Falkensteiner Apfelweinanstich sorgt erneut für urige „Hütten-Atmosphäre“

Viel Spaß hatten auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Sascha Kessler (links) und Sascha Gregori (3. von rechts) kamen direkt von ihrer Schicht als Fahrer auf den Schneeräumfahrzeugen des Betriebshofes zum „Feierabend-Schobbe“. Fotos privat:

Falkenstein (kw) – Kann man bei der sechsten Auflage des Apfelweinanstichs der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Falkenstein bereits von Tradition sprechen? Gute Frage, aber der Zulauf lässt darauf schließen, dass diese Veranstaltung bereits so etwas wie einen gewissen Kultcharakter hat.

Tradition ist es zumindest, dass die über 800 Mitglieder starke TSG Falkenstein über fast drei Jahrzehnte hinweg nun schon den Reigen der Veranstaltungen eines jeden Jahres in Königstein eröffnet. Waren es früher ihre Hallenfußballturniere am ersten Januarwochenende, so ist an deren Stelle nun der Apfelweinanstich getreten, der zu einem absoluten Geheimtipp geworden ist. Vielleicht auch deswegen, weil es kaum möglich ist, Karten dazu auf dem „freien Markt“ zu ergattern. Das Vereinsheim der TSG-Sportler an der Sportanlage Altkönigblick weist nun mal (trotz Zusatzbestuhlung) lediglich 60 Sitzplätze auf. Und alle die, die einmal da waren und die urig-gemütliche Atmosphäre „live“ erlebt haben, lassen schon direkt ihren Reservierungswunsch für das kommende Jahr hinterlegen.

Die Idee zum „Apfelweinanstich“ wurde im Jahr 2018 geboren, als fleißige Helfer aus den Reihen der TSG zum wiederholten Male den Mitgliedern der Falkensteiner Keltergemeinschaft „Rue de la Fussehl“ bei der Apfelernte halfen. Als Lohn der getanen Arbeit erhielten sie die Möglichkeit, 80 Liter des selbstgekelterten „Falkestaaner Ebbelwoi“ zu einem Vorzugspreis zu erwerben. Und diese Regelung gilt bis zum heutigen Tage, auch wenn die benötigte Ration mittlerweile bei über 100 Litern liegt. Der Ertrag der Keltergemeinschaft beläuft sich jährlich witterungsabhängig auf zwischen 1.500 und 2.200 Liter.

Man entschloss sich damals, diesen selbstgekelterten Apfelwein, der in uralten Schieferkellern der Keltergemeinschaft im „Unteren Bergweg“ in Falkenstein (der im Volksmund sogenannten „Fussehl“) reift, mit einem Apfelweinanstich nicht nur gebührend zu feiern, sondern diesen auch den Liebhabern des „Stöffsche“ im Rahmen eines gemütlichen Abends zu kredenzen. Seit der Lese im Oktober sind jetzt drei Monate vergangen, und der junge „Schoppen“ hat sich fertig entwickelt. Er schmeckt frisch und spritzig, wie Johannes Schießer aus Mammolshain als fachkundiger Besucher anerkennend feststellte.

Das erste „Äppler-Event“ fand dann im Jahr 2019 im Vereinsheim der TSG statt. Für die mehr als 80 Gäste hatte man damals vor dem Vereinsheim noch zusätzlich ein Zelt aufgestellt, um allen Interessierten auch einen Platz anbieten zu können – auch wenn die Gäste, ob der sehr kalten und etwas feuchten Winterwitterung damals dann doch im Vereinshaus zusammenrückten. Im Folgejahr durfte sich der Verein bereits über ca. 130 Anmeldungen freuen, weshalb die Veranstaltung damals in den großen Saal des Bürgerhauses in Falkenstein verlegt wurde und das „Ausverkauft“-Schild an der Türklinke befestigt werden konnte. Liebevoll dekoriert und perfekt organisiert, war der zweite Apfelweinanstich ein voller Erfolg und hatte sich damit innerhalb von nur zwei Jahren seinen „Kult“-Charakter redlich verdient. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause war es Vereinschef Jörg Pöschl ein echtes Anliegen, der Veranstaltung im Jahre 2023 einen Neustart zu ermöglichen, wobei die Schätzung, wie viele Liebhaber der urhessischen Apfelweinkultur wohl nach zwei Jahren Pause der Einladung folgen würden, richtig schwerfiel, wie Pöschl berichtete. So beschränkte man sich in jenem Jahr auf die vereinseigenen Räumlichkeiten und siehe da – das Vereinsheim war bis auf den allerletzten Platz besetzt.

Und so war es auch 2024, 2025 und auch heuer wieder. „Sicherlich ist die Frage, warum wir nicht wieder ins Bürgerhaus gehen und dort dann eine nach oben hin offene Besucherzahl ermöglichen können? Der Aufwand ist jedoch im Bürgerhaus wesentlich höher, es müssen Wasserzu- und ableitungen gelegt werden, der Schutzboden im Saal müsste verlegt werden, das Zelt aufgebaut und dekoriert und viele weitere zeit- und personalaufwendige Vorbereitungen getroffen werden. Hier schließen wir unser Vereinsheim auf, haben – überspitzt gesagt – zwei Stunden Vorbereitungsarbeit und es ist von der Infrastruktur her ja eh schon alles da. Das Manko ist halt die begrenzte Platzkapazität, aber damit müssen wir dann halt leben. Wir haben die Plätze nur auf verbindliche und namentliche Reservierung vergeben, um sicherstellen zu können, dass niemand unangemeldet kommt und stehen muss“, erklärte Vereins-Vize Hans-Jürgen Metz die Tatsache, dass man „nur“ 60 Plätze hatte anbieten können, obwohl sich mehr als 80 anfragende Personen über einen Platz gefreut hätten.

Zu einem zünftigen „Apfelwein-Anstich“ gehört auch eine entsprechende Speisekarte, weshalb sich die Gäste über hessische Spezialitäten zu moderaten Preisen freuen konnten. Handkäs mit Musik von der Käserei Horst aus Groß-Gerau stand ebenso auf der Karte wie heiße Fleischwurst von der Fleischerei Bayer aus Ginsheim oder die Hausmacher Wurstplatte mit Wurstwaren von der Landmetzgerei Becker, die am Morgen der Veranstaltung noch in Romrod im Vogelsberg abgeholt wurde. „Wir sind froh, dass wir neben dem selbstgekelterten Falkensteiner Apfelwein auch ein erstklassiges Angebot hessischer Spezialitäten anbieten können“, freute sich Jörg Pöschl nicht ganz ohne Stolz. Für das Mispelchen zum Schluss war natürlich auch vorgesorgt!

Man wollte die Gäste nicht „auf dem Trockenen“ sitzen lassen, weswegen der Falkensteiner Apfelwein bereits ab Beginn der Veranstaltung um 18 Uhr ausgeschenkt wurde – der Apfelweinanstich war daher eher symbolischer Natur. Trotzdem hatten sich viele Vertreter aus der lokalen Kommunalpolitik und den städtischen Vereinen „punkt sechs“ zum Stelldichein und „großen Hallo zum Jahresbeginn“ eingefunden, um auf den Falkensteiner Apfelwein des Kelterjahres 2025 anzustoßen. Die offizielle Eröffnung erfolgte in einer kurzen Ansprache des TSG-Vorsitzenden, der ja zugleich auch der aktuelle Falkensteiner Apfelwein-König ist.

Im Anschluss an den „offiziellen“ Teil konnten sich die Gäste auf einen gemeinsamen Abend im gemütlichen Vereinsheim der TSG freuen. Akkordeonist Ewald Hofmann war extra aus Franken angereist und heizte mit seiner „Quetschkommod‘“ und allerlei Stimmungsliedern der kräftig mitsingenden Gesellschaft ordentlich ein. Der anschwellende Geräuschpegel und die urige räumliche Enge zeugten von der großen Begeisterung der Gäste, ins Gespräch zu kommen und bei „Ebbelwoi und Worscht“ einen tollen Abend zu genießen. Und als um 21.30 Uhr die Tür aufging und ganz nach alter Apfelwein-Wirtshaustradition der mit Schärpe, Batschkapp und Schürze versehene „Falkestaaner Brezzelborsch“ mit prall gefülltem Korb den Raum betrat und mit seiner Schelle werbend durch die Reihen ging, konnte man sich so ganz nach Alt-Sachsenhausen versetzt fühlen. Es versteht sich von selbst, dass der (weibliche) Brezzelborsch all’ seine Käsestangen, Laugenbrezeln und Pfefferbeißer an den Mann brachte und schon nach kurzer Zeit mit leerem Korb das Vereinsheim wieder verlassen konnte.

Ort für 2027 bleibt offen

Das Echo auf die Veranstaltung war wieder rundherum positiv – und so kann man auch diesmal davon ausgehen, dass der Run auf die 2027er-Tickets nach dieser Veranstaltung bereits wieder sehr frühzeitig einsetzen wird. Oder wird es zum „Abschied“ aus dem Falkensteiner Bürgerhaus, welches ja plangemäß im Januar 2027 für einen Neubau an gleicher Stelle abgerissen wird, vielleicht ja doch noch mal einen Anstich „in großer Form“ und ohne „Warteliste“ im Bürgerhaus geben? Wer weiß….

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