Münzen an der Steinkopf-Gedenkstätte

Münzen auf den Steinen der Gedenkstätte am Steinkopf Foto:

Königstein/Kelkheim (kez) – Es gibt 147 Soldatenfriedhöfe in den Vereinigten Staaten und 24 außerhalb der Landesgrenzen. Eines haben sie alle gemeinsam: Auf den Grabsteinen der Gefallenen liegen Münzen. Sie werden von Angehörigen, Freunden oder auch von Menschen abgelegt, die die Verstorbenen nie gekannt haben. Die Münze ist eine stille Botschaft – ein Zeichen dafür, dass jemand da war, sich erinnert und das Andenken bewahrt.

Dieses Ritual wurde von Bibi Lelanc aus Florida an Michael Seidenberg vom Verein Luftbrücke Frankfurt-Berlin 1948–1949 e.V. weitergegeben. Lelanc ist Autorin zahlreicher Malbücher in deutscher und englischer Sprache, darunter „Flügel der Freiheit – Eine Hommage an die Berliner Luftbrücke“ und „Flügel der Freiheit – Die Geschichte der Berliner Luftbrücke“. Die Bücher können über den Verein bezogen werden (norbert.kandzorra[at]t-online[dot]de).

Zum Jahrestag des ersten Rosinenbomberabsturzes traf sich erneut ein erlesener Kreis am Naturfreundehaus Billtalhöhe bei Königstein. Unter den Teilnehmern waren auch die Kelkheimer Zeitzeugen Ursula und Dr. Georg Theuerkauf sowie Gila Gordon. Gemeinsam wanderte die Gruppe zum 570 Meter hohen Steinkopf. Die Strecke mit ihrer sanften Steigung ist gut zu bewältigen.

An der Gedenkstätte wurde eine Schweigeminute eingelegt. Anschließend legten die Teilnehmer erstmals zahlreiche Münzen auf einem Stein des Denkmals ab und übernahmen damit diesen besonderen Brauch.

Jeder hatte die Gelegenheit, seine persönlichen Erinnerungen an die Berliner Luftbrücke und die Blockade Berlins von Juni 1948 bis Mai 1949 zu teilen. Georg Theuerkauf erinnerte sich dabei an seine Kindheit als Schüler: „Als Schulspeisen gab es täglich eine Kelle warmes Essen – Suppe oder Brei. Auf dem Schulhof mussten alle Schlange stehen, die Verpflegung kam aus Berliner Großküchen. Im Winter hatten wir Schichtunterricht und saßen oft in dicken Mänteln und gestrickten Wollsachen im Klassenraum. Zu Weihnachten 1948 erhielt unsere Familie überraschend ein amerikanisches Care-Paket mit Süßigkeiten und Spielsachen. Unsere Kinderaugen leuchteten.“

Auch Gila Gordon aus Ruppertshain berichtete von ihren Erinnerungen: „Nach Kriegsende haben die Russen ihre ganze Wut an Berlin ausgelassen.“ Umso mehr habe sie die spätere Zugehörigkeit zum amerikanischen Sektor als Geschenk empfunden. Die Amerikaner hätten Jugendclubs eingerichtet, die für viele junge Menschen zu einem Rettungsanker wurden. Die Räume seien beheizt gewesen, es habe Angebote zum Basteln, Werken, Musizieren und Nähen gegeben. Es entstand sogar eine Big Band. „Wir tanzten Boogie-Woogie – ein neues Leben begann“, erzählte Gordon.

Eine besondere Entdeckung machte die Gruppe an diesem Tag ebenfalls: Ursula Theuerkauf war einst Schülerin der Gail-Halvorsen-Schule in Berlin-Dahlem – jener Schule, die eng mit dem Verein Luftbrücke Frankfurt-Berlin verbunden ist. Ihr Abitur liegt inzwischen 71 Jahre zurück. Michael Seidenberg nahm umgehend Kontakt zur Schule auf. Noch in diesem Jahr sollen Ursula und Georg Theuerkauf die Schule besuchen und mit den heutigen Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen.

Michael Seidenberg selbst wurde 1960 im ehemaligen West-Berlin im amerikanischen Sektor geboren. Seine gesamte Familie lebte während der Zeit der Luftbrücke in unmittelbarer Nähe einer amerikanischen Kaserne. Daraus entwickelte sich eine enge persönliche Verbindung zur Geschichte der Berliner Luftbrücke, die ihn bis heute prägt. Seit vielen Jahren engagiert er sich deshalb im Verein Luftbrücke Frankfurt-Berlin 1948–1949 e.V.

Thomas Zellhofer erinnert sich an einen entscheidenden Hinweis seines Mitstreiters Horst Schmidt-Böcking von der Initiative Stimme für Ruppertshain. Schnell wurde klar, dass es sich beim Unglück am Steinkopf um den ersten Absturz eines Rosinenbombers nur zwölf Tage nach Beginn der Luftbrücke handelte.

Am 8. Juli 1948 gegen 23 Uhr zerschellte eine Dakota C-47 auf der Südseite des Steinkopfes. Zur Besatzung gehörten 1st Lt. George B. Smith, 1st Lt. Leland V. Williams sowie der deutschstämmige Zivilangestellte des Army Departments, Karl Victor Hagen.

Mit Unterstützung der Stadt Königstein wurde die stille Gedenkstätte inzwischen um Informationstafeln in deutscher und englischer Sprache sowie eine Sitzbank ergänzt. Zur Einweihung am 14. Oktober 2023 waren Anthony und Nina Hagen gemeinsam mit ihren Familien anwesend. Thomas Zellhofer hält bis heute engen Kontakt zu den Nachkommen.

Inzwischen findet jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung auf dem Gipfel des Steinkopfes mit anschließendem Beisammensein statt. Auch Vereine nutzen das Angebot im Rahmen der sogenannten 4-GE-Exkursionen – Geschichte, Geräusche, Gedenken und Geselligkeit.

Dabei beginnt die Reise häufig am Luftbrückendenkmal am Frankfurter Flughafen, wo an die einzigartige Leistung der Berliner Luftbrücke erinnert wird. Von der Aussichtsplattform Zeppelinheim aus lassen sich die Flugbewegungen auf den Start- und Landebahnen beobachten, bevor es weiter zum Naturfreundehaus Billtalhöhe und schließlich zum Steinkopf geht – eine Strecke von rund 25 Kilometern (Kontakt: zellhofer[at]stimme-fuer-ruppertshain[dot]de).

Zur Berliner Luftbrücke

Vom 26. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 wurde die eingeschlossene Bevölkerung West-Berlins im Zuge der sowjetischen Blockade aus der Luft mit lebenswichtigen Gütern versorgt. Flugzeuge des Typs Douglas C-54 „Skymaster“ wurden aus aller Welt nach Frankfurt am Main und Wiesbaden-Erbenheim verlegt, um Berlin rund um die Uhr anfliegen zu können.

Die Berliner Luftbrücke gilt bis heute als eine der größten logistischen Leistungen der Luftfahrtgeschichte:

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