Heimatstube Ober-Erlenbach zeigt Erinnerungsstücke

Anne Wildemann kuratiert die Ausstellung in der Heimatstube Ober-Erlenbach „Erinnerungsstücke – Du gehörst zu mir“. Foto: fch

Bad Homburg (fch). Zu einer spannenden Zeitreise lädt die Heimatstube Ober-Erlenbach Besucher mit ihrer neuen Ausstellung „Erinnerungsstücke – Du gehörst zu mir“ ein. Kuratiert hat die Ausstellung Vereinsmitglied Anne Wildemann. Zu sehen sind 33 Exponate von Ober-Erlenbacher Bürgern aus unterschiedlichen Zeitepochen.

„Jedes dieser Erinnerungsstücke erzählt eine Geschichte“, informierte PR-Frau und Vorstandsmitglied Felicitas Hartmann. Die Leihgeber verfassten handschriftlich auf einer Karte eine Notiz zu ihrem „Erinnerungsstück“. Darauf erfahren Besucher etwas über die Geschichte des Exponats und vor allem, an wen es die Leihgeber erinnert. Die Bandbreite der Ausstellungsstücke ist groß. Sie reicht bei Kleidungsstücken von reich bestickten Gewändern für festliche Anlässe aus Marokko und Syrien über ein Kommunionkleid bis zu „Tante Ilses Hochzeitskleid“ aus dem Jahr 1947, das Inge Moegenburgs Großtante Frieda schneiderte. „Dieses schicke Hochzeitskleid wurde von einer Schneiderin auf dem Land gearbeitet. Es könnte von Karl Lagerfeld sein“, lobte Vorsitzende Ursula Euler in ihrer Eröffnungsrede. Bis heute hat das elegante Kleid mit eingearbeiteter Schleppe nichts von seiner Eleganz eingebüßt. „Damals waren alle Bräute schlank“, betonte Anne Wildemann mit Blick auf die Wespentaille.

„Liebe schwärmt …“

Zu den lieb gewonnenen Erinnerungsstücken gehört auch das Porträt eines Mädchens, ein Bild aus der Kronberger Malerkolonie und ein Stickbild aus den 1920er-Jahren. Das hat eine 17-Jährige mit dem Aphorismus „Liebe schwärmt auf allen Wegen, Treue wohnt für sich allein; Liebe kommt Euch rasch entgegen, aufgesucht will Treue sein“ von Johann Wolfgang Goethe bestickt. Adelheid Jung verknüpft ihre liebevolle Erinnerung an ihre Großmutter mit einer „zarten, ledernen Tasche“. Diese trug ihre Oma zu besonderen Anlässen.

Zu den besonderen Erinnerungsstücken an einen lieben Menschen gehört auch ein handgearbeitetes Intarsienkästchen für Pfeifen und Tabak. Es gehörte einst dem Großonkel von Elke Feucht, die es von ihrer Mutter erbte. Der Großonkel war Schreiner und hat es in seiner Freizeit hergestellt. Auf einem Foto ist der Schreiner zu sehen. Gleich nebenan steht die Zither der Familie Immig. Sie gehörte der Stuttgarterin Lina Elsa, die in einem Sanatorium in Arosa als Zimmermädchen arbeitete und sie 1920 mit nach Hessen brachte. Sie hatte in der Schweiz den Altenstädter Karl kennengelernt und kehrte mit ihm zurück nach Deutschland. Auf der Zither spielte Lina Elsa ihren Kindern jeden Abend Lieder vor, erinnern sich ihre Enkel.

Die Porzellanfigur von Hutschenreuther „Falknerin mit Windhund“ vom bekannten deutschen Designer Hans Achtziger (1918 – 2003) hat es der Ausstellungsleiterin Anne Wildemann angetan. Die filigrane Figur sei ein frühes Zeichen der Emanzipation. Geschenkt bekam es eine Frau 1897. Falkner benötigten für die hohe Kunst des Jagens mit einem Greifvogel Kraft. Allein dadurch sei das Motiv für seine Zeit eher ungewöhnlich gewesen.

Auch Liebhaber von Porzellan und Silberbesteck sind in der Heimatstube Ober-Erlenbach richtig. Die Oma von Christiane Baumann bekam von ihren Eltern zur Verlobung 1911 ein Kaffeeservice geschenkt. Es wurde und wird bis heute nur an Festtagen benutzt und ist mit seinem filigranen Dekor und der nicht alltäglichen Formgebung ein echtes Schmuckstück. Das Silberbesteck besticht allein durch seine Größe. Ein Löffel misst 45 Zentimeter. Das Besteck aus echtem Silber zeugt davon, dass an den früheren Festtafeln viele Leute Platz nahmen.

Die genannten Exponate sind nur eine kleine Auswahl aus der Ausstellung. In der Heimatstube gibt es viel zu entdecken. Zu sehen ist die Ausstellung „Erinnerungsstücke – Du gehörst zu mir“ im Alten Rathaus von Ober-Erlenbach bis 19. Mai. Öffnungszeiten sind an den Sonntagen, 17. und 24. März, 7. und 28. April sowie 5. und 19. Mai, jeweils von 15 bis 17 Uhr. Die 63 Mitglieder des am 7. Juni 1995 gegründeten Vereins laden für Sonntag, 7. April, zu einer Ortsführung mit anschließendem Besuch der Ausstellung ein und für Sonntag, 28. April, zu Kaffee und Kuchen „Wie vor100 Jahren“.

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