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Ausgelassene Stimmung auf der Mammolshainer Kerb

Die Kerbe-Borsch und -Mädels hatten ihre Kerb wochenlang vorbereitet. Foto: Krüger

Mammolshain (sk) – Temperamentvoll bis in die frühen Sonntagmorgenstunden tanzten und vergnügten sich die Mammolshainer auf ihrer jährlichen Kerb in der komplett gefüllten Kerbehalle der Firma Getränke Elzenheimer GmbH. Die Liveband „Diamonds“ heizte den Besuchern ordentlich ein mit angesagter Rock- und Popmusik.

Wen es nicht auf die Tanzfläche zog, der schunkelte mit seinen Tischnachbarn an den langen Bierbänken oder begleitete die Musiker lauthals mit textsicheren Stimmeinlagen. So ist es kaum verwunderlich, dass so manch einem Kerbeborschen oder Kerbemädel am letzten Kerbetag die Stimme versagte oder aber die Augen brannten, sobald sich die Sonne erwartungsfroh vor die Wolken schob. Zu diesem Zeitpunkt hatte die junge Kerbeschar wie auch ein Großteil der Kerbegäste bereits ein stolzes Programm absolviert.

Kirmes kommt von Kirchmesse

Am Freitag ging es schon los mit dem Anstich des ersten Fasses Oktoberfestbier durch Bürgermeister Leonhard Helm und den Mammolshainer Ortsvorsteher Hans-Dieter Hartwich. Während sich die kleinen Gäste auf der Hüpfburg vergnügten, genossen die großen Gäste ihren Spaß am derben Sägewettbewerb. Bei den Männern setzten sich Lars Reul und Florian Zwiener durch, während bei den Damen Inken Schmidt und Lucia Kunkel die Siegerurkunde mit nach Hause nehmen und ihre zehn gewonnenen Freischüsse in der farbenfroh gestalteten Schießbude sofort umsetzen konnten.

Wem der Zusammenhang zwischen traditioneller Kerb und der Schießbude als klassische Kirmesattraktion nicht geläufig ist, dem sei ein Blick auf die erst kürzlich von dem 2. Vorsitzenden Sven Zwiener neu gestaltete Homepage des Mammolshainer Kerbevereins e.V. empfohlen (www.kerbeverein-mammolshain.de). Dort erfährt man nämlich, dass der Weihetag der örtlichen Kirchen bereits seit dem 4. Jahrhundert alljährlich gefeiert wird und zwar in Form eines Festes verbunden mit einem Jahrmarkt oder einer Kirmes, deren Name seinen Ursprung in dem Wort Kirchmesse findet.

Tracht, Tanz und Gottesdienst

Getanzt und gesungen wurde Freitagabend zu fetziger Musik in der Kerbehalle. Die meisten Besucher erschienen in Tracht, was der Kerb einen Touch Münchner Wies‘n verlieh. Am Samstag stand das Aufrichten des Kerbebaums auf dem Programm. Daran hatten die Kerbeborschen und Mädels wochenlang gearbeitet.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Ein himmelblauer „Schlackes“, das Maskottchen der Kerb, bildet einen schönen Kontrast zu dem mit bunten Bändern geschmückten Baum, der erstmalig auf dem Bornplatz in Mammolshain aufgestellt wurde. „Damit alle Mammolshainer etwas davon haben und unser Schlackes kein trostloses Dasein in zweiter Reihe fristen muss“, erklärte Vorstandsmitglied Martin Igges den exponierten neuen Standplatz.

Nach bestandener Bewährungsprobe hatte sich die Kerbeschar eine Erfrischung verdient. Das traditionelle Äpplerfass wurde angestochen und man feierte mit Gästen aus und um Mammolshain den gelungenen Auftakt zum zweiten Kerbeabend, der für seine Gäste eine Überraschung bereithielt. Neben Bürgermeister Helm und Ortsvorsteher Hans-Dieter Hartwich genoss auch Jürgen Banzer, ehemaliger Landrat des Hochtaunuskreises und aktuell Mitglied des hessischen Landtages (MdL), den fröhlichen Umtrunk im Kreise der Mammolshainer.

Mit müden Augen, aber ungebrochen guter Stimmung zogen die Kerbeborschen und Kerbemädels am frühen Sonntagmorgen im Anschluss an den Kirchweihgottesdienst von der Kirche St. Michael zur Kerbehalle, wo sie bereits gute Stimmung und erwartungsfrohes Gelächter erwarteten.

Tradition und Zeitdokumente

„Wir sind stolz darauf, die schöne Tradition des Kirchweihfestes fortführen zu können“, so Pressesprecher und Vorstandsmitglied Martin Igges. „Wir haben in diesem Jahr sogar ein Team von 11 Kerbeborschen und Kerbemädels“, betonte er stolz, wenngleich sich beim Abzählen der Kerbeschar herausstellte, dass zwei davon am Sonntagfrüh nicht mehr in der Lage waren, die Kirche zu besuchen und an dem traditionellen Kirchweihumzug durch Mammolshain teilzunehmen. „Das war schon zu meiner Zeit so“, enthüllte Olaf Pyka, ehemaliger Mammolshainer Kerbeborsch und legte wie zum Beweis Fotos von der Mammolshainer Kerb aus 1957 vor, an der er als Kerbeborsch teilgenommen hatte. Ein unglaubliches Zeitdokument, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellte.

Bei dem sonntäglichen Frühschoppen in der Kerbehalle griff der eine oder andere zum traditionellen Braugetränk, während viele Gäste sich vorzugsweise dem selbst gebackenen Kuchen widmeten oder bei dem anschließenden deftigen Mittagessen zugriffen. Dieses Jahr erklärte sich erfreulicherweise der Vater des Mammolshainer Kerbemädels Marie Louise Vollrath – kurz „Isi“ – bereit, sich um das deftige Mittagessen zu kümmern. In seinem Restaurant „Fischfactory“ in Bad Soden zubereitet, kreierte der Gastronom Stephan Gogl die Verköstigung der anwesenden Gäste.

Engagement ist Ehrensache

„Selbstredend ohne Honorar“, lobte Martin Igges das ehrenamtliche Engagement von Isis Papa und verwies dabei auf die unermüdliche Hilfe aller Beteiligten, die für das Gelingen eines solchen traditionsbewussten Festes einfach unerlässlich ist. „Wir packen hier alle mit an“, erklärte er. „Wo es Arbeit gibt, da wird sie auch erledigt“.

Die Vereinsmitglieder und ihre Helfer übernehmen an den drei Tagen verschiedenste Dienste von Organisation, Aufbau über Toilettenwagendienst bis zum Abbau und dem großen Reinemachen. „Nur so ist gewährleistet, dass die Kerb uns und den Mammolshainern sowie ihren Gästen Spaß macht“, zog Martin Igges sein zufriedenes Fazit von der diesjährigen Kerb, die ihren Abschluss in der Versteigerung des Kerbebaums fand. Den Zuschlag erhielt dieses Jahr Alex Kilb von den Schnaademer (= Schneidhainer) Kerbeburschen, der damit deutlich machte, dass die Mitwirkung und Unterstützung aller Ortsvereine eine Traditionsveranstaltung wie die Kerb lebendig halten.

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