Händedruck statt Abstand: CDU und SPD besiegeln Koalition über den Dächern Kelkheims

Carsten Schrage, Fraktionsvorsitzender der CDU, Parteivorsitzender und Erster Stadtrat Dirk Hofmann, Dr. Michael Hellenschmidt, Partei- und Fraktionsvorsitzender der SPD und sein Stellvertreter Kalle Debus (v.li.) unterzeichneten den Koalitionsvertrag über den Dächern Kelkheims. Sabine Heffter (CDU) und Julia Ostrowicki (SPD) begleiteten die Koalitionsverhandlungen.Foto: Judith Ulbricht

Kelkheim (ju) – Es war ein Moment mit Symbolkraft: Kurz vor der konstituierenden Sitzung der neuen Stadtverordnetenversammlung haben CDU und SPD am vergangenen Montag ihren Koalitionsvertrag für die Jahre 2026 bis 2031 unterzeichnet – und das an einem besonderen Ort. Auf der Dachterrasse des Rathauses, bei guter Stimmung, Applaus, frischem Wind und sichtbarer Zuversicht.

Ein deutlicher Kontrast zu vor fünf Jahren: Damals wurde der Vertrag an gleicher Stelle unter strengen Coronaregeln besiegelt (damals noch mit der FDP als weiterem Koalitionspartner) – mit Abstand und ohne Händeschütteln. Diesmal hingegen standen Nähe, Handschlag und Aufbruchsstimmung im Mittelpunkt.

Mit ihrer Vereinbarung sichern sich CDU und SPD eine stabile Mehrheit im Stadtparlament. Ihr gemeinsames Ziel: Kelkheim „weiter voranzubringen und das Leben der Bürgerinnen und Bürger konkret zu verbessern“, wie CDU-Fraktionsvertreter Dirk Hofmann betonte. Leitmotiv des Vertrags ist ein pragmatischer Ansatz: Bewahren, was gut ist – und verändern, was besser werden muss.

Breites Themenspektrum im Fokus

Im Zentrum der Koalition stehen alltagsnahe Themen: Wohnraum für Familien, Sicherheit und Sauberkeit, eine funktionierende Verwaltung, starke Vereine, wirtschaftliche Entwicklung sowie solide Finanzen. Gleichzeitig sollen der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt und Kelkheim als lebenswerte Stadt weiterentwickelt werden.

Wohnen und Stadtentwicklung: Wachstum mit Steuerung

Ein zentrales Zukunftsprojekt ist „Hornau-West“. Dort soll ein neues Stadtquartier entstehen, das Wohnen, Infrastruktur und Verkehr neu ordnet. Geplant ist ein Mix aus Einfamilienhäusern, Reihenhäusern, Geschosswohnungsbau sowie bezahlbaren Wohnungen und Angeboten für ältere Menschen. Ziel ist eine soziale Durchmischung, die unterschiedlichen Lebenslagen gerecht wird und gleichzeitig Familien in Kelkheim hält.

Ergänzt wird das Projekt durch eine neue Verkehrsanbindung über die Gagernspange, die die Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlasten und Schulwege sicherer machen soll. In diesem Zusammenhang ist auch ein modernes Feuerwehr- und Katastrophenschutzzentrum vorgesehen, das die bisherigen Strukturen langfristig ersetzen soll.

Für CDU und SPD ist „Hornau-West“ damit kein klassisches Baugebiet, sondern ein städtebauliches Gesamtprojekt. Gleichzeitig betonen beide Parteien die Finanzierung über Fördermittel sowie den geplanten Beitrag aus Grundstückserlösen der bisherigen Standorte. Ein möglicher Bürgerentscheid wird erwartet – dem man laut Koalition „zuversichtlich“ entgegensehe.

„Bauturbo“ für schnelleren Wohnungsbau

Um den steigenden Wohnraumbedarf zu decken, setzt die Koalition auf einen sogenannten „Bauturbo“. Planungs- und Genehmigungsverfahren sollen deutlich beschleunigt werden, ohne rechtliche Standards zu umgehen.

Ziel ist es, Verfahren effizienter zu gestalten, Doppelprüfungen zu vermeiden und enger mit Kreis, Land und Regionalverband zusammenzuarbeiten. Regelmäßige Berichte an die Stadtverordnetenversammlung sollen Fortschritte transparent machen.

Gleichzeitig gilt: Neue Wohngebiete sollen behutsam entwickelt werden. Ein Anteil von rund 30 Prozent bezahlbarem Wohnraum bei größeren Projekten bleibt verbindlicher Maßstab. Stadtentwicklung soll gezielt gesteuert werden, um soziale Balance zu sichern und Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Sicherheit im öffentlichen Raum. CDU und SPD wollen die Präsenz der Ordnungspolizei erhöhen, mehr sichtbare Streifengänge etablieren und damit das subjektive Sicherheitsgefühl stärken.

Auch das Stadtbild steht im Fokus: Sauberkeit, gepflegte öffentliche Flächen und eine bessere Reaktion auf Mängel sollen konsequenter verfolgt werden. Der bestehende Mängelmelder soll ausgebaut und stärker genutzt werden. Zusätzlich sollen Beleuchtungskonzepte für problematische Bereiche weiterentwickelt werden.

