75 Jahre Einsatz für 4 Wände – Raumausstattung Mohr hat Jubiläum

Freuen sich über 75 JahreFoto: Frank Weiner

Münster (fw) – „Wir sind eines der ältesten Münsterer Geschäfte, die noch existieren.“ Das sagt Dieter Mohr nicht ohne Stolz. Läden und Unternehmen sind gekommen, aber auch wieder gegangen. An der Frankfurter Straße im Stadtteil gibt es nicht mehr viele Firmen als Anlaufstelle. Die Raumausstattung Mohr hält dieses Fähnlein hoch. Und zwar schon seit genau 75 Jahren. Dieses Jubiläum feiern sie jetzt. Am 1. November gab es ein kleines Fest mit Essen und Trinken, danach folgen jetzt zwei Wochen der offenen Tür auch mit Angeboten.

Fest und Wochen der offenen Tür

Es laufe gut im Unternehmen, sagt Andreas Mohr, der das Geschäft von Vater Dieter und Mutter Ingrid 2007 übernommen hat. „Mehr kann immer sein.“ Doch sie trotzen der Konkurrenz durch eine gewisse Vielfalt, den Service und die Qualität. Sie bieten eigentlich alles, was es zu wohnlichen vier Wänden braucht: Gardinen, Raffrollos, Plissees, Bodenbeläge, vieles rund ums Bett sowie auch Sonnenschutz. Malerarbeiten machen sie auch, sagt Mohr, während seine beiden Mitarbeiter Said Chikar und Sohn Yassin zustimmend nicken. Gerade sind sie aus Liederbach gekommen, wo sie einen Boden ausgleichen und dann neu verlegen. Said ist schon 20 Jahre in der Firma und schätzt die „familiäre Atmosphäre“, Yassin gefalle die Arbeit „im Teamwork“.

Das ist hier wahrlich Familiensache. Josef Mohr, Großvater des heutigen Chefs, hat die Firma vor 75 Jahren als Polsterei gegründet. Sie waren damals noch in dem markanten Einzelhaus am Gebiet „Schlämmer“, das aus Bruchsteinen nach dem Krieg aufgebaut worden war, erzählt Dieter Mohr. Der Vater habe nach der Gefangenschaft im Krieg erst bei Möbel Rodeck in Kelkheim, dann selbstständig vor allem für die Amerikaner gearbeitet. 1954 zog er an die Frankfurter Straße, dem heutigen Sitz. Zuerst kamen die Gardinen hinzu, später wurde der Betrieb immer mehr zur kompletten Raumausstattung.

Das lag auch an einer interessanten Konstellation. Dieter Mohr ging mit seinem Bruder Alfred in die Lehre, sie machten auch zusammen ihren Meister. Der Bruder habe sich auf das Polstern konzentriert und eine eigene Firma gegründet, berichtet Mohr. Als sein Vater mit 59 Jahren einen Schlaganfall hatte, musste er seine Mutter Barbara unterstützen und das Geschäft „von heute auf morgen“ übernehmen. Wie gut, dass er seine Frau Ingrid hatte, die im Textil-Einzelhandel beschäftigt war, sich für die Firma im Gardinen-Verkauf weiterbildete und beim Schneiden der Stoffe sogar von der linken auf die rechte Hand „umgeschult“ wurde, wie sie schmunzelnd erzählt. Fotos zeigen noch den ersten Stock, heute Wohnraum, der mit Gardinen und Bett-Utensilien gefüllt war. Der Vertreter der bekannten Firma Ado ging hier fast ein und aus.

„Die Zeiten haben sich komplett geändert“, sagt Andreas Mohr mit Blick auf solche Auslagen früher. Damals hätten ihnen die Hersteller die Waren zur Ausstellung gratis überlassen, heute müsse er jedes Gardinen-Muster kaufen. Bei den Bodenbelägen sei inzwischen weniger der Teppich gefragt, dafür mehr Designböden, etwa in Echtholz-Optik. Gerne erinnert sich der Chef an das Fitness-Studio in Bad Homburg, wo sie allein rund 1500 Quadratmeter Boden verlegt haben. Zudem statten sie eine regional bekannte Bank in deren Räumen aus. In einem Umkreis von rund 100 Kilometern sind sie unterwegs. Der 58-Jährige, dessen Lebensgefährtin Britta in besonderen Fällen auch im Geschäft hilft, würde sich wünschen, dass heimische Unternehmen mehr bei Aufträgen, auch öffentlicher Art, zum Zug kommen.

Der Opa fing mit einer Polsterei an

Sein Vater erinnert sich noch, wie sie die Gardinen fürs Schlosshotel am Rettershof geliefert und montiert haben. Das Geschäft sei immer gut gelaufen, die Arbeit des kleinen Betriebs mit zeitweise bis zu vier Angestellten geschätzt worden, weiß Dieter Mohr. Seine Frau erinnert sich gerne an die Kelkheimer Möbelausstellungen, wo das damalige Betten- und Gardinenhaus Mohr einen schicken Stand hatte. Zeitweise hatten sie auch Betten im Sortiment, haben im ersten Stock selbst noch gepolstert. „Ich konnte aber nie viel in der Werkstatt sein“, sagt Dieter Mohr, der umtriebig schon wieder nach neuen Kunden Ausschau hielt oder das Aufmaß machte. Der Stellenwert fürs Wohnen und Einrichten habe immer mehr zugenommen. Genau hier ist der Junior ist seine Fußstapfen getreten. Und sie hoffen, dass eines der Münsterer Traditionsgeschäfte diese Geschichte noch viele Jahre weiterschreiben kann.



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