Bad Soden (bs) – Auch in diesem Jahr können sich die Liebhaber der klassischen Musik auf die Veranstaltungen im Rahmen der Mendelssohn Tage der Musik in Bad Soden freuen. Vom 17. Oktober bis zum 8. November warten die Mendelssohn Tage der Musik mit einem abwechslungsreichen Programm auf, das sowohl Highlights der klassischen Musik abbildet, als auch den Mut zu Neuem zeigt. Wie auch in den vergangenen Jahren zeichnet Sabine Schaan für die künstlerische Leitung verantwortlich – immer auf der Suche nach neuen (musikalischen) Herausforderungen und frischen Ideen. Die Gäste können sich im Rahmen der Mendelssohn Tage auf insgesamt sechs Veranstaltungen freuen, darunter ein Kinokonzert, Stadtführungen, eine Hommage an die große Chansonette Hildegard Knef sowie ein traditionelles Kammer- und ein Kirchenkonzert.
Kinokonzert
Das Kinokonzert beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Fall des Komponisten Salieri, der annähernd drei Jahrhunderte musikalisch sogut wie nicht musiziert wurde. Grund dafür war das Gerücht, Salieri hätte bei Mozarts Tod seine Finger im Spiel gehabt. Unter dem Titel „Fake News – Salieri“ nimmt die Veranstaltung am 17. Oktober dieses Thema – mit Erzählungen, Musikstücken und in Kombination mit dem Kinofilm „Amadeus“ – auf und setzt die traurigen „Fake News“ in Bezug zu den neuesten historischen Erkenntnissen. Mozart und Salieri waren Weggefährten mit dem Unterschied, dass Salieri eine gut bezahlte und anerkannte Stellung als Hofkapellmeister innehatte, während das Genie Mozart keinerlei öffentliche Positionen bekleidete. Die Gerüchte um den „Mord“ Salieris an Mozart haben ihren Ursprung wohl in der Rivalität der beiden Musiker, die zu Lebzeiten der beiden nicht abzustreiten war. Weil das Genie Mozarts den Hofkapellmeister Salieri angeblich musikalisch weit überragte, entstand das Gerücht, dass letzterer seinen „lästigen Rivalen“ beiseitegeschafft habe. Dass diese Annahme so wohl nicht haltbar ist, zeigt sowohl der Inhalt eines Briefwechsels, als auch die Entdeckung einer gemeinsamen Komposition aus dem Jahr 1785, die die Namen von Mozart, Salieri und Cornetti trägt. Damit steht heute fest: Rivalität ja – aber ein Mord wohl eher nicht, womit der Bann gebrochen und der Ruf Salieris wiederhergestellt ist. Erfreulicherweise kommen seine Werke seit dem Jahr 2015 nun auch wieder vermehrt zur Aufführung. Der im Anschluss an den musikalisch gestalteten Teil gezeigte Kinofilm „Amadeus“ nimmt die (heute widerlegte) Verleumdungsgeschichte auf und kann – im Hinblick auf die aktuellen Erkenntnisse – in einem ganz neuen Licht betrachtet werden.
Stadtführungen
Auch in diesem Jahr finden an zwei Terminen (18. und 25. Oktober) die beliebten Stadtführungen zum Thema „Auf Mendelssohns Spuren – Von Quelle zu Quelle“ und „Ohne Frack, ohne Klavier, aber mit Eseln …“ statt. Richard Sippl nimmt die Gäste mit auf eine Reise zu den Spuren Felix Mendelssohn Bartholdys, die dieser in Bad Soden hinterlassen hat. Der Komponist weilte zur Kur in Bad Soden und verbrachte hier regelrechte „Arbeitsurlaube“. Der Weg führt u.a. vorbei an seinem damaligen Aufenthaltsort, der Villa Nassovia. Richard Sippl stellt auf dem Weg einige der Zeichnungen des Komponisten an den „Originalschauplätzen“ vor.
Das besondere Konzert
… beschäftigt sich in diesem Jahr mit der „Rose vom Ku´damm“. Am 24. Oktober kommen die Freunde des Chansons voll auf ihre Kosten, denn dann findet in den Räumlichkeiten der Tanzschule Pelzer ein Hildegard Knef Abend statt. Wer behauptet, dass Hildegard Knef gut singen konnte, wird unter Umständen mitleidige Blicke ernten, aber auf die Singstimme, so Sabine Schaan, kommt es bei Hildegard Knef eigentlich gar nicht an. Die Schauspielerin war eine starke Frau ihrer Zeit – sie war Sängerin, Schauspielerin, Schriftstellerin und Überlebenskünstlerin. Wohnhaft im Berlin der Nachkriegszeit navigierte sie mit Mut und Authentizität durch eine Ära, die den Menschen sehr viel abverlangte. Mehr als durch den Gesang, wurden ihre Lieder getragen durch ihre markante Stimme und dem damit verbundenen Ausdruck. Sie setzte auf diese Weise ein Zeichen für Mut, Haltung und Authentizität.
