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Chancen und Gefahren der Digitalisierung: „Offener Treff für Jedermann“ greift ein viel diskutiertes Thema auf

Dr. Christian Lauer hatte den interessierten Zuhörern eine Menge zum Thema „Wie die Digitalisierung unser Leben beeinflusst“ zu erzählen. Foto: Scholl

Schneidhain (gs) - Mit dem Thema „Fluch oder Segen? – Wie die Digitalisierung unser Leben beeinflusst“ hat sich der „Offene Treff für Jedermann (OTJ)“ in Schneidhain für seinen diesjährigen Gesprächskreis ein Fachgebiet vorgenommen, das jeden von uns tangiert und mit dem sich alle Bürger in Alltag und Arbeitswelt auseinandersetzen müssen.

Wie unmittelbar dieses Thema in unserem Leben Einzug hält, konnten die Anwesenden umgehend feststellen, als ihnen eröffnet wurde, dass es in Zukunft keine Informationen zu der Vortragsreihe in Papierform mehr geben wird (außer in der KöWo), sondern nur noch via E-Mail oder über die Homepage. Die Gäste zeigten sich verständig und offensichtlich gut gerüstet, denn Einwände gab es keine – willkommen in der digitalen Welt!

Mit Dr. Christian Lauer hatte der Gesprächskreis einen Referenten gewinnen können, der sich in seiner Eigenschaft als promovierter Physiker Zeit seines Arbeitslebens mit dem Thema „Digitalisierung“ auseinandergesetzt hat und in seinen beruflichen Stationen die Digitalisierung von Arbeitsprozessen begleitete. Seit 2017 befindet er sich nun im Ruhestand und stellte sein Wissen an diesem Abend in einem informativen und interessanten Vortrag den anwesenden Gästen zur Verfügung.

Digitalisierung ist, und das war sehr schnell deutlich, ein sehr umfassendes Thema, das auf unterschiedlichsten Ebenen unser Leben tangiert, beeinflusst und damit auch verändert.

Geschichtlicher Rückblick und Definition

Ein kurzer geschichtlicher Rückblick führte die Gäste zunächst in die Zahlenwelt der Römer. Mit dem Beispiel der Jahreszahlen in römischen Ziffern war diese Grundlage schnell vermittelt. Es folgte ein kurzer Schlenker in die Welt der Binärzahlen, mit denen bekannterweise unsere Computer arbeiten und die nur aus den Ziffern „0“ und „1“ zusammengesetzt werden. Weiter ging es mit einer kurzen Erläuterung der Hexadezimalzahlen, welche vorrangig in der Datenverarbeitung Anwendung finden, bevor Lauer mit dem schönen Beispiel der Uhr (Analog- und Digitalversion) deutlich machte, dass wir mittlerweile in zwei verschiedenen Welten leben, die jedoch beide ihre Berechtigung haben.

Was treibt die Digitalisierung voran?

An erster Stelle steht hier ganz sicher die technische Realisierung der Digitaltechnik. Die umfassendsten „Treiber“ sind auf diesem Feld die extrem steigende Rechnerleistung, die eine Datenverarbeitung in immer größeren Mengen in immer kürzerer Zeit ermöglicht und das World Wide Web (www), das einen fast grenzenlosen Informationsaustausch möglich macht.

Darüber hinaus führen immer neuere technologische Entwicklungen auf Seiten der Hardware (Smartphones, Tablets), der Software (Programme, Anwendungen) sowie deren Nutzung in Maschinen und Fahrzeugen dazu, dass die Entwicklung auf der Suche nach immer neuen Innovationen rasant fortschreitet. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: geringer Platzbedarf für riesige Datenmengen, leichter Zugang zu Informationen über Suchmaschinen, leichtere Archivierbarkeit sowie Verschleißfreiheit der Daten und die Möglichkeit zur grenzenlosen maschinellen Verarbeitung derselben.

Einfluss auf unsere Wahrnehmung der Welt

Durch die fortschreitende Digitalisierung ist es mittlerweile möglich, unsere fünf Sinne auch auf digitaler Ebene abzubilden. Dies bedeutet, dass sie Einfluss darauf nehmen kann, wie wir die Welt in Zukunft betrachten werden. Können wir uns in Zukunft noch auf unsere Sinne verlassen, werden sie ersetzt oder „nur“ ergänzt?

In unserem Alltag stehen die Anwendungen im Vordergrund, die sich um das Hören und Sehen drehen. Schon heute profitieren hörgeschädigte Menschen von der digitalen Technik in Hörgeräten, auf der anderen Seite erfreut sich die Jugend an der digitalen Musikbearbeitung und deren quasi „störgeräuschfreien“ Wiedergabe über digitale Dateien.

Auch auf der visuellen Ebene hat die digitale Technik in Form der Bildübertragung bereits heute Einzug in fast jeden Haushalt gehalten. Wir finden digitale Bilddateien, die Bilder durch sog. „Pixel“ darstellen, auf Fernsehern, dem Smartphone oder auch modernen Leselupen.

Mehr wissenschaftlich geprägt sind die Möglichkeiten der digitalen Technik in den Bereichen riechen, schmecken und fühlen. Die Innovationen betreffen auf diesen Gebieten eher Analysegeräte, die z.B. mittels Sensoren Aromen erkennen oder die Konzentration bestimmter Inhaltsstoffe messen können.

