Kelkheim (ju) – Kultur muss nicht stillstehen. In Kelkheim bewegt sie sich – durch Straßen, durch Gebäude, durch Geschichte. Mit dem Kulturformat „Lesen, Laufen, Kelkheim“ startet die Stadt in das erste Halbjahr 2026 und zeigt einmal mehr, wie lebendig und nah Kultur sein kann, wenn sie vor Ort erzählt wird.
Was das Programm ausmacht, ist seine Mischung aus Lesungen, Führungen, Vorträgen und Spaziergängen. Kultur wird nicht nur gehört oder gelesen, sondern erlaufen, erlebt und gemeinsam entdeckt. Ob in der Stadtbibliothek, im Alten Rathaus, im Museum oder draußen auf den Wegen rund um Kelkheim – die Veranstaltungen holen Geschichte und Geschichten dorthin, wo sie passiert sind.
Lesungen mit regionalen Autoren
Ein Schwerpunkt liegt auf Lesungen mit Autorinnen und Autoren, die persönliche, literarische und historische Themen aufgreifen. Hanna Dunkel liest aus ihrem gleichnamigen Roman, Judith Jakob widmet sich dem Werk Mascha Kalékos in einer musikalisch begleiteten Lesung, Jutta Hajek verbindet Literatur mit gesellschaftlichen Fragen. Auch für junge Zuhörerinnen und Zuhörer ist gesorgt: Kinderbuchautorin Birgit Gröger zeigt, wie stark Geschichten sein können, wenn sie mit Herz und Humor erzählt werden.
Durch Wald und Flur und alle Epochen
Genauso prägend ist das „Laufen“ im Titel. Historische Spaziergänge führen zu Orten wie dem Gimbacher Hof, dem Rettershof oder in die Gassen von Hornau, wo bei der Führung „Die Ritter von Hornau“ mittelalterliche Geschichte lebendig wird. Führungen durch das Alte Rathaus Münster oder thematische Rundgänge durch die Innenstadt eröffnen neue Perspektiven auf vertraute Orte.
Vorträge mit historischem Hintergrund
Besonders eindrucksvoll sind die Vorträge, die bewusst ungewöhnliche Themen aufgreifen und sicherlich ein breites Publikum anziehen. Einer davon trägt den Titel „Menschliches Bedürfnis und tägliches Geschäft“ – und beschäftigt sich mit der Kulturgeschichte der Toilette. Der Archäologe Sascha Piffko zeigt dabei mit viel Sachkenntnis und feinem Humor, dass selbst die stillen Örtchen viel über eine Gesellschaft verraten. Von der Antike bis zur Moderne geht es um Hygiene, Scham, Stadtentwicklung und soziale Unterschiede. Der Vortrag macht deutlich: Auch das Alltägliche erzählt große Geschichte – wenn man genau hinschaut.
Ganz andere, ernste Töne schlägt der Vortrag „Als die Wölfe über die Burg Gottes kamen“ an. Stadtarchivar Julian Wirth beleuchtet die Geschichte des Klosters Kelkheim während der Zeit des Nationalsozialismus. Anhand konkreter Ereignisse und Schicksale zeigt er, wie eng das Kloster mit den Machtstrukturen der Gestapo verknüpft war und wie Gewalt und Repression selbst vor religiösen Mauern nicht Halt machten. Der Vortrag ist unbequem, aber wichtig – und steht exemplarisch für den Anspruch des Formats, sich auch schwierigen Kapiteln der Stadtgeschichte zu stellen.
Möglich wird dieses vielfältige Programm durch die enge Zusammenarbeit von Kulturreferat, Stadtarchiv und Museum Kelkheim. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Veranstaltungen fundiert recherchiert, verständlich vermittelt und offen für ein breites Publikum sind.
„,Lesen, Laufen, Kelkheim’ richtet sich an alle Generationen – an Neugierige, Spaziergänger, Geschichtsinteressierte, Literaturfans und Familien. Es ist ein Angebot, das Wissen mit Bewegung verbindet und Begegnungen schafft“, heben Kulturreferent Christof Wolf und Miriam Frings bei der Vorstellung des Programms hervor.
Alle Termine und Veranstaltungen für das erste Halbjahr 2026 sind in der aktuellen Broschüre, die der Kelkheimer Zeitung beiliegt, sowie im Veranstaltungskalender der Stadt Kelkheim zu finden – im Rathaus, in der Stadtbibliothek und online unter www.kelkheim.de
Auftakt
Den Start ins Jahr 2026 legt am Samstag, 14. Februar, Schauspielerin Katharina Schaaf hin. Ab 18.30 Uhr führt sie als Münsterer Nachtwächterin durch die dunklen Gassen des kleinen Stadtteils – mit viel Hintergrundwissen und der ein oder anderen schaurigen Geschichte. Treffpunkt ist am Alten Rathaus und da der Nachtwächter nicht umsonst arbeitete, möge jeder 10 Euro entrichten.
