1.000 Bäume für den Schloßborner Wald

„Jugend von heute: Retter von morgen“. Als Waldretter haben sich die Jugendfeuerwehren aus dem gesamten Hochtaunuskreis in den vergangenen Wochen in Schloßborn betätigt. Foto: Schramm

Schloßborn (as) – Die Jugendfeuerwehr kann einiges bewegen. Im Schloßborner Nachbarwald haben sich Jugendfeuerwehren aus dem kompletten Hochtaunuskreis jetzt sogar als Aufforstungstrupps betätigt. An drei Terminen, der erste vor zwei Wochen sowie am vergangenen Freitag und Samstag, pflanzten insgesamt 300 Jugendliche in einer schönen Gemeinschaftsaktion unweit des Wanderparkplatzes auf unterschiedlichen Flächen, die durch abgestorbene Fichten sehr licht geworden waren, mit Unterstützung aus dem Forstamt Königstein klimaresistente Bäumchen nach.

Die Idee hatte Gemeindejugendfeuerwehrwart Thomas Garbe beim Europatag im Mai vergangenen Jahres ebenfalls in Schloßborn mit der Mainova ausgeheckt. Ob er denn nicht 1.000 Bäume pflanzen wolle mit den Jugendlichen, man werde die Bäume auch sponsern, so der Energiedienstleister. „Das können wir allein nicht managen, das geht nur als Kreisaktion“, erzählte Garbe am Samstag, als die Aktion mit dem letzten Termin und dem Besuch von Landesfeuerwehrwart Norbert Fischer aus Friedrichsdorf und Glashüttens Bürgermeister Thomas Ciesielski erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Und so entstand das Gemeinschaftswerk: Es hatte Abstimmungen mit den diversen Stadt- und Gemeindefeuerwehren im Kreis gegeben sowie im Glashüttener Rathaus. Revierförster Lukas Lemme hatte auch von Anfang an unterstützt. Und Kreisjugendfeuerwehrwart Maximilian Böttrich berichtete, dass nach einer Umfrage vor Weihnachten unter den Jugendfeuerwehren die Jugendlichen sofort Feuer und Flamme waren für die Aktion – trotz der Osterferien.

Und so war am Samstag der Waldparkplatz voll geparkt mit Feuerwehrfahrzeugen aus dem gesamten Kreisgebiet, selbst aus entfernteren Orten wie Wehrheim-Obernhain oder gar Weilrod-Hasselbach hatten sie den Weg in den Nachbarwald gefunden. „Es ist wichtig, gerade in unserem waldreichen Hochtaunuskreis den Wald zu pflegen und zu erhalten. Ihr könnt stolz sein, dass ihr bei der Jugendfeuerwehr seid“, lobte Norbert Fischer in seiner kurzen Ansprache die 133 Mitglieder, die sich für den dritten Termin gemeldet hatten.

Man weiß, es gibt viele Pflanzaktionen durch Schulen, Umweltverbände und private Initiativen. „Aber für uns als Feuerwehr ist das seit langem ein Novum“, sagte Fischer. Und dann ging es hinein in den Wald, ausgerüstet mit Spaten des Forstamts Königstein. Das hatte mit seinen Mitarbeitern auch die Flächen, die von Brombeeren und Himbeeren überwuchert waren, freigeschnitten. Die drei Baumarten, die bei der Aktion in den Waldboden gesetzt wurden, waren Bergahorn, Küstentannen und Wildkirschen, die auch eine hervorragende Futterquelle für Vögel sind. Ziel sei, so Lukas Lemme, immer mindestens fünf Baumarten auf einer Fläche zu mischen, in der die Fichten „ausgefallen“ und auf denen auch noch Buchen und Eichen zu finden sind.

Spannend sind die Küstentannen, denn sie stammen nicht etwa von der heimischen Nord- oder Ostsee, sondern von der amerikanischen Pazifikküste, wie Lukas Lemme erklärte. Die ebenfalls als klimaresistente Art in Frage kommende Weißtanne sei im Vergleich sehr viel anfälliger für das Rotwild, das sich in den jungen Baumgruppen gerne aufhält. Die Küstentannen wurden als fünfjährige Bäumchen im Container geliefert, die mit dem kompletten Ballen in den Boden gesetzt wurden.

Die beiden anderen Baumarten, mit denen es auch der letzte Pflanztrupp am Samstag zu tun hatte, kamen als ein- bis zweijährige Bäumchen mit einer Höhe von nicht mal einem Meter im Bündel, wobei die Wurzeln bis zum letzten Moment feucht gehalten wurden. Sie erhielten, anders als die Bäume im Container, keine Schutzhülle, waren aber mit einem Verbissschutzmittel auf Schaffettbasis eingesprüht worden. Um sie nach einem Jahr wiederfinden zu können, um zu sehen, ob sie angewachsen sind, hatte Lemme mit seinen Kollegen mit roter Farbe Punkte in einer Reihe markiert, an die sich die Jugendlichen beim Ausstechen der Pflanzlöcher halten mussten. Natürlich würden längst nicht alle angehen, selbst wenn man die umstehenden Buchen im unteren Bereich „abasten“ werde, um den kleinen Bäumchen möglichst viel Licht zu geben. Aber jene, die anwachsen, könnten in gut einem halben Jahrhundert eine Höhe von 27 bis 29 Metern erreichen, erklärte Lemme.

Ja, es braucht in der Tat viel Mühe und Zeit, einen neuen Wald aufzubauen. Und das Engagement von Menschen, die mithelfen, so wie die Jugendfeuerwehr. Heute pflanzt man für die nächste, eher sogar für die übernächste Generation. Und so haben die Jugendlichen, die bei der Pflanzaktion dabei waren, ein Leben lang die Möglichkeit, ihrem Werk im Nachbarwald einen Besuch abzustatten, bis die Bäume in etwa 60 Jahren ihr „Kulminationswachstum“ erreicht haben und als stattliche Baumgestalten das neue Gesicht der Taunuswälder prägen.

 



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