Bad Soden (aks) – Der laszive Augenaufschlag einer Greta Garbo im Film „Königin Christine“ oder dem der blutjungen Marlene Dietrich im „Blauen Engel“ ist legendär, und wer ihn einmal auf der Leinwand erlebt hat, wird ihn nie vergessen. Der Film „Der Blaue Engel“ von 1929 in der Regie von Josef Sternberg nach dem Roman „Professor Unrat“ von Heinrich Mann wurde im Casablanca als Vorfilm zur Lesung der renommierten Autorin Angela Steidele gezeigt. Gundi Gaab von der Bücherstube Bad Soden stellte die promovierte Erfolgsautorin, die Philosophie, Musik und Literaturwissenschaft studiert hat, sichtlich erfreut dem zahlreich erschienen Publikum vor. Frauen in Männerkleidern – das ist Thema vieler Bücher von Steidele, die selbst in Hosen erscheint, dabei interessiert sie der Mythos mehr als die Wirklichkeit. Ihr neues Buch „Ins Dunkel“ handelt von einem legendären Damen-Quartett in den Jahren 1924 bis 1969 und ihrer nicht nur platonischen Verbindung: Greta Garbo und Marlene Dietrich, als Leinwand-Königinnen, und an deren Seite Salka Viertel, Schauspielerin und Drehbuchautorin sowie Erika Mann, Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin, die sich in Berlin begegnen, in Hollywood, als rettende Insel für viele verfolgte Deutsche, arbeiten. „Die Optimisten kamen nach Auschwitz, die Pessimisten nach Beverly Hills“, so hat Billy Wilder diese Zeit treffend beschrieben. Es geht auch um den Rückzug im Alter: Garbo in Klosters, Dietrich in der Avenue Montaigne 12 in Paris. Angela Steidele gelingt mit ihrer sorgfältigen Recherche und ihrer einfühlsamen Sprache ein quicklebendiges Porträt, das den Mythos der zwei Leinwand-Diven bestärkt, das aber auch ein wahrheitsgetreuer Bericht von der Freundschaft der vier Frauen ist, die sich bis ins hohe Alter treu waren. Sie hatten den Mut, ihre Freiheiten und sexuellen Präferenzen in einer Zeit auszuleben, die freizügig schien, aber mit dem aufkommenden Nationalsozialismus jedes Anderssein verdammte. Angela Steidele liest die verschiedenen Rollen mit großer Schauspielkunst und fesselt die Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer mit Schwarz-Weiß-Filmclips, die „die Göttlichen“ in Nahaufnahme zeigen bzw. in „Action“ mit heroischer, fast männlicher Energie und Lässigkeit. Szenen, die mit gleichgeschlechtlicher Erotik provozieren, sorgten nicht nur in den 30er-Jahrer für Furore. In „Morocco“ tritt Marlene Dietrich im Smoking auf, flirtet mit Gary Cooper und küsst „en passant“ eine unbekannte Schöne auf den Mund. Trotz der vielen literarischen und filmischen Rückblenden ist der aktuelle Bezug immer da, in der die Welt „ins Dunkel“ gleitet – und so sitzen auch wir, die Zuschauer, im Dunkel, hören genau hin und lassen uns vom Glamour vergangener Zeiten verzaubern. Großes Kino mit einer ernsten Botschaft, auf dass die Welt hell werde.
Großes Kino im Casablanca: Wie ihre „göttlichen“ Protagonistinnen auf der Leinwand Garbo und Dietrich hat auch Angela Steidele die Hosen an – in der Literatur. Mit ihrer spannenden Lesung zog sie die Zuschauer im Casablanca „Ins Dunkel“.Foto: Sura
