten gezielt dort eingesetzt werden, wo Kinder besonders benachteiligt seien. Dazu gehörten unter anderem gut ausgestattete Schulen, ein verlässlicher Zugang zu medizinischer Versorgung und ausreichende Freizeit- und Spielangebote.

Darüber hinaus spricht sich die Organisation erneut dafür aus, Kinderrechte stärker im Grundgesetz zu verankern. Der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, bezeichnete die Bekämpfung von Kinderarmut als „politische Toppriorität“. Wer heute nicht ausreichend in Bildung, Gesundheit und Teilhabe investiere, schade langfristig nicht nur den betroffenen Kindern, sondern auch der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.



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