Digitaltechnik im Alltag

Aus den vorangegangenen Ausführungen von Christian Lauer wurde deutlich, dass die Digitalisierung bereits Einzug in nahezu alle Bereiche unseres Lebens gehalten hat. Daraus einen Mehrwert zu generieren, d.h. einen Nutzen zu ziehen, sollte das vorrangige Ziel sein, so Lauer.

Sehr schön ließe sich dieser „Nutzen“ anhand von digitalen Anwendungen für den Gesundheitsbereich deutlich machen. Was in Großbritannien und der Schweiz bereits Alltag ist, hält nun auch in Deutschland Einzug in das Gesundheitssystem. Die Digitalisierung macht auch vor der Medizin nicht halt und mit dem „I-Health“- Gesetz wurde aktuell die Möglichkeit einer Videosprechstunde eingeführt. Damit hält die Telemedizin Einzug in das deutsche Gesundheitssystem. Es soll in nicht allzu ferner Zukunft bei reinen Beratungsgesprächen oder für den medizinischen Erstkontakt zum Einsatz kommen und den Weg zum Arzt in bestimmten Fällen überflüssig machen.

Betrachtet man das Problem der hausärztlichen Versorgung auf dem Land, so könnte es sich hierbei um ein wirklich zukunftsweisendes Projekt handeln. Aber auch in anderen Anwendungen, sogenannten „Apps“ finden sich Innovationen, die ohne die Digitalisierung nicht möglich wären. So können z.B. Tinnitus-Patienten mittels einer besonderen App für sie störende Frequenzen aus Musikstücken filtern oder Patienten Tests z.B. zum Aufspüren von Herzinfarktrisiken absolvieren. Darüber hinaus ermöglicht es die Bionik, dass Menschen über perfekt gesteuerte Prothesen verfügen können, oder Blinde mittels Netzhautprothese (Mikrochip) wieder sehen können.

Digital Humanities

Dass es möglich sein wird, die Digitalisierung zu nutzen, um Errungenschaften auf dem Gebiet der Kulturwissenschaften publik zu machen, dafür gibt es heute bereits interessante Projekte. Eines der bekanntesten auf dem Gebiet der „Digital Humanities“ ist die „Venice Time Machine“. Ein ehrgeiziges Kulturprojekt, bei dem die umfangreiche Sammlung historischer und städtischer Dokumente der Stadt Venedig auf eine Art und Weise digitalisiert werden, dass es später möglich sein wird, aus den gesammelten Informationen ein dreidimensionales Bild Venedigs in seiner alten städtebaulichen Form in unterschiedlichen Epochen darzustellen.

Folgen der Digitalisierung

Die Digitalisierung wird dazu führen, so Lauer, dass immer mehr Routineaufgaben automatisiert und in Zukunft ohne einen räumlich festen Arbeitsplatz erledigt werden, was unweigerlich zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen wird.

Durch die Nutzung digitaler Medien wie z.B. dem Smartphone verändern sich unsere Gewohnheiten. Schon heute ist erkennbar, dass die jüngere Generation verstärkt Freundschaften in einer digitalen Welt pflegt und das „klassische“ Zusammentreffen von Freunden durch „Live-Chats“ ersetzt werden.

Dazu kommt, dass in naher Zukunft die „Intelligenz“ der Computer die der Menschen übertreffen wird. Diese Gegebenheiten und Veränderungen lösen bei vielen Menschen Zukunftsängste aus, denen die Politik bisher bedauerlicherweise nicht adäquat begegnet. Und schließlich birgt die fortschreitende Vernetzung auch reale Gefahren in sich. Hacker legen Behörden lahm, Terroristen pflegen ihre Netzwerke im „Darknet“, Datenmissbrauch, Identitätsdiebstahl und Suchtgefahren sind nur einige Beispiele. Dazu kommen die Unsicherheiten: „Was können wir noch glauben? (Stichwort: Fake News)“ und „Wie können wir uns schützen?“ – Wichtige Fragen, auf die in der Zukunft eine Antwort gefunden werden muss.

Allerdings sei es falsch, so Lauer, in der Digitalisierung lediglich eine Bedrohung zu sehen. Sie birgt auch viele Möglichkeiten und Chancen, wie die Möglichkeit der Bildung für alle Menschen, die Möglichkeit der breiten Sachaufklärung und Vernetzung zu bestimmten Themen. Die grenzenlose Kommunikation wird neue Geschäftsmodelle und -prozesse ermöglichen, die wiederum neue Arbeitsplätze schaffen – jedoch mit veränderten Anforderungen an die Menschen. Neue Dienstleistungen werden entstehen, die Wachstum und Wohlstand garantieren.

Ausblick

Zum Schluss gab Christian Lauer seinen Zuhörern einen kleinen Ausblick auf seine Einschätzung der digitalen Zukunft. Nach seiner Auffassung wird die Digitalisierung weiter fortschreiten, wobei sich dieser Prozess immer stärker beschleunigen wird. Lauer sieht für die nahe Zukunft einige wichtige, technische Entwicklungen, die diesen Prozess anstoßen werden: Die Entwicklung eines Mensch-Maschine Hybriden, das Bioengineering, lernfähige Computersysteme, das Internet of Things, mobile Arbeitslösungen und die Ausweitung der Cloud-Anwendungen.

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