Für beide Parteien ist klar: Sicherheit und Ordnung sind zentrale Bestandteile der Lebensqualität in Kelkheim.

Sportstadt Kelkheim und starke Vereine

Sport und Ehrenamt sollen deutlich gestärkt werden. Die Koalition bekennt sich zur Idee einer „Sportstadt Kelkheim“. Grundlage ist das vielfältige Vereinsleben, das als gesellschaftlicher Kitt verstanden wird.

Geplant ist eine systematische Bestandsaufnahme der Sportinfrastruktur: Hallen, Plätze und Funktionsräume sollen überprüft und weiterentwickelt werden. Langfristig bleibt ein neues Sportzentrum ein zentrales Ziel – mit Priorität für den Standort am Engelkreisel.

Auch die Vereinsförderung soll modernisiert werden. Bürokratieabbau, digitale Unterstützung und bessere Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche stehen im Mittelpunkt.

Verkehr: Ausgewogen statt ideologisch

Die Koalition setzt auf eine ausgewogene Verkehrspolitik ohne einseitige Ausrichtung gegen das Auto. Die Gagernspange bleibt Schlüsselprojekt zur Entlastung der Innenstadt.

Parallel sollen Bus- und Bahnangebote ausgebaut werden – insbesondere durch dichtere Takte Richtung Frankfurt und die Weiterentwicklung des On-Demand-Systems „Colibri“. Auch Rad- und Fußwege sollen verbessert werden, insbesondere bei Schulwegen und innerörtlichen Verbindungen. Ziel ist ein funktionierendes Gesamtsystem für alle Verkehrsarten.

Familien, Jugend und Senioren

Kelkheim soll familienfreundlich bleiben. Der Ausbau von Betreuungsplätzen wird fortgeführt, ebenso die Sicherung vielfältiger Trägerstrukturen in der Kinderbetreuung.

Für Kinder und Jugendliche stehen bessere Spiel- und Freizeitangebote im Fokus, ebenso eine gestärkte offene Jugendarbeit. Aufenthaltsqualität, Sicherheit und Sauberkeit auf Spiel- und Bolzplätzen sollen verbessert werden.

Auch ältere Menschen sollen stärker berücksichtigt werden – durch Beratungsangebote und geeignete Treffpunkte. Stadtbücherei und Schwimmbad bleiben ausdrücklich erhalten.

Wirtschaft, Nahversorgung und Klima

Die Koalition setzt auf ein wirtschaftsfreundliches Umfeld. Genehmigungen sollen schneller, Verfahren einfacher und Verwaltung stärker als Partner der Unternehmen verstanden werden. Auch lokale Betriebe sollen bei Ausschreibungen besser erreicht werden.

Die Weiterentwicklung von Gewerbeflächen – etwa im Bereich Münster-Süd – bleibt Teil der Strategie.

Bei der Nahversorgung wird das Ziel verfolgt, Einkaufsmöglichkeiten möglichst wohnortnah zu sichern, etwa durch Supermärkte in Stadtteilen wie Münster oder kleinere Lösungen in Ruppertshain und Eppenhain.

Im Bereich Klima und Umwelt setzt die Koalition auf pragmatische Maßnahmen: Hochwasser- und Starkregenschutz, Wasserversorgung und Renaturierungen stehen im Vordergrund. Klimaschutz ja – aber mit Augenmaß und ohne Symbolpolitik.

Verwaltung, Finanzen und Digitalisierung

Die Verwaltung soll schlanker, effizienter und digitaler werden. Vor der Ausschreibung von neuen Stellen soll geprüft werden, ob Aufgaben durch bessere Organisation oder Digitalisierung erledigt werden können.

Digitalisierung wird als Service für die Bürger verstanden – nicht als Selbstzweck. Gleichzeitig betonen CDU und SPD eine strikte Haushaltsdisziplin. Steuererhöhungen sollen vermieden, Ausgaben konsequent priorisiert werden.

Schulden sollen nur für langfristige Investitionen oder innovative Projekte aufgenommen werden. Auch städtische Beteiligungen sollen regelmäßig auf Effizienz geprüft werden.

Zusammenarbeit und Personal

Die Koalition setzt auf ein eng abgestimmtes und vertrauensvolles Miteinander. Streitpunkte sollen möglichst intern geklärt werden, nach außen soll die Koalition geschlossen auftreten.

Personell unterstützen CDU und SPD unter anderem den Ersten Stadtrat Dirk Hofmann sowie die erneute Wahl von Julia Ostrowicki zur Stadtverordnetenvorsteherin (siehe Artikel Seite x). Zudem wird angestrebt, im Jahr 2027 den Bürgermeister zu stellen.

Mit der Unterzeichnung auf der Rathaus-Dachterrasse haben CDU und SPD ihre Zusammenarbeit offiziell besiegelt. Inhaltlich setzen beide Parteien auf eine breite Agenda mit klaren Schwerpunkten für die kommenden fünf Jahre. Die Umsetzung der vereinbarten Projekte wird nun in den politischen Gremien und in der Verwaltung konkretisiert.



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