Staub, Adrenalin und Teamgeist – Kelkheim baut mit internationaler Hilfe seine Dirtbike-Arena

Noch kann hier nicht gebikt werden, aber eine Gartenbaufirma hat schon einige Vorarbeiten geleistet, sodass das Workcamp am Montag starten kann. Unterstützung in Form von Schaufeln und Schubkarren kommt vom Städtischen Bauhof.Foto: Judith Ulbricht

Kelkheim (ju) – Die Sonne brennt auf den Schotter, Staub wirbelt auf, als die ersten Reifen über den Parcours knirschen. Ein dumpfes „Wumm“ beim Absprung, das Summen der Ketten, das kurze Schweben in der Luft – fast, als hätte die Zeit für einen Augenblick angehalten. Dann das Aufsetzen, ein Ruck, ein kurzes Durchsacken und weiter. So fühlt sich Freiheit an. So klingt der Sommer in Kelkheim.

Und genau hier, auf diesem Parcours, wird in diesem Sommer etwas Neues entstehen. Vom 28. Juli bis zum 8. August bekommt Kelkheim Besuch von zwölf jungen Erwachsenen aus sieben Ländern – darunter China, Mexiko, die Türkei und Italien. Gemeinsam mit der Kelkheimer Jugend werden sie die BMX-Anlage, den ehemaligen Zick-Zack-Ananas-Park, neu gestalten und dabei nicht nur die Strecke selbst, sondern auch die gesamte Fläche drumherum mit frischen Ideen beleben.Es ist ein besonderes Aufeinandertreffen – junge Menschen, vereint durch die Lust am Anpacken und Gestalten.

Workcamp – mehr als ein Bauprojekt

Was wie ein Abenteuer auf zwei Rädern klingt, ist in Wirklichkeit ein Projekt mit Tiefgang. „Ein internationales Workcamp bringt junge Menschen aus aller Welt zusammen, die gemeinsam mit der lokalen Jugend ein gemeinnütziges Ziel verfolgen“, erklärt Nikolaus Ell von ICJA e.V.. Der Verein mit Sitz in Frankfurt ist eine gemeinnützige Organisation, die seit 1949 internationale Freiwilligendienste und Workcamps organisiert. Ihr Ziel ist es, interkulturellen Austausch, Solidarität und globales Lernen zu fördern. ICJA ist Teil eines weltweiten Netzwerks von Partnerorganisationen (ALLIANCE & CCIVS) und bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich in sozialen, ökologischen oder kulturellen Projekten im In- und Ausland zu engagieren. Hier wird nicht nur Erde bewegt und Holz verschraubt, hier werden Sprachen ausprobiert, Kulturen geteilt, neue Perspektiven entdeckt – und Freundschaften geschlossen, die oft weit über den Sommer hinaus halten. Denn grundlegendes Ziel ist die Völkerverständigung. „Ursprünglich ist der Verein aus der Friedensbewegung hervorgegangen und blickt inzwischen auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Es geht um praktische Friedensarbeit und gesellschaftspolitisches Engagement“, erinnert Ell an das, was den Verein und die Jugendarbeit ausmacht.

Für die 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer heißt das ab dem nächsten Montag, dass sie unter fachmännischer Anleitung einem Projekt Leben einhauchen, das schon seit längerer Zeit im Dornröschenschlaf liegt. „Wir mussten den Parcours dicht machen, weil der TÜV ihn nicht mehr abgenommen hat. Durch die starke Auslastung gab der Naturboden nach und gab Steine und große Unebenheiten Preis, sodass die Sicherheit nicht mehr gegeben war“, erklärt Bürgermeister Albrecht Kündiger die Stilllegung.

Das wird jetzt anders. Auch mit der professionellen Hilfe des Bikefans Julian Bauer, Mitglied im Verein „Wheels over Frankfurt e.V.“, der schon am „Flowtrail“ mitfeilte. Die beiden Brüder Niklas und Jannik Hartmann, „Hauptkonstrukteure“ des „Flowtrails“ hatten ihn für diese verantwortungsvolle Aufgabe vorgeschlagen. Die Vorfreude ist große bei dem Hattersheimer, der gerade sein Abitur in der Tasche hat. „Es geht darum, ein neues Konzept zu entwerfen, was auch umsetzbar ist. Der Parcours soll für BMXs und Mountainbiker nutzbar sein. Es wir einen Starthügel geben, mit einem Sprung von 1,50 Meter Höhe, eine große Kurve und einen Pumptrack mit mehreren Wellen“, verspricht Bauer.

Kelkheimer Jugend – hier ist eure Chance!

Damit der internationale Austausch funktionieren kann, lädt die Mobile Jugendarbeit Kelkheim/Liederbach alle Kelkheimer Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren ein, Teil dieses Projekts zu werden. Ob Profi-Biker, Neugestalter oder einfach nur neugierig – jeder kann mitmachen! „Eine Anmeldung ist nicht nötig. Montag bis Freitag ab 10 Uhr geht’s los, maximal sechs Stunden pro Tag, und wer später dazu stößt, springt einfach mitten rein“, bewirbt Jessica Bartsch von der Jugendarbeit das ambitionierte Projekt. „Alles was zählt ist Teamgeist und Lust, etwas Einzigartiges zu schaffen.“

Action, Austausch, Abenteuer

Aber keine Sorge: Es geht nicht nur um Arbeit. Das Workcamp bringt auch jede Menge Action abseits der Strecke. Geplant sind Bogenschießen mit anschließendem Grillabend am Jugendtreff Ruppertshain/Schönwiesenhalle, ein gemeinsamer Abend im Kelkheimer Freibad, der Besuch der Paulskirche in Frankfurt und viele weitere Überraschungen. Der krönende Abschluss wird dann am Freitag, 8. August, die große Abschiedsfeier im Jugendtreff sein – mit lokalem Raper, Break Dance und viel lokaler Unterstützung.

Das Beste daran? Die meisten Aktionen sind für alle Mitmachenden kostenlos. Und vor allem gibt es die Chance, sich mit jungen Menschen aus aller Welt zu vernetzen, Sprachen zu üben und Einblicke in völlig andere Kulturen zu gewinnen. „Deswegen setzen wir auch auf die Kelkheimer Jugendlichen und wir sind dankbar für die viele, viele Unterstützung von Jugendfeuerwehr, lokalen Lebensmittlern und Vereinen, die aus diesem Workcamp ein Erlebnis machen“, so Bartsch.

Warum mitmachen?

Weil es mehr ist als ein Sommerprojekt. Es ist ein Erlebnis, das die eigene Stadt verändert und einen selbst gleich mit. Man gestaltet, lacht, schwitzt und tauscht Geschichten aus – und am Ende hält man eine Teilnahmebescheinigung in den Händen, die sich perfekt für Bewerbungen eignet.

Kontakt & Infos

Für alle Fragen steht die Mobile Jugendarbeit Kelkheim/Liederbach bereit: Tel.: 06195 675666, E-Mail: kelkheim.liederbach-mob[at]jj-ev[dot]de

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