Kirdorfer Stadtteilfest: Zwei Tage, sechs Vereine und ganz viel Herz

Bad Homburg (eh) – Gläser klingen, Fanfaren schmettern und über den langen Tischreihen wandern Neuigkeiten von Nachbar zu Nachbar: Am dritten Augustwochenende wird auf dem Bornplacken in Kirdorf wieder gefeiert. Am Samstag und Sonntag, 15. und 16. August, lädt der Vereinsring zum traditionellen Kirdorfer Stadtteilfest ein. Zwei Tage lang geht es um Musik und Mundart, Äppelwoi und Apfelsecco, Geschick und Geselligkeit – vor allem aber um das, was einen Stadtteil lebendig hält: Menschen, die miteinander feiern und gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Wenn die Vereine ihre Stände öffnen, der Duft von Gegrilltem und selbst gebackenem Kuchen über den Platz zieht und beim traditionellen Fünfkampf wieder ungewöhnliche Aufgaben warten, wird aus dem Bornplacken jener besondere Treffpunkt, den die Kirdorfer liebevoll ihr „Wohnzimmer“ nennen.

Gestemmt wird das Fest von den vielen ehrenamtlichen Helfern aus sechs Vereinen: der Kolpingsfamilie Bad Homburg-Kirdorf/St. Johannes, dem Wanderclub Kirdorf 1922, der SGK Bad Homburg 1890, dem Carnevalverein Heiterkeit 1919, dem Karnevalverein Club Humor 1904 und der Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld, kurz IKF. Jeder Verein bringt seine eigenen Stärken ein. Die einen kümmern sich um Grill und Fritteuse, andere um den Ausschank, wieder andere um Kaffee, Kuchen oder die vielen Spezialitäten aus den Äpfeln des Kirdorfer Feldes. Dazu kommen Aufbau, Abbau, Technik, Sitzplätze und viele weitere Aufgaben, die von den Besuchern kaum bemerkt werden, ohne die ein solches Fest jedoch nicht möglich wäre.

Das Fest wird am Samstag um 18 Uhr mit dem traditionellen Fassanstich offiziell eröffnet. Zum Fassanstich hat Vereinsringvorsitzender Joachim-Dietrich Reinking neuen Ortsvorsteher Dietmar Schäfer „in die Pflicht“ genommen, ein Fass Freibier anzuzapfen. Nach dem ersten Freibier können sich die Besucher über ein reichhaltiges Angebot an Speisen und Getränken freuen.

Auf dem Kirdorfer Feld gibt es zahlreiche Obstbäume, aus deren Früchten die IKF ein reichhaltiges Getränke-Sortiment selbst produziert und einen eigenen Stand anbietet. Am Stand der Kolpingsfamilie gibt es Sekt, Wein und weitere Getränke sowie Fischbrötchen. Die Fußballer der SGK bieten frisch gezapftes Bier und ein großes Sortiment an Kaltgetränken. Am Küchenzelt der Heiterkeit kann man sich mit diversen Leckereien von Pommes bis Bratwurst stärken. Gefeiert werden darf bis Mitternacht.

Club Humor und Heiterkeit kümmern sich traditionell um Herzhaftes vom Grill und aus der Fritteuse. Würstchen, Steaks, Hamburger, vegane Burger und Pommes stillen den großen und kleinen Hunger. Am Sonntag lockt der Wanderclub mit Kaffee und einer Auswahl selbst gebackener Kuchen.

Ein besonders ausgeprägtes Kirdorfer Aroma bringt die IKF auf den Platz. Apfelwein, Apfelsaft und Apfelsecco erzählen von den Streuobstwiesen vor der Haustür und von den vielen Arbeitsstunden, die Mitglieder des Vereins in die Pflege der Bäume, die Ernte und die Verarbeitung investieren. Auch Gelees und Fruchtaufstriche entstehen aus heimischem Obst. Der Kirdorfer Apfelwein hat inzwischen sogar Liebhaber weit über die Stadtgrenzen hinaus gefunden und soll bereits bis nach Italien gelangt sein.

„Wir haben ja schließlich auch gute Sachen“, erklärten Stefan Hardt und Michael Blew von der IKF. Dagegen lässt sich nach einem Schluck Kirdorfer Apfelwein vermutlich nur schwer widersprechen.

