Zwischen Feldberg und den eigenen Grenzen

Eingespieltes Organisationsteam: Imelda Schiller und Markus KotkowskiFoto: sis

Von Silke Schlünsen

Es ist früh am Morgen im Taunus. Die Luft ist klar, der Blick reicht weit – und doch liegt etwas in der Luft: Erwartung, Spannung, vielleicht auch dieser Moment, in dem man sich fragt: Schaffe ich das heute?

„Moin moin, was geht? Hello everybody – us again! Herzlich willkommen zum 6. Feldberg Walk!“ Mit diesen Worten eröffnen Markus und Melly den Tag – persönlich, nahbar und mit spürbarer Vorfreude. Rund 500 Tickets wurden im Vorfeld verkauft, 460 Teilnehmer stehen schließlich am Start. Zwei Strecken stehen zur Auswahl: 18,5 oder 30 Kilometer – 125 Teilnehmer entscheiden sich für die kürzere, 335 für die lange Distanz. Doch schnell wird klar: Es geht um mehr als nur Zahlen. „Es sind alle Gewinner – es geht nicht um die Zeit, sondern um Bewegung und den guten Zweck“, betont das Organisationsteam um Imelda Schiller und Markus Kotkowski.

Gut vorbereitet, mit den Informationen des Veranstalters und dem Blick auf die Streckenmarkierungen beginnt der Marsch. Schritt für Schritt führt der Weg hinein in die Natur des Taunus – und für viele auch an die eigenen Grenzen. 580 Höhenmeter warten: Anstiege, die Kraft kosten. Passagen, die sich ziehen. Und immer wieder Momente, in denen es nur noch darum geht, weiterzugehen.

Eigentlich sind 18,5 Kilometer vorgesehen – doch für einige Teilnehmer wird der Weg an diesem Tag etwas länger. Eine Erfahrung, die mehrere teilen. Bei teils kräftigem Wind und einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit kommen schnell ein paar zusätzliche Kilometer zusammen. Am Ende sind es genau diese kleinen Umwege, die den Marsch um eine besondere Erfahrung bereichern.

Laufen in Gemeinschaft

Auf dem Weg zum Feldberg laufen viele noch dicht beieinander. Gespräche entstehen ganz selbstverständlich. Es geht um Hunde, um Wanderungen im Taunus, um Alpenüberquerungen – und immer wieder um die Frage, warum man sich dieser Herausforderung stellt. Yvonne ist bereits zum zweiten Mal dabei und ihre Motivation ist: „Es macht einfach Spaß – und man tut gleichzeitig etwas Gutes“, sagt sie und lächelt. Für Manuel und Mario ist es ein besonderes Erlebnis: ein Geburtstagsgeschenk. „Mal etwas anderes“, sagen sie und lachen. Gewinnen wollen sie auch – zumindest mit einem Augenzwinkern. Die beiden betreiben zudem den Podcast „Mit Herz und Raute Mönchengladbach“ und sind als Fans von Borussia Mönchengladbach klar zu erkennen. Gut möglich also, dass auch der X-Trem Marsch schon bald Thema in einer ihrer nächsten Folgen sein wird. Maria und Anke laufen aus Freude – die Zeit spielt für sie keine Rolle.

Andere kennen solche Distanzen bereits: Siemens und Thorsten nehmen regelmäßig an ähnlichen Formaten teil – lieben diesen X-Trem Marsch aber, weil: „Der Feldberg ist einfach eine coole Location“, bringen sie es auf den Punkt. Auch Teilnehmer aus der Schweiz, den Niederlanden und aus Frankfurt und Umgebung sind dabei. Einige zum ersten Mal im Taunus unterwegs, andere bringen Erfahrung aus vergangenen Märschen mit. Ivan formuliert seine Motivation mit Humor: „Ich wurde gezwungen.“ Monia genießt die Gemeinschaft, Michael entdeckt sie gerade erst für sich. Adrian, einer der jüngsten Teilnehmer, ist mit seiner Mutter aus dem Kreis Gießen angereist – inspiriert von einer Wanderplattform.

Viele Teilnehmer sind mit ihren Hunden angereist – aufmerksam, gut geführt und längst fester Bestandteil der Gruppen. Rücksichtnahme ist selbstverständlich. Zwischen Läufern, Radfahrern und Hundebesitzern entsteht ein respektvolles Miteinander.

Mit jedem Kilometer wird es ruhiger. Auf dem Rückweg ziehen sich die Gruppen auseinander, streckenweise ist niemand mehr zu sehen. Und genau dann zeigt sich die Landschaft in ihrer ganzen Stärke: weite Ausblicke, Wasserläufe und Greifvögel am Himmel. Der Taunus wirkt – still und kraftvoll zugleich. Die Strecke führt durch abwechslungsreiche Landschaften – durch dichte, grüne Waldabschnitte, entlang kleiner Wasserläufe, aber auch durch Bereiche, in denen der Wald sichtbar gelichtet ist. Gerade diese Kontraste machen den Weg besonders und zeigen, wie sehr sich die Natur im Wandel befindet.

