Sternsinger im Kelkheimer Rathaus:Vom Taunus nach Berlin und wieder zurück

„Gloria in excelsis Deo“: Die Sternsinger gaben einen Klassiker von Johann Sebastian Bach zum Besten, die Mitarbeiter im Rathaus lauschten andächtig – und verteilten anschließend Süßes. Fotos: Baumgartl

Kelkheim (iba) – Erst kürzlich waren vier von ihnen in Berlin im Bundeskanzleramt und wurden dort von Kanzleramts-Chef Thorsten Frei empfangen, als sie das Bistum Limburg offiziell vertraten (die Kelkheimer Zeitung berichtete).

Kaum waren sie wieder zurück in der Heimat, schon stand der nächste Besuch beim nächsten Amtsträger an: Bürgermeister Albrecht Kündiger empfing die Sternsingerinnen und Sternsinger der Pfarrei St. Franziskus (einschließlich der vier Berlin-Rückkehrer) im Rathaus. Dort wollten und sollten sie vorsprechen, beziehungsweise vorsingen, Spenden für Kinderhilfsprojekte auf der ganzen Welt sammeln, ihre Gesangsprämie in Form von handlichen Süßwarenriegeln entgegennehmen und – natürlich! – den Haussegen anbringen.

Spenden und Segen für Kinderauf der ganzen Welt

Goldene Kronen, farbenfrohe Umhänge, und ein Haussegen auf dem neuesten Stand im Gepäck, mit ihrem Besuch sorgten die Sternsinger am Freitag, 9. Januar für einen besonderen Moment im Rathaus. Als „Heilige Drei Könige“ – bei genauerer Betrachtung waren es allerdings weit mehr als drei – standen sie im Foyer, sangen traditionelle Lieder und machten Werbung für Ihre Sache; respektive für die Kinder, denen selbst keine Stimme gegeben wird. Viele Mitarbeiter der Gemeinde hatten extra ihre Arbeit kurzzeitig unterbrochen, um dem kleinen Konzert im Foyer beizuwohnen.

„Wir haben auch fleißig gesammelt, meine Kollegen hier im Rathaus wollen auch so viel wie möglich zu Eurer Initiative beitragen.“ Bürgermeister Kündiger hatte das Geld schon griffbereit, die mitgebrachte Spendendose sollte schließlich so voll wie möglich werden.

„Ich gebe zu, dass Münzgeld schön klimpert, das wäre wahrscheinlich akustisch eindrucksvoller – aber ich hoffe, mit den Scheinen seid Ihr mindestens genauso zufrieden.“ Pfarrer Waldeck und Ursula Müller waren in der Tat zufrieden, sie und ihre Fischbacher Nachwuchssängerinnen und -sänger sammelten nicht nur im Rathaus für den guten Zweck, der dieses Jahr unter dem Motto „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ steht.

Es geht darum, Kindern in aller Welt den Zugang zu Bildung zu erleichtern, die Ausbeutung durch Kinderarbeit so gering wie möglich zu halten und den Kindern in den betroffenen Ländern Perspektiven aufzuzeigen; besonderer Fokus liegt dieses Jahr auf Bangladesch, wo die Arbeitsbedingungen für Kinder besonders gefährlich und der Zugang zu Bildung besonders schwierig sind.

Der finanziellen folgte die kulinarische Spende, alle durften in den Präsentkorb mit den Süßigkeiten greifen, ein paar ganz dreiste Stimmvirtuosen griffen sogar ein zweites Mal zu.

(Rat-)Haussegen

Der Besuch im Rathaus war nur einer von mehreren Terminen, die an dem Tag auf der Sternsinger-Agenda standen, ohne künstliche Hektik, aber doch bestimmt und dem straffen Zeitplan folgend blieb nicht viel Zeit zum Plaudern und Naschen. „Also, auf geht‘s, wir müssen gleich weiter, jetzt bringen wir draußen den Haussegen an!“ Pfarrer Klaus Waldeck hatte immer ein Auge auf den Zeitplan, auch andere Kelkheimer freuten sich auf den Besuch der Sternsinger, zumal sich aufgrund des eisigen und mitunter verschneiten Wetters das Fortkommen ohnehin etwas schwierig gestaltete.

Draußen an der Eingangstür zum Rathaus wurde also der Segen aus dem Vorjahr gegen den aktualisierten ausgetauscht. „Christus mansionem benedicat“, „Christus segne dieses Haus“, so wird die als „C+M+B“ abgekürzte Segnungsgbitte gemeinhin gedeutet; es sind allerdings auch die Initialen der Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar.

Bundesweit 300.000 Sternsinger

Mehr als eine Viertelmillion Mädchen und Jungen sind im gesamten Bundesgebiet als Sternsinger unterwegs. Auch in Kelkheim besuchten sie Privathaushalte, Institutionen, Einrichtungen – und eben das Rathaus, ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit zwischen Stadt, Kirchengemeinde und den jungen Menschen, die sich augenscheinlich für viel mehr interessieren als nur Social Media, Fast Fashion und Co. – sie erinnerten daran, dass Solidarität, Nächstenliebe und Verantwortungsbewusstsein keine Altersfrage sind.

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