Steinbach. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, 17. Dezember 2025, informierten die Verantwortlichen des Gewerbevereins, Vereinsrings und der Stadt Steinbach über die Zukunft des beliebten Stadtfestes.
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Steffen Bonk gab der Vorsitzende des Gewerbevereins, Walter Schütz, gleich zu Beginn bekannt: „Wir werden 2026 kein Stadtfest in Steinbach veranstalten können. […] Wir sind in der Organisation an unsere Grenzen gekommen.“
Er betonte, dass es nicht an der Zusammenarbeit mit den Vereinen und der Stadt gelegen habe. Die Abstimmung habe über 20 Jahre lang stets reibungslos funktioniert. Besser als bisher könne man solche Veranstaltungen nicht planen. Das Fest sei in den vergangenen Jahren aber „immer größer und teurer“ geworden und das bisherige Planungsteam des Gewerbevereins arbeite seit dem ersten Stadtfest 2002 in beinahe gleicher Zusammensetzung. Es sei aufwands- und altersbedingt nicht mehr möglich gewesen, eine Organisation zu gewährleisten, die den Dimensionen des Festes gerecht wird, weshalb man schweren Herzens die Entscheidung getroffen habe, das Fest 2026 ausfallen zu lassen. „Das Fest begleitet das Organisationsteam […] rund ums Jahr.“
Nach dem Ende eines Festes hätten sofort die Planungen für das nächste starten müssen. Obwohl das Team über 20 Jahre lang sehr verlässlich gearbeitet habe, seien dessen Mitglieder alle „keine 40 Jahre mehr alt“. Auch vor dem Hintergrund, dass es dem Gewerbeverein an Nachwuchs mangele, die bisherige Festbühne im Hof hinter der Raiffeisenbank und dem Hotel „Zum Brunnen“, die über 20 Jahre unentgeltlich verfügbar war, mittelfristig nicht mehr zur Verfügung stehen werde, sowie der gestiegenen Kosten für Sicherheitsauflagen, sei man sich relativ schnell einig gewesen, dass man anstatt einem schlechten, lieber gar kein Stadtfest mache, so Schütz.
In dem Moment, als die Mitglieder des Vereinsrings von dem Aus erfuhren, habe „eine unglaubliche Stille“ den Raum erfasst, so Kai Hilbig, 1. Vorsitzender des Vereinsrings. „Das war nicht vorauszusehen für die Vereine.“
Das Stadtfest als „Spiegel der Steinbacher Gesellschaft“
Das Steinbacher Stadtfest ist mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von 3000 Menschen pro Tag das größte Fest in Steinbach. Es existiert in seiner heutigen Form seit 2002 und ist aus der ehemaligen Gewerbeschau, die bereits seit den 70er Jahren vom Gewerbeverein Steinbach veranstaltet wurde, entstanden. Abgesehen von zwei Jahren Pause während der Corona-Pandemie fand das Fest seitdem jedes Jahr statt und wurde 2025 somit zum 20. Mal ausgerichtet. Mit dem Ziel, die Bürger zum Gewerbe zu bringen, anstatt „eine Gewerbeausstellung im Bürgerhaus zu machen“, sei bei der damaligen Konzeption des Stadtfestes die Idee entstanden, die Bahnstraße als Standort eines Großteils der Gewerbetreibenden in Steinbach zum Veranstaltungsort des neuen Festes zu machen, erzählt Steffen Bonk. Für das Fest wird die zentrale Einkaufsmeile und Ortsdurchfahrt an einem Wochenende im Jahr gesperrt, was für die Organisation „kein leichtes Unterfangen“ sei. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens auf der Landesstraße und ihrer Position in der Mitte des Ortes, habe sie auch eine „trennende Wirkung“. Umso schöner sei es, dass beim Stadtfest „die beiden Quartiere Nord und Süd an diesem Wochenende zusammenkommen“. Auch Walter Schütz betonte die Bedeutung des Festes für den Ort. „Wir wollten immer ein Fest […] von Steinbachern für Steinbacher, für alle Generationen [veranstalten].“ Auf dem Stadtfest habe man „einen Spiegel der Steinbacher Gesellschaft“ sehen können.
Europatag als Testlauf für ein neues Festformat
In Kooperation des Hochtaunuskreises mit einer der 13 kreisangehörigen Städte und Gemeinden findet der Europatag jedes Jahr um den 9. Mai herum statt. Der Festtag dient dazu, Frieden und Freiheit auf dem Kontinent Europa zu feiern und bietet den Partnerschaftsstädten und -vereinen die Möglichkeit, sich kulinarisch und kulturell zu präsentieren sowie touristische Werbung für sich zu betreiben.
Nachdem man bereits 2015 Gastgeber des Europatags war, werde er 2026 wieder in Steinbach stattfinden, so Bonk. Ähnlich wie beim Weihnachtsmarkt, soll die Veranstaltung auf dem Freien Platz und der anliegenden Kirchgasse stattfinden und dabei auch als Test des Platzes für zukünftige Veranstaltungsformate dienen.
Der Gewerbeverein verfüge über den Großteil des Equipments, das man für ein gutes Straßenfest braucht und „die Organisationsmannschaft steht dieser Idee zu 100 Prozent zur Verfügung“, so Schütz.
Die Zukunft des Stadtfestes
Nun wollen sich die Verantwortlichen des Gewerbevereins, des Vereinsrings und der Stadt ein Jahr Zeit lassen, um für 2027 ein neues Konzept für das Stadtfest zu entwickeln. Fest steht, dass der Gewerbeverein künftig nicht mehr für die Planung des Festes zuständig sein wird. In diesem Zuge bedankte sich Steffen Bonk auch im Namen der Stadt bei Walter Schütz und dem Gewerbeverein für die langjährige, gute Zusammenarbeit und das ehrenamtliche Engagement des Organisationsteams.
„Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein Fest in dieser Größenordnung über zwei Jahrzehnte lang von einem Verein organisiert wird“, so Bonk. Schütz betonte, dass man zwar in die zweite Reihe rücke, um jüngeren Köpfen bei der Planung den Vortritt zu überlassen, aber zukünftige Veranstaltungen weiterhin logistisch unterstützen werde und sich auch im neuen Format eine enge Einbindung der Steinbacher Gewerbetreibenden wünsche. Bonk stimmte ihm zu. „Wir haben in Steinbach […] eine große Vielfalt, sowohl an Vereinen als auch an Gewerbe und das muss die Möglichkeit haben, sich präsentieren zu können.“ Für die insgesamt 37 beteiligten Vereine des Vereinsrings habe gleich festgestanden: „Sterben lassen können wir es nicht!“ Mit Blick auf die Absage von anderen Großveranstaltungen wie dem Burgfest in Königstein, müsse man, angesichts der aktuell hohen Sicherheitsanforderungen, jetzt aber überlegen, welche Möglichkeiten es gibt. „Es wird schwieriger“, so Hilbig. Bonk stimmte ihm zu, versicherte allerdings, dass alle anderen jährlichen Veranstaltungen und Feste eingeplant seien.
Bei der Entwicklung des „Stadtfest 2.0“ seien nun alle Mitglieder der Stadtgesellschaft gefordert. Zeitgleich betonte er, dass seiner Meinung nach die Bahnstraße als Alleinstellungsmerkmal des bisherigen Stadtfestes auch zukünftig nicht fehlen dürfe. Hilbig pflichtete ihm bei. Viele Steinbacher seien mit dem Stadtfest aufgewachsen und es habe für sie dementsprechend eine große Bedeutung.
„Es ist unser Fest, wo wir zwei Tage an einem Ort zusammenkommen, den wir sonst nicht betreten können“, so Hilbig. Man müsse sich jetzt ein neues und zeitgemäßes Konzept überlegen und brauche deshalb bei der Planung auch die Hilfe jüngerer Menschen. „Es muss ein modernes Fest werden, was dann wieder zehn oder zwanzig Jahre funktioniert. Das ist unser Ziel.“
Kai Hilbig(links), Steffen Bonk (Mitte) und Walter Schütz (rechts) betonten bei der Pressekonferenz ihren Wunsch, die Tradition des Stadtfestes fortzuführen.Fotos: Beyer
