Königstein (kw) – Ein Hilfstransport unter extremen Bedingungen: Vom 17. bis 23. November brachte die Ukraine Hilfe Königstein (UHK) ihre 26. Hilfslieferung in den Norden der Ukraine. Es war bereits die fünfte Fahrt in diesem Jahr. Fahrer Michael Post, der die gesamte Strecke allein bewältigte, kämpfte sich durch schwierige Bedingungen: kein Strom, keine Straßenbeleuchtung und Zufahrtsstraßen, die nur mit Sondergenehmigung passiert werden konnten. Und auf der Rückfahrt Schