Zu teuer: kein Radschnellweg für Schwalbach

Schwalbach (MS). Still und heimlich haben Schwalbach, Bad Soden, Sulzbach und Eschborn den Radschnellweg „FRM 4“ beerdigt, der die Städte Schwalbach und Bad Soden sowie die Gemeinde Sulzbach an das geplante Radschnellwegenetz in Richtung Frankfurt anschließen sollte. Die Absage wurde im November vom Regionalverband verkündet, ohne dass die Schwalbacher Stadtverordneten darüber beraten haben. Der Magistrat hat offenbar selbstständig signalisiert, dass Schwalbach kein Interesse an einer schnellen Radverbindung hat.

Damit hat sich auch ein Antrag der Grünen erledigt, der im vergangenen Jahr seit Januar immer wieder von einer Sitzungswoche in die nächste geschoben wurde. Die Grünen hatten darin gefordert, dass der Magistrat einen Zeitplan vorlegen soll, wann „die notwendigen Arbeiten zur Fertigstellung des Radschnellwegs erfolgen sollen“. Freilich haben die Grünen dabei schlichtweg ignoniert, dass der „FRM 4“ noch längst keine beschlossene Sache war.

Im Jahr 2019 hatten die vier Kommunen und der Regionalverband die Idee des Radschnellwegs medienwirksam aus der Taufe gehoben. Vor vier Jahren hatte der Regionalverband dann bei einer Internet-Befragung das Interesse der Bevölkerung abgefragt und nach vielen positiven Rückmeldungen eine Machbarkeitsstudie erstellt, die Anfang 2024 vorlag. Diese sollte dann in Schwalbach, Bad Soden, Eschborn und Sulzbach „ergebnisoffen diskutiert“ werden. Der Regionalverband präsentierte vor zwei Jahren beeindruckende Zahlen. Die Verkehrsplaner prognostizierten, dass durch den Bau des „FRM4“ täglich 2.400 Personen auf das Rad umsteigen werden. Damit könnten jährlich 3,8 Millionen Pkw-Kilometer und zirka 600 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden.

Die Gemeinde Sulzbach winkte angesichts der Kosten in Höhe von 8,2 Millionen Euro für die 10,4 Kilometer lange Strecke trotzdem relativ früh ab. In den anderen drei Städten hörte man bis auf den Antrag der Schwalbacher Grünen nichts mehr von dem Projekt.

In der jüngsten Vorlage des Magistrats zu dem Thema heißt es nun: „Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse hat sich die Mehrheit der beteiligten Kommunen – darunter auch die Stadt Schwalbach – entschieden, das Projekt nicht fortzuführen.“

Zu wenige Radfahrer

Als Begründung wird jetzt eine „Unterschreitung der Mindestverkehrsstärke“ angeführt. Anfang vergangenen Jahres hatte der Regionalverband an verschiedenen Stellen messen lassen, wie viele Radfahrer entlang der geplanten Trasse heute unterwegs sind. In Schwalbach kam dabei ein ernüchterndes Ergebnis zu Tage: Zwischen dem 28. April und dem 26. Juni kamen gerade einmal 10.739 Fahrräder an der Messstelle vorbei. Es waren im Durchschnitt nicht einmal 100 Fahradpendler, die morgens in Richtung Eschborn und abends zurück fuhren. Die Messstelle war allerdings auch an einem eher unglücklichen Punkt in der Verlängerung des Sossenheimer Wegs platziert. Keine 100 Meter weiter endet dort der asphaltierte Weg an einem meist schlammigen Feldrain.

Wegen der geringen Nutzung ergibt sich laut Erstem Stadt Thomas Milkowitsch ein „unverhältnismäßiger Kosten-Nutzen-Faktor“. Jeder Kilometer der neuen Radwegeverbindung hätte fast 800.000 Euro gekostet. Nach Abzug aller Zuschüsse hätte die Stadt Schwalbach einen Anteil von insgesamt 525.000 Euro für den „FRM 4“ bezahlen müssen. „Angesichts des geringen Nutzungsvolumens ist der finanzielle und ökologische Aufwand wirtschaftlich nicht vertretbar“, schreibt Thomas Milkowitsch in seiner Vorlage. Er verweist auf die bereits vorhandenen „gut nutzbaren Radverbindungen“, die durch „punktuelle Verbessererungen“ mit deutlich geringerem Aufwand optimiert werden könnten.

Das Ende des Radschnellwegs will der Erste Stadtrat jedoch nicht als „Absage an die Förderung des Radverkehrs“ verstanden wissen. Es gehe vielmehr um die „Fokussierung kommunaler Ressourcen auf effektivere Maßnahmen zur qualitativen Verbesserung der bestehenden Radverkehrsinfrastruktur“. Welche Kosten für die Vorplanungen und die Machbarkeitsstudie bisher entstanden sind, ist nicht bekannt.



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