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Jedes Jubiläum wie ein Puzzleteilchen in der Stadtgeschichte

Königstein (el) – Bange Blicke gen Himmel, bevor es losgehen sollte mit dem großen Festzug am Sonntag. Im vergangenen Jahr hatte man es mit einer wahren Sintflut zu tun gehabt und ihr mutig zu Fuß oder hoch auf dem Wagen die Stirn geboten. Da gehörte der Regenschirm genauso zur Ausstattung eines holden Burgfräuleins wie die historische Haube. Diesmal hätte sich so manch Aktiver wahrscheinlich sehnsüchtig eine erfrischende Dusche von oben gewünscht, was ihm jedoch verwehrt wurde. Stattdessen: Drückende Schwüle, rote Backen und klatschnass geschwitzte Haare, die sich im Nacken kräuselten, aber auch hier lautete die Devise: „Einfach ignorieren!“ und anmutig in die Menge winken, die durchaus zu schätzen wusste, welche Strapazen die Festzugteilnehmer auf sich genommen hatten, um die Geschichte der Kernstadt und ihrer Stadtteile zum Leben zu erwecken.

Dabei erzählte jede Zugnummer eine eigene Geschichte und doch war sie Teil eines stimmigen Ganzen, angetrieben davon, den Königsteinern ihre eigene Historie näher zu bringen. Damit hatten sich auch die Autoren der Beiträge für das Burgfestbuch beschäftigt – mit den kleinen und großen Jubiläen, die diese Stadt und ihre Menschen so liebenswürdig machen.

So feiern die Mammolshainer in diesem Jahr 50 Jahre Partnerschaft mit Rauya in Tansania und ließen diese spezielle Verbindung auch für den Burgfestumzug für die Zuschauer am Wegesrand spürbar werden. Fließende Gewänder, Paisley-Muster, Erdfarben und Strohhüte – farbenfroh präsentierte sich die Mammolshainer Gruppe beim Umzug durch die Königsteiner Innenstadt, der unter anderem durch die Frankfurter Straße, Fußgängerzone, Kirchstraße und Limburger Straße führte.

„Weltmeister!“, „Jubel!“ – mit Rufen wie diesen wurden die Zugteilnehmer – diesmal waren es 40 an der Zahl – vom jubelnden Publikum empfangen. Allerdings hätte sich so mancher doch gewünscht, dass es für die Königsteiner einen eigenen Schlachtruf zum Burgfest geben würde. Schließlich könne man ja schlecht um diese Zeit „Helau!“ rufen…

Nicht nur ganze Stadtteile sollten sich im Zug wiederfinden und das dortige Leben abgebildet werden, auch deren Einrichtungen und Vereinen in unserer Stadt sollte gedacht werden. Wie der St. Angela-Schule, der ältesten weiterführenden Schule in Königstein, die vor 130 Jahren gegründet wurde. Da durfte auch die kleine grüne Tafel, die am Bollerwagen befestigt wurde, nicht fehlen.

Tief in die Geschichte tauchte die Fußgruppe der Burg-Apotheke ein, die die Geschichte von englischen Quäkern erzählte, die 1934 politisch Verfolgten eine anonyme Kur im Hotel „Frankfurter Hof“ in Falkenstein ermöglichten. Auf dieses Erholungsheim, das so genannte „Rest Home“, geht auch Hermann Groß in seinem Beitrag im Festbuch ein.

Hemdsärmelig und entschlossen gaben sich die „Arbeiter“ auf dem Wagen der Buchhandlung Millennium und bildeten zusammen mit den Stadtverordneten eine Einheit. Letztere hatten 1914 den Bau der Kanalisation in der Altkönigstraße beschlossen. Die „Parade der Traktoren“ – so manch mächtiger Koloss wurde von ihnen durch die Straßen gezogen – wurde ergänzt durch elegante Kutschen. Aus einer winkte Königsteins Ehrenbürgerin, Annemarie Ramm, und das an ihrem 95. Geburtstag, zusammen mit Schultheiß Leonhard Helm, der tags zuvor den Schlüssel der Stadt an Burgfräulein Nora I. abgegeben hatte. Zu den weiteren illustren Fahrgästen zählten die „Weiße Dame“, Noras Pendant aus dem polnischen Kórnik, sowie die Mitglieder des Königsteiner Magistrats und die Hohen Burgfrauen, die in diesem Jahr ein Jubiläum feierten, wie etwa Gabriele Lundquist, die 1964 Burgfräulein war. Eine größere Fußgruppe bildeten die weiteren Hohen Burgfrauen mit ihren Kindern – manche von ihnen wurden noch im Buggy geschoben. Die edle Eskorte für das Burgfräulein selbst übernahmen die Ritter von Königstein, dahinter Familie und Freunde um die neue Regentin, die mit ihrem mit prachtvollen Hortensien geschmückten Wagen Schlusspunkt und Glanzlicht dieses Zuges zugleich setzte. Begeisterte Rufe, als Nora in Sichtweite rückte, von welcher Stelle man auch immer den Umzug verfolgte. Da ist sowieso jeder Spezialist. So mancher Königsteiner stellte sich schon Stunden vor dem Umzug die Gartenstühle auf den Gehweg, um sich einen Platz in der ersten Reihe sichern zu können.
Fotos: Schemuth

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