Wie am „fetten Dienstag“ in New Orleans

Schwalbach (cl/te). Wenn der Jazz tobt, Dixieland für Stimmung sorgt, der Blues swingt und das Tanzbein schwingt – dann hat der „Zulu’s Ball“ wieder seine Pforten im Schwalbacher Bürgerhaus geöffnet.

Was für New Orleans der berühmte Karneval „Mardi Gras“, ist für Schwalbach der „Zulu’s Ball“. Und der feierte dieses Jahr eine Schnapszahl! Schließlich war es der 44. Ball, der am Samstag im liebevoll geschmückten Bürgerhaus in gleich mehreren Räumen stattfand und wieder mehrere Hundert Gäste und Jazzfans anlockte. Der „Zulu’s Ball“ hat von seinem Kultstatus nichts eingebüßt. Viele, die hier das Tanzbein schwingen und den Bands und Pianisten lauschen, kommen seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, zum Teil von weit her, um einen Hauch New Orleans mitzuerleben.

Entsprechend ist ein Großteil des Publikums gekleidet. Alle Jahre wieder dominieren Gangster-Look, gestreifte Hosen und vor allem Hosenträger und Schiebermützen die Kostümierung der Herren, während etliche Damen den späten 20er- und frühen 30er-Jahren in Charleston-Kleid mit gewelltem Haar und möglichst vielen langen Perlenketten die Ehre erweisen.

Und immer wieder New Orleans. Über der Bühne des großen Saales, dem „Ball-Room“, entführt das riesige Bild eines historischen Schaufelraddampfers in Mark Twains Zeiten. Er sieht aus, als hätten Tom Saywer und Huckleberry Finn gerne Hucks Floß gegen eine Reise mit diesem Schiff eingetauscht.

Und natürlich hat auch der Name „Zulu’s Ball“ mit der berühmten Jazz-Hauptstadt am Mississippi zu tun. Dort ist der „King of the Zulu“ ein prominenter Einwohner und hat die Ehre, die berühmte Parade am „Mardi gras“, also am „fetten Dienstag“ anzuführen. Und das ist immer der Dienstag vor dem Aschermittwoch. Noch wochenlang danach hängen die farbenfrohen Reste der Parade-Accessoires in Büschen und Bäumen der Stadt. Was bei uns die Luftschlangen, das sind in Louisiana die bunten Perlenketten. Der „King of the Zulu“ wird übrigens gewählt und nicht einfach ernannt, etwa so wie im Rheinland Karnevalsprinzen und Dreigestirne.

Doch zurück zum Schwalbacher „Zulu’s Ball“: Der fällt zwar immer in die Fastnachtszeit, ist aber keine Faschingsveranstaltung. Darauf legt man Wert. Großartige Live-Musik statt Büttenreden, Schunkeln und Funkenmariechen. Das ist das Motto. Und das merkt man auch an den Outfits der Gäste. Hier ist alles erlaubt. Manche verkleiden sich komplett und aufwändig, wirken wie aus der Zeit gefallen, andere laufen einfach ganz normal herum, bequem und lässig, bestenfalls ein wenig festlicher als sonst. Toleranz ist alles. Alle sollen sich wohlfühlen.

Ganz gleich ob kostümiert oder nicht oder nur ein bisschen: Die Ball-Besucherinnen und -Besucher haben immer viel Spaß am Tanzen, aber vor allem an der ganz unterschiedlichen Musik zwischen großer Big-Band-Bühne und gemütlicher Pianobar mit Solokünstler, dem alljährlichen Geheimtipp, der nie enttäuscht. Die Bands bieten unterschiedliche Jazz-Stile an und wechseln sich im stündlichen Rhythmus ab. So ist immer für jeden Jazzfreund etwas dabei – wie in den Jazz-Hallen von New Orleans.

Von Swing bis Boogie-Woogie

In diesem Sinne standen in diesem Jahr sechs Bands und Solokünstler zur Auswahl. Im großen Saal hatte die „New Orleans Jazz Band of Cologne“ und die 15-köpfige Big Band „David Hermlin and his Swing Dance Orchestra“ aus Berlin ihren Auftritt.

Auf der zweiten Bühne in der „Blues Corner“, wie der Raum 1 beim „Zulu´s Ball“ genannt wird, waren die „Helt Oncale Band“ des aus New Orleans stammenden Sängers, Gitarristen und Fiddle-Players Helt Oncale mit erdigem Rhythm ’n’ Blues und traditionellem Cajun zu Gast. In der „Blues Corner“ trat wechselweise auch die dem Stile des Chicago-Blues verpflichtete „Matchbox Bluesband“ auf, die seit Jahren praktisch zum Inventar des „Zulu´s Balls“ gehört.

Die kleine „Piano Bar“ mit ihrer intimeren Atmosphäre wurde bespielt von dem gebürtigen Bad Hersfelder Jan Luley mit Jazz, Blues und kreolischen Rhythmen – virtuos, gefühlvoll und immer mit einem Hauch Louisiana sowie im Wechsel mit dem gebürtigen Solinger Christian Rannenberg, einem der weltweit renommiertesten Blues- und Boogie-Woogie-Pianisten. Sein Können war ein virtuos mitreißendes Erlebnis.

David Hermlin sang, tanzte und dirigierte das 15-köpfige „Swing Dance Orchestra“ und sorgte dafür, dass die Tanzfläche im großen Saal immer gut gefüllt war.Foto: te



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