Besser lernen im Gespräch zu bleiben

Ibtissam Asbaoui (rechts) und Bennet Pankratz (2.v.r.) moderierten mit Unterstützung von Religionslehrer Joachim Kilb (3.v.r.) eines der beiden Gespräche zwischen Jasmina Makarevic (links), Petra Kunik (2.v.l.) und Andreas Heidrich (3.v.l.).Foto: Karatovic

Schwalbach (sz) – Zum 16. Mal haben Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule (AES) mit Vertreterinnen und Vertretern von Judentum, Islam und Christentum über Religion, persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Konflikte diskutiert. Das „Abrahamische Religionsgespräch“ fand am Donnerstag vergangener Woche im Schwalbacher Bürgerhaus statt.

Zu Gast waren Petra Kunik von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Jasmina Makarevic vom Bosnischen Kulturzentrum Frankfurt und Andreas Heidrich, evangelischer Pfarrer aus Bad Soden. In zwei Gesprächsrunden von jeweils 90 Minuten beantworteten sie Fragen der zehnten Klassen. Die Moderation übernahmen die Schüler Bennet Pankratz, Ibtissam Asbaoui, Emma Rotter und Sophie Walther.

Die drei Gäste berichteten auch über ihre persönliche Beziehung zur Religion. Petra Kunik beschrieb das Judentum als Teil ihrer Identität und ihrer Geschichte. Jasmina Makarevic erzählte, dass ihr Glaube durch ihre Erfahrungen im Bürgerkrieg im damaligen Jugoslawien gewachsen sei. Andreas Heidrich verwies auf einen Vers aus Psalm 36, der ihn seit Jahren begleite: „Bei dir, Herr, ist die Quelle des Lebens.“

Auch aktuelle Konflikte und persönliche Erfahrungen mit Vorurteilen kamen zur Sprache. Petra Kunik berichtete über die Folgen des Angriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023. Sie erhalte bis heute Hassmails und habe auf einer Liste des „NSU 2.0“ mit möglichen jüdischen Opfern gestanden. Das Verhalten Israels im Gaza-Streifen wurde nicht thematisiert. Petra Kunik betonte jedoch, dass der Nahost-Konflikt nichts mit Religionen zu tun habe. Diese würden die Zustände vielmehr verurteilen.

Jasmina Makarevic schilderte Vorurteile, denen sie als Muslimin mit Kopftuch begegnet sei. Die Schülerinnen und Schüler fragten auch nach Homosexualität, Schwangerschaftsabbruch und Gleichberechtigung. Ebenso diskutierten sie mit den Gästen darüber, ob Anschläge im Namen Gottes gerechtfertigt werden könnten. Darin waren sich die drei Religionsvertreter einig: Religion dürfe nicht als Rechtfertigung für Gewalt dienen.

Im zweiten Teil ging es um die Frage, ob es eine einzig richtige Religion gibt. „Es gibt verschiedene Wege zur Wahrheit – die anderen Wege finde ich interessant und bedenkenswert“, sagte Petra Kunik. Andreas Heidrich warb dafür, auch das Handeln mächtiger Menschen an ethischen Maßstäben zu messen.

Zum Abschluss betonte Petra Kunik die Bedeutung solcher Gespräche: „Das, was ich hier erlebe – Austausch, streiten, im Gespräch bleiben – genau das müssen wir lernen.“ Die drei Gäste sprachen sich dafür aus, mehr Möglichkeiten für Begegnungen zu schaffen, bei denen Menschen einander zuhören, nachfragen und unterschiedliche Auffassungen diskutieren können.



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