Das Kammerkonzert
Ein „Klassiker“ der Musiktage ist das Kammerkonzert, das in diesem Jahr vom Orchester der Gesellschaft der Musikfreunde Bad Soden am Taunus e.V. präsentiert wird. Am 1. November wird das Orchester unter der Leitung von Alexander Ebert unter dem Titel „Die Leichtigkeit des Ungewöhnlichen“ die Haydn- Variationen von Johannes Brahms, die Sinfonia concertante von W.A. Mozart und die Sinfonie in D-Dur von Juan Crisostomo de Arriaga zu Gehör bringen. Das Konzert findet unter der Beteiligung von Anna Lee (Violine) und Jelena Antic (Bratsche) statt.
Die Musik von Arriaga ist bei diesem Konzert etwas ganz Besonderes, denn der Komponist galt als Wunderkind und wird auch als der „spanische Mozart“ bezeichnet. Seine Musik wird als außergewöhnlich und „frisch“ beschrieben – bedauerlicherweise verstarb der Komponist bereits im Alter von nur 20 Jahren, weshalb seine Stücke recht selten gespielt werden – ein Grund mehr, dieses interessante Konzert zu besuchen!
Kirchenkonzert
Mit dem Kirchenkonzert wird sich in diesem Jahr ein lang gehegter musikalischer Wunsch von Sabine Schaan erfüllen. Der Main-Taunus-Kammerchor unter der Leitung von Julian Mörth wird die „Petite Messe Solennelle“ von Gioachino Rossini präsentieren. Diese letzte Komposition von Rossini kommt mit einer ungewöhnlichen instrumentalen Besetzung daher – neben einem Klavier wird ein Harmonium zum Einsatz kommen.
Dieses Stück, komponiert für ein „Druckwindharmonium“, kommt schon deshalb höchst selten zur Aufführung, weil es nur noch ganz wenige Musiker gibt, die das Harmonium spielen und dieses außergewöhnliche Instrument auch vor Ort stimmen können – ganz davon abgesehen, dass auch die Verfügbarkeit des Instrumentes selbst alles andere als groß ist. „Wer soll sich eines solchen Stückes annehmen, wenn nicht die Musikstiftung“, antwortet Sabine Schaan auf die Frage nach dem doch enormen (Transport-)Aufwand, den dieses Instrument mit sich bringt – ganz sicher ein weiteres Indiz dafür, dass die künstlerische Leiterin der Musiktage die Herausforderung liebt.
Auch in diesem Jahr legt die Bad Sodener Musikstiftung Jürgen Frei – gemeinsam mit der Stadt Bad Soden – als Veranstalter großen Wert auf die Einbeziehung lokaler Künstler, Chöre und Orchester. Eigene Produktionen nehmen einen großen Raum ein und zeigen das Engagement der Verantwortlichen, „etwas Besonderes und Einzigartiges “ zu schaffen und den Gästen aus Bad Soden und Umgebung zu präsentieren. „Der Konzertbetrieb wird immer aufwändiger und schwieriger“, so Sabine Schaan. Manch liebgewonnene Spielorte stehen nicht mehr zur Verfügung, neue müssen gesucht und entsprechend ausgestattet werden. Trotzdem behält Sabine Schaan – gemeinsam mit ihrem Team – den Mut und den Elan, erarbeitet neue Konzepte und ist offen für neue, frische Ideen.
Wer in diesem Jahr die Musik des Felix Mendelssohn Bartholdy im Programm vermisst, dem sei gesagt, dass der Komponist dieses Jahr „nur“ als Namensgeber fungiert.„Natürlich wird die Musik von Mendelssohn Bartholdy immer ihren Platz bei den Musiktagen haben, aber nach der Aufführung des Elias im vergangenen Jahr machen wir bei diesen Musiktagen einmal Pause“, so Schaan. Das abwechslungsreiche Konzertprogramm spricht auch in diesem Jahr für sich und wird die Gäste ganz sicher – wie immer – begeistern.