Ankommen zählt

Im Ziel wartet mehr als nur das Ende der Strecke. Urkunden und Medaillen werden überreicht, Geschenktüten mit Verpflegung, Pflegeprodukten und Informationen zu weiteren Märschen gefolgt von einem Foodtruck, weiteren Gesprächen unter den Teilnehmern und spürbare Erleichterung. Von der Anmeldung bis zum Zieleinlauf läuft alles reibungslos – ohne Hektik, ohne lange Wartezeiten, und auch sportlich gibt es beeindruckende Leistungen: Die zwei schnellsten Männer auf langer Distanz erreichen das Ziel bereits nach 2 Stunden und 30 Minuten, dicht gefolgt von Olivia H. mit 2 Stunden und 45 Minuten. Besonders bemerkenswert: Andreas, 81 Jahre, bewältigt seine Strecke in 2 Stunden und 21 Minuten – eine Leistung, die beeindruckt und inspiriert. Karina und Stephanie (18,5 Kilometer-Läuferinnen) erreichen zufällig gemeinsam mit Sebastian (30 Kilometer-Läufer) das Ziel. Für sie war es die Vorbereitung auf den in zwei Wochen stattfindenden Mammutmarsch im Ruhrgebiet mit 30 Kilometer sowie Abenteuer und Erlebnis zugleich. Ihr Motto: „Der Weg ist das Ziel“ – auch wenn dieser manchmal über kleine Umwege führt und daraus 22 Kilometer werden. Und genau das bleibt. Nicht die Zeit. Nicht die Kilometer. Sondern das Gefühl, unterwegs gewesen zu sein – mit sich selbst, mit anderen und für einen guten Zweck.

Mit Herz und Engagement

Hinter dem Event steckt weit mehr als nur ein Tag im Taunus, berichten die beiden Hauptverantwortlichen Imelda Schiller und Markus Kotkowski. Allein die direkte Vorbereitung umfasst mehrere Tage: Finisher-Tüten packen, Urkunden schreiben und die Organisation vor Ort an den unterschiedlichen Standorten. Dazu kommen Genehmigungen, Abstimmungen und Nachbereitung – insgesamt ein Aufwand von deutlich über einer Woche. Veranstaltet wird der X-Trem-Marsch vom Verein Wandern und Walken für den guten Zweck – gemeinsam mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die das Event mit großem Engagement unterstützen und ohne die es nicht umsetzbar wäre. Und dann folgt noch ein magischer Moment beim Start: Zum ersten Mal wird das eigene Event-Lied präsentiert – ein emotionaler Auftakt, bevor es auf die Strecke geht. Der X-Trem-Marsch wird unterstützt von zahlreichen engagierten Sponsoren und Förderern. Dazu zählen REWE, Diasporal, Krombacher, die Sparkasse, sebamed, Basica, mobi, ICE POWER sowie GEFRO.

Ausblick auf die nächsten Events

Am Samstag, 19. September, findet der nächste X-Trem-Marsch in Oberursel statt mit Distanzen von 10 km, 30 km und 50 km zur Auswahl. Alle Finisher erhalten eine Urkunde und Medaille. Wer sich als Gruppe anmeldet, hat die Chance auf einen Wanderpokal, und die drei größten Teams werden zusätzlich ausgezeichnet. Die Tickets sind bereits online verfügbar. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, sich selbst dieser Herausforderung zu stellen. Am 9. Januar 2027 folgt die Dreikönigstour (Manni-Kager-Gedächtnismarsch) – ein 50-Kilometer-Lauf rund um den Starnberger See, der zu Ehren eines verstorbenen Weggefährten weitergeführt wird. Ergänzt wird das Angebot durch virtuelle Events wie den Sommersonnenwendlauf, den Santa Run und den Resterun. Alles auf einen Blick bietet die Homepage von „Wandern und Walken für den guten Zweck Hochtaunus“ im Internet unter http://www.wuwhochtaunus.de

Kilometer, die ankommen

Dass der X-Trem-Marsch mehr ist als nur eine sportliche Herausforderung ist, zeigt sich am Ende ganz konkret. Als der Scheck über 9.950 Euro an den Verein MainLichtblick übergeben wird, ist die Freude spürbar. Geschäftsführerin Britta Orth ist selbst vor Ort – und weiß bereits, was diese Summe bewirken kann. Denn hinter der Zahl stehen Geschichten. Zum einen Murat, fünf Jahre alt, der nach einer schweren Krankheit ein eigenes Kinderzimmer braucht – einen Rückzugsort, einen Platz zum Ankommen. André, sieben Jahre alt, wünscht sich einen Fahrradanhänger, um gemeinsam mit seiner Mutter die Welt zu entdecken – trotz seiner Entwicklungsverzögerung. Emir, ebenfalls fünf Jahre, braucht eine spezielle Vibrationsplatte, um seine Muskulatur zu stärken und zur Ruhe zu kommen. Und dann ist da Elvira. Auch sie ist fünf Jahre alt und auf intensive Betreuung angewiesen. Ihre Mutter wünscht sich vor allem eines: ein Bett – um nachts nicht mehr auf einem schmalen Ausklappsitz schlafen zu müssen, während sie an der Seite ihrer Tochter wacht. Der einjährige Younis benötigt dringend die Fortführung einer speziellen Therapie, die ihm bereits geholfen hat. Und Nico, zehn Jahre alt, kämpft mit jeder Bewegung und arbeitet mit großer Kraft daran, durch gezielte Therapien mehr Selbstständigkeit zu gewinnen.

Ganz im Sinne des Mottos:Laufend Gutes tun

Wer von diesen Geschichten berührt ist, darf selbst gerne dazu beitragen, neue Lichtblicke zu schaffen und richtet seine Spende an den Verein über das Spendenkonto bei der Commerzbank, Frankfurt, IBAN: DE24 5004 0000 0565 6590 00, BIC: HELADEF1822. Der Verein MainLichtblick freut sich über jede Unterstützung, um weitere Wünsche erfüllen zu können.

Es sind genau diese Schicksale, die zeigen, was hinter einem solchen Event steckt. Jeder Kilometer zählt. Nicht nur für die, die ihn gehen – sondern für die, denen damit geholfen wird.

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