Zum sonntäglichen Frühschoppen gehört seit Jahren außerdem der Fanfarenzug des Club Humor. Unter der musikalischen Leitung von Ingunn Wolz reicht sein Repertoire von Marschmusik über Schlager bis zu modernen Melodien.

Am Sonntag öffnet der Festbetrieb ab 11 Uhr. Dann ist auch der Wanderclub mit einer reichen Auswahl an selbst gebackenen Kuchen mit dabei.

Am Vormittag findet auch das beliebte Tarot-Turnier statt, das von Regina Wagner organisiert wird. Am frühen Nachmittag werden die besten Kartenspieler geehrt. Zu einem richtigen Sommerfest gehört natürlich auch Blasmusik und dafür wird der Fanfarenzug vom Club Humor ab etwa 12 Uhr aufspielen.

Wer kennt sich in Kirdorf am besten aus? Dazu hat sich Stefan Ohmeis vom Heimatmuseum eine Reihe schwieriger Fragen ausgedacht. Am Samstag und am Sonntag können dazu ausgelegte Fragebögen bearbeitet und in bereitstehende Boxen abgegeben werden. Die Teilnehmer mit den meisten richtigen Antworten werden am Sonntagnachmittag bei der Siegerehrung mit Sachpreisen belohnt. Gegen 19 Uhr wird das gemütliche Stadtteilfest dann ausklingen.

Seit 1982 gehört das Fest zum Kirdorfer Jahreskalender. Die Wurzeln des Festes reichen bis zur 1200-Jahr-Feier Bad Homburgs in diesem Jahr zurück. Damals sollten die einzelnen Stadtteile eigene Feste gestalten.

Was zunächst als Beitrag zu einem Stadtjubiläum gedacht war, entwickelte sich zu einer festen Institution. Gefeiert wurde zunächst an der oberen Hauptstraße, später am Kirdorfer Brunnen und seit etwa anderthalb Jahrzehnten auf dem Bornplacken. Der Platz ist wie geschaffen für ein Fest, bei dem es weniger um eine große Bühne als um Nähe, Gespräche und das gemütliche Zusammensitzen geht.

Vereinsringvorsitzender Dr. Joachim-Dietrich Reinking brachte den Gedanken hinter dem Fest auf den Punkt: „Wir stärken so den Zusammenhalt innerhalb des Stadtteils, deshalb machen wir solche Feste.“ Denn wer neu nach Kirdorf gezogen ist, findet auf dem Bornplacken schnell Anschluss. Wer schon lange dort lebt, trifft Bekannte, Freunde und vielleicht Menschen wieder, die er seit dem vergangenen Stadtteilfest nicht mehr gesehen hat.

Wer zwischen Frühschoppen und Kuchen noch tiefer in die Kirdorfer Geschichte eintauchen möchte, kann am Sonntag einen Abstecher in das nahe gelegene Heimatmuseum unternehmen. Das Museum öffnet am Sonntag, 16. August, von 15 bis 17 Uhr und zeigt neben seiner ortsgeschichtlichen Ausstellung die Sonderausstellung „Wenn Kunst der Seele schmeichelt: Gemälde und Zeichnungen von zwei Generationen“.

Natalie Kocher und ihr zwölf Jahre alter Sohn Leo präsentieren darin Aquarelle und Zeichnungen mit Landschaften, Stillleben, Tieren und Ansichten aus Bad Homburg. Während die Arbeiten der Mutter mit ihrer Liebe zum Detail und leuchtenden Farben beeindrucken, zeigt sich in den Werken ihres Sohnes eine besondere Freude an präzisen Linien und sicheren Kompositionen. So entsteht ein Dialog zwischen Erfahrung und Neuanfang – ein Gedanke, der auch gut zu einem Stadtteilfest passt, bei dem ältere Ehrenamtliche ihr Wissen weitergeben und junge Helfer nach und nach Verantwortung übernehmen.

Wenn am Samstag und Sonntag Gläser klingen, Fanfaren ertönen und alte Kirdorfer Wörter über die Tische fliegen, wird aus dem Bornplacken wieder weit mehr als ein Platz im Ortskern. Dann deckt Kirdorf seinen großen Tisch – und jeder, der Platz nimmt, gehört für einige Stunden zur Kirdorfer Familie.

Ehrenvorsitzender Hans Leimeister, OB Alexander Hetjes und Vereinsringvorsitzender Dietrich Reinking (v. l.) nach dem erfolgreichen Fassanstich 2025.Foto: privat

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