„Bevor wir uns zerreden, lasst uns zusammenhalten“

Steinbach (stw). Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Evangelische Gemeindehaus Sankt Georg in Steinbach am Silvesternachmittag. Zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden, als am Silvesterabend, 31. Dezember um 17 Uhr, zahlreiche Menschen den ökumenischen Gottesdienst zum Jahresabschluss feierten. Geleitet wurde die besondere Agapefeier von Harald Schwalbe und dem Arbeitskreis Ökumene.

Im Mittelpunkt stand das Thema „Zusammenhalten“ – bewusst gewählt in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen. Die Agapefeier, deren Wurzeln bis in die frühe Kirche und in die jüdische Sabbattradition reichen, machte Gemeinschaft nicht nur zum Thema, sondern zur Erfahrung: An gedeckten Tischen, im Teilen von Brot und Wein, im Gespräch und im gemeinsamen Tun.

Biblische Texte aus den Paulusbriefen und Psalm 133 bildeten die geistliche Grundlage. In kleinen Austauschrunden formulierten die Teilnehmenden, was Zusammenhalt ausmacht. Begriffe wie Zuhören, Respekt, Empathie, Vertrauen, Kompromissbereitschaft sowie eine Prise humorvoller Selbstkritik wurden auf Puzzleteile geschrieben – als sichtbares „Rezept“ für gelingendes Miteinander.

Ein Wollfaden, der von Tisch zu Tisch zugeworfen wurde, verband den Raum symbolisch und konkret. Am Ende nahm jede und jeder ein Stück davon mit nach Hause.

In seiner Ansprache mahnte Harald Schwalbe zu einem neuen Ton im gesellschaftlichen Miteinander. Dauerndes Schimpfen führe nicht weiter. Demokratie und Zusammenhalt lebten davon, Verantwortungsträgern eine faire Chance zu geben und Konflikte konstruktiv auszutragen. „Bevor wir uns uneinig werden, lasst uns lange zusammenhalten und schauen, wie viel uns verbindet“, brachte er den Kern ökumenischen Denkens auf den Punkt.

Mit dem Satz aus dem Galaterbrief – „Hier ist nicht Jude noch Grieche … denn ihr seid alle einer in Christus Jesus“ – wurde die theologische Tiefe des Abends deutlich: Unterschiedlichkeit bleibt, aber sie trennt nicht. Menschen begegnen sich auf Augenhöhe – unabhängig von Herkunft, Konfession oder Lebensentwurf. Diese christliche Freiheits- und Friedensverheißung gibt der Gesellschaft Sinn und Auftrag.

Musikalisch einfühlsam begleitet von Matthias Göbel, klang der Gottesdienst ruhig und getragen aus. Viele blieben noch im Gespräch. Eine Besucherin fasste den Abend so zusammen: „Ich wusste, ich muss heute unter Menschen sein. Das hat mir gutgetan. So möchte ich ins neue Jahr gehen.“

Ein Jahresabschluss, der nicht laut war – aber nachhaltig. Und ein starkes ökumenisches Zeichen dafür, dass Zusammenhalten in Gemeinschaft mehr ist als ein Wort.

Ökumenischer Silvestergottesdienst setzt starkes Zeichen für Gemeinschaft in Steinbach: Foto: Ellen Breitsprecher

148.3979 mm

71.2438 mm



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