Sodener Passion: Das gibt’s nicht! – doch, das gibt’s!

Die neu entzündeten Ökumenekerzen

Bad Soden (es) – Sechs Wochen lang erfreute sich die „Sodener Passion“ – eine ökumenische Veranstaltungsreihe in der Fastenzeit – zunehmenden Besuchererfolgs. Obwohl das gewählte Thema „Ambiguitätstoleranz“ erstmal sehr viele Fragen aufwarf, machte der Untertitel: „Entweder – oder? Sowohl als auch! Gegensätzliches aushalten“ viele Bad Sodener neugierig. In unterschiedlichen Formen wurde den Fragen nachgegangen, die zu Antworten und zu einer möglichen neuen Haltung des Miteinanders führten.

Mit der POP-UP-Kirche auf dem Adlerplatz zeigten sich die Vertreter und Vertreterinnen der drei ortsansässigen Kirchen außerhalb ihrer Kirchenmauern und luden die Passanten zu „Marktgesprächen über Gott und die Welt“ ein. Ein spannendes Orgelkonzert zeigte durch die gewählten Kompositionen, wie gegensätzlich sich Musik anhören kann, selbst wenn sie gleichen Inhalts ist. Pastorin Stefanie Schmid führte an einem Abend in die Theorie der Ambiguitätstoleranz ein und öffnete ein neues Bewusstsein für eine diskussionsfreudige und nicht polarisierende Atmosphäre – trotz unterschiedlicher Meinungen: „Denken Sie zuerst ein Fragezeichen, bevor Sie Ihr Ausrufezeichen setzen wollen!“ Ein Satz, der sich in seiner Einfachheit einprägte und die eigene Haltung zu einem schwierigen Gegenüber verändern kann. Das Wetter spielte mit, als man an acht Stationen im neuen Kurpark bei „Gott im Park“ angeregt wurde, sich verschiedenen Fragen zu stellen, diese sinnlich zu erleben und zu Antworten zu finden. Ein Höhepunkt in diesen Wochen war der musikalisch-poetische Abend mit dem Bonner Künstler Michael Knopp. Seine schöpferische Erzählweise brachte Jesu Kreuzweg in besonderer Weise nahe und rührte zu innerer Ergriffenheit.

Gut besuchte Filmabende mit „The Chosen“, feierliche spirituelle Begegnungen, Kinderprogramm mit dem beliebten „Eselsgang“ am Palmsonntag und mehr ließ allseits den Wunsch nach einem Weitermachen in 2027 aufkommen – und das Team freut sich schon darauf!

Nicht zuletzt der großartige Abschlussgottesdienst am Ostermontag in der voll besetzten Kirche Sankt Katharina machte klar, dass Ökumene in Bad Soden gewünscht und gelebt wird. Traditionell trugen einige Menschen das mit Blumen geschmückte Kreuz durch die Stadt zur Katholischen Kirche und stellten es im Altarraum auf. Pastor Martin Brusius ging in seiner Predigt den Gefühlen nach, die die Frauen und die Jünger am leeren Grab Jesu erfassten. Große Freude und gleichzeitig große Furcht – wieder ein Gegensatz, der nicht wegzudenken ist. Zwischen dem „Das gibt es!“ und dem „Das gibt es nicht!“, da geschieht das Wunder. Wir können noch so viel diskutieren darüber, ob die Auferstehung stattgefunden hat oder nicht, schlicht: Wir wissen es nicht! Und an diesem Punkt entsteht das Wunder des Glaubens, so der Prediger. JuVokal erfüllte den Gottesdienstraum mit frischem jugendlichen Chorklang neuer christlicher Lieder. Tobias Landsiedel fungierte zusätzlich zur Chorleitung auch als Organist an der klanggewaltigen Orgel. Feierlich zündeten die Vertreter der Evangelischen Kirchen in Bad Soden und Neuenhain, der Katholischen Kirche Bad Soden und der Evangelisch-methodistischen Kirche die neuen ökumenischen Osterkerzen an und stellten sie als Zeichen der Verbundenheit auf den Altartisch, bevor sie wieder für ein Jahr in den jeweiligen Kirchen ihren Platz finden. Noch lange standen die Menschen nach dem Gottesdienst bei Sekt oder Wasser in der Sonne und freuten sich an der Begegnung. Der nächste ökumenische Gottesdienst wird an Pfingstmontag vor der Konzertmuschel im Kurpark, anlässlich der Bad Sodener Weintage, stattfinden. Weitere Informationen und Einladungen in die Bad Sodener Kirchen sind auf den jeweiligen Homepages der Kirchen zu finden.

JuVokal im Chorraum – ein echtes Klangerlebnis Fotos: Schaller

Weitere Artikelbilder



X