Schwalbach (MS). Mit einer feierlichen Vertragsunterzeichnung ist am Dienstag die Zukunft der Schwalbacher Fernwärme besiegelt worden. Auch wenn die Verträge zwischen der Stadt und der „Süwag Grüne Energien und Wasser GmbH“ bereits am 9. Januar unterschrieben worden sind, setzten Bürgermeister Alexander Immisch und Geschäftsführer Dirk Gerber noch einmal ihre Namen unter das Vertragswerk. Gleichzeitig haben Süwag und der Rechenzentrumsbetreiber „Maincubes“ einen Abwärmenutzungsvertrag unterzeichnet.
Wie berichtet soll ab 2028 ein großer Teil der Fernwärme nicht mehr von den Gasbrennern im Heizkraftwerk der Süwag in der Adolf-Damaschke-Straße kommen, sondern über Großwärmepumpen aus zwei Rechenzentren am Kronberger Hang. Schon ab dem übernächsten Jahr soll dadurch die Hälfte des heute verbrauchten Gases eingespart werden.
Der jetzt abgeschlossene Kooperationsvertrag zwischen der Stadt – der das Grundstück in der Adolf-Damaschke-Straße gehört – und der Süwag regelt den zukünftigen Betrieb des Werks, die Modernisierung aller zentralen technischen Anlagen und den Ausbau des Netzes für weitere Versorgungsgebiete. Außerdem sieht er die vollständige Dekarbonisierung der Wärmeversorgung, also den Verzicht auf Erdgas, bis 2045 vor. Süwag will dafür in Schwalbach bis zu 22 Millionen Euro bis zum Jahr 2030 investieren.
„Damit haben wir die intensiven Verhandlungen der letzten Monate zu einem guten Abschluss gebracht“, freute sich Alexander Immisch. „Mit der Süwag und Maincubes haben wir starke und zuverlässige Partner an unserer Seite, die sicherstellen, dass alle Bürgerinnen und Bürger sowie alle Gewerbetreibenden in der Limesstadt langfristig Zugang zu einer sicheren, verbraucherfreundlichen und klimaneutralen Wärmeversorgung erhalten.“ Der Bürgermeister hofft, dass sich nun alles technisch so umsetzen lässt wie es im Vertragswerk steht.
„Eine technische Herausforderung“
Dass das nicht einfach ist, bestätigte auch Dirk Gerber: „Das wird eine Herausforderung“, sagte er. Das Besondere in Schwalbach sei, dass man die neueste Großwärmepumpen-Technik an ein mehr als 60 Jahre altes Fernwärmenetz anschließen muss.
Dirk Gerber ist aber optimistisch, dass das gelingt und schon ab Vertragsbeginn im Januar 2028 durch die Abwärme der halbe Weg zur Dekarbonisierung geschafft werden kann. Er geht auch davon aus, dass die neue Technik dazu führen wird, dass die Fernwärme in Zukunft in Schwalbach zu stabilen und vor allem zu niedrigen Preisen zu haben sein wird. Steht die Anlage, plant Süwag jedenfalls, das Fernwärmenetz auch nach Alt-Schwalbach auszudehnen. Dirk Gerber: „Auch die anderen Schwalbacher sollen in Zukunft in den Genuss einer preiswerten Fernwärme kommen.“
Wärme als Abfallprodukt
Möglich machen soll das die gigantische Abwärme, die in den Rechenzentren am Kronberger Hang entstehen wird. „Für uns ist die Wärme ein Abfallprodukt“, erläuterte Oliver Menzel, der Gründer und Geschäftsführer von „Maincubes“. Die Anlage „FRA 03“ des Unternehmens auf dem ehemaligen Samsung-Gelände geht demnächst in Betrieb und soll bis Mitte nächsten Jahres komplett fertig sein. Nach Angaben von Oliver Menzel ist das Rechenzentrum bereits vollständig vermietet, so dass die Abwärme ab Ende 2027 zur Verfügung stehen wird – also genau zu dem Zeitpunkt, an dem der neue Vertrag beginnt.
Ein weiteres, ähnlich großes Rechenzentrum will die Firma „Noris Network“ auf dem brachliegenden Grundstück gegenüber der Aldi-Filiale am Kronberger Hang bauen, das ebenfalls Abwärme in das Fernwärmenetz einspeisen soll. Nach Angaben dieses Unternehmens soll es noch in diesem Jahr „teilweise in Betrieb“ gehen. Bisher haben die Bauarbeiten allerdings nicht einmal begonnen.
Damit die Abwärme aus den Rechenzentren bis Anfang 2028 genutzt werden kann, will Süwag voraussichtlich im Oktober mit dem Bau des Fernwärmenetzes in Richtung Kronberger Hang beginnen. Im kommenden Jahr soll die weitere Infrastruktur geschaffen werden, zum Beispiel die Heizzentrale auf dem Rechenzentrumsgelände, Großwärmepumpen, Pufferspeicher, neue Leitungen und umfassende Effizienzsteigerungen.
Bis dahin gilt allerdings noch der bisherige Vertrag, der Arbeitspreise vorsieht, die an einen Börsenindex für Gas gekoppelt sind. Daher könnte es auf Grund der Krisen in der Welt und der steigenden Energiepreise in diesem Jahr für die Schwalbacher Fernwärmekunden noch einmal richtig teuer werden.
Dirk Gerber (links) und Alexander Immisch unterzeichneten am Dienstag noch einmal öffentlichkeitswirksam die Verträge, die bereits im Januar geschlossen wurden. Foto: Schlosser
Aufmacher
