„Georgische Tafel“ weckt Erinnerungen und Reiselust

Die „Georgische Tafel“ mit köstlichen kaukasischen Speisen lockt nicht nur die Mitglieder des Fördervereins, sondern auch viele Gäste ins Vereinshaus Dornholzhausen. Fotos: a.ber

Bad Homburg (a.ber). „Die Menschen sind lebhaft und sehr gastfreundlich.“ Wenn Gertrud Rentschler von ihren Aufenthalten in Georgien erzählt, gerät sie ins Schwärmen. Das südkaukasische Land zwischen Russland, der Türkei und Armenien lässt sie nicht los, seit sie vor 25 Jahren zum ersten Mal dort war. Die 92-jährige Dame sitzt im Vereinshaus Dornholzhausen an der „Georgischen Tafel“, zu der der Förderverein Taunus-Tiflis eingeladen hat. Ihr schräg gegenüber sitzt der Friedrichsdorfer Günter Holle. „Von Ankara aus soll man angeblich bald mit dem Zug nach Tiflis fahren können, darauf warte ich“, sagt der durch VHS-Vorträge bekannte Reiselustige, der schon über 80 Länder mit der Eisenbahn erkundet hat, aber noch nie in Georgien war. Zwischen beiden Gästen stehen leckere Speisen der kaukasischen Küche: Rote-Bete-Salat mit gehackten Nüssen, Auberginen mit Granatapfelkernen, Tomatenstücke in Nussmarinade mit richtig viel Knoblauch, gebratene Hühnerbeinchen. Eifrige junge Helfer gehen an der üppig gedeckten Tafel entlang, servieren Hühner- und Fischsuppe, georgischen Rotwein und das leckere warme Käsebrot „Chatschapuri“.

Liebe geht durch den Magen – und Georgien, das zu den ältesten christlichen Ländern der Welt zählt und mit atemberaubender Landschaft auch heute noch eine Brücke zwischen Europa und Asien, Orient und Okzident ist, liegt den fast 70 Mitgliedern des rührigen Fördervereins Taunus-Tiflis seit mehr als 26 Jahren am Herzen. „Wir veranstalten unsere Georgische Tafel, um neue Menschen für unseren Verein und für das Land zu begeistern“, sagt die Vorsitzende Renate Wacker. Vereinsmitglieder haben nach Originalrezepten gekocht und gebacken.

Wenn Liebe durch den Magen geht, berührt Musik die Seele: 1996 besuchte eine Sängergruppe aus Tiflis die Chöre der Volkshochschule Oberursel und der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Homburg-Gonzenheim. „Ein berührendes Konzert!“ Chormitglieder beider Taunusstädte beschlossen, der Heimat der georgischen Sänger einen Gegenbesuch abzustatten. „Motor“ dieser Initiative war Kirchenchor-Sängerin Angelika Keishold. Sie pflegte schon als Jugendliche seit 1967 eine Brieffreundschaft mit der jungen Georgierin Daredschan Tawlalaschwili, besuchte wiederholt zu Sowjetzeiten Tbilissi (Tiflis). „Unser Chor reiste 1997 nach Tbilissi. Wir waren begeistert von der georgischen Kultur!“, erinnert sich Angelika Keishold. Mitorganisiert hatte diesen Aufenthalt ihre georgische Brieffreundin, mittlerweile Lehrerin am 2. georgischen Gymnasium in Tiflis. Untergebracht in Privatquartieren, erlebten die Deutschen herzliche Gastfreundschaft in zum Teil ärmlichen Verhältnissen – und „eine Schule, über deren Zustand wir wirklich entsetzt waren.“ Wenig später entstand der Förderverein Taunus-Tiflis. Er unterstützt bis heute unermüdlich mit Geld, Sachspenden und Ideenreichtum diese Schule.

Im Vereinshaus Dornholzhausen ist ein Stand mit georgischen Produkten aufgebaut. Mitglied Marie-Luise Mayer-Wegelin lässt die Entwicklung der damals maroden Patenschule mit ihren vielen engagierten Lehrkräften und Schülern bis heute Revue passieren: Schulmobiliar, Fußböden und Fenster wurden erneuert, Sport- und Musikmaterial angeschafft, Schüler und Lehrer renovieren oft selbst ihre Klassenzimmer. „Wir fahren hin, halten Kontakte und gucken, wie unsere Hilfsgelder angelegt werden. Vor kurzem haben wir ausrangierte Stühle einer Bad Homburger Schule nach Tiflis gebracht. Jetzt steht die Erneuerung der kaputten Außentreppe an“, so Mayer-Wegelin. Auch ein Schüleraustausch des 2. georgischen Gymnasiums mit der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) besteht seit Langem.

Für menschliche Begegnungen engagiert sich der Förderverein weiter mit Herzblut. Musik spielt dabei immer eine Rolle – wie der Auftritt des seit 2020 in Bad Homburg lebenden Georgiers David Gabelia mit seinen Kindern zeigt. Auf georgischen Instrumenten spielen sie für die Gäste typisch polyphone Stücke, hinreißend tänzerisch. „So schöne Musik! Bei meiner letzten Georgienreise 2018 bin ich in einer alten Kirche auf eine Leiter gestiegen, nur um ein bestimmtes Christus-Bild zu sehen“, lacht die 92 Jahre alte Gertrud Rentschler und greift noch einmal zum Auberginenmus. Die „Georgische Tafel“ weckt Erinnerungen, Reiselust und Neugier auf dieses faszinierende Land.

Weitere Informationen gibt es bei Renate Wacker per E-Mail an info[at]taunus-tiflis[dot]de oder unter Telefon 06172-44756.

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