Friedrichsdorf (fw). Über sich selbst hinauswachsen, die eigene Geschichte teilen und seine Gedanken, Emotionen und Erfahrungen auf die Bühne bringen. Dafür stand der Schulwettbewerb Poetry Slam „wortgewand(t)“. Organisiert wurde er von der Philipp-Reis-Schule (PRS), der Humboldtschule und dem Kaiserin-Friedrich-Gymnasium aus Bad Homburg. Nachdem vor einigen Wochen über 400 Schüler der zwölften Klassen an der Eröffnungsshow teilgenommen hatten, folgte für einzelne Schüler im Anschluss ein sechsstündiger Workshop mit Lars Ruppel, dem mehrfachen deutschen Poetry Slam-Meister. Das Ergebnis des Projektes ließ sich an diesem Abend in der Aula der PRS sehen, als die zwölf besten Schüler im Wettstreit gegeneinander antraten.
Den Anfang machte die PRS-Schülerin Sophie Groß, die ein sehr emotionales und persönliches Gedicht vortrug. Es handelte von einer rosaroten Lilie, die letzte Blume, die sie ihrer Freundin schenken konnte. „Verfremdende Kälte verbreitet sich, wo du einst warst“, zitierte die junge Poetin sich selbst. Justus Weber-Liel fragte sich: „Warum sind wir so? Wieso können wir nicht einfach mal zusammen lachen, zusammen machen und uns unterstützen?“ Elisa Heyroth widmete ihren Text ihren Nachbarn. „Der Albtraum von Baum am Nachbarzaun“, betonte sie immer wieder. Die Schülerin berichtete davon, wie sie jeden Tag Parcours auf dem Bürgersteig laufe, um an diesem vorbeizukommen. Auch für ihren zweiten Text im Finale, der von Selbstliebe, Nächstenliebe und Feindesliebe inspiriert war, bekam sie kräftigen Applaus vom Publikum. „Pflege heißt Verantwortung“, ist sich Jesko von Pelchrzim sicher, „Ich gebe der Pflanze Wasser, da ich weiß, wie schnell etwas austrocknet, wenn man es nicht beachtet.“ Der Poetry Slam-Wettbewerb lud auch dazu ein, sehr emotionale Themen zu teilen. So traute sich Nika Packmohr, von ihrer Mobbingerfahrung zu erzählen. Ein Text, der das Publikum berührte und mit besonderem Applaus gewürdigt wurde. „Was kann denn schon ein Tropfen sein?“, fragte sich Leander Schulz, „Ein Tropfen auf dem heißen Stein oder ein Tropfen aus Tränen.“ Wie bedeutsam ist tatsächlich ein kleiner, stiller Tropfen? Aus einem Tropfen könne eine Pflanze sprießen. Ein Tropfen fließe in einen Bach und dieser in das weite Meer. „Das Meer kennt doch kein Ende mehr, wo kommen bloß die vielen Tropfen her“, reimte der Schüler.
Die präzise Betonung, das Spiel mit Lautstärke und Geschwindigkeit sowie bewusst gesetzte Pausen machten seinen Vortrag lebendig. Auch sein zweiter Text, der sich mit dem Motiv des Schattens befasste, fand große Begeisterung im Publikum. Er entstand auf Grundlage eines Ausflugs mit dem Deutsch-Leistungskurs ins Romantik-Museum. Es war ein Aufritt, der nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich und atmosphärisch voll überzeugte.
„Der Poetry Slam-Workshop mit Lars Ruppel kam bei den Schülern großartig an“, berichtete Mitorganisatorin Katharina Sondermann, „Ich hoffe, dass die Jugendlichen aus diesem Projekt mitnehmen, wie wertvoll es ist, sich ausdrücken zu können und welche Bedeutung die ‚Macht der Sprache‘ hat. Das Projekt war ein voller Erfolg, und wir hoffen, dass es im nächsten Jahr erneut stattfinden kann.“
Am Ende stand Nika Packmohr als Siegerin des Abends fest. Doch für viele im Publikum teilte sie sich diesen ersten Platz mit Leander Schulz.
Nach einem Workshop mit Profi-Slamer Lars Ruppel, treten die besten zwölf Schüler mit ihren selbstgeschriebenen Texten in der Aula der PRS auf. Sie präsentieren ihre Kunstwerke einem großen Publikum aus Schülern, Eltern und Interessierten.Foto: bin
Leander Schulz überzeugt mit einer präzisen Betonung, dem Spiel mit Lautstärke und Geschwindigkeit sowie bewusst gesetzten Pausen, was seinen Vortrag lebendig und besonders macht.Foto: bin
Sophie Groß trägt ein sehr emotionales und persönliches Gedicht vor. Für ihren Mut und ihren einzigartigen Text erntet sie großen Applaus vom Publikum.Foto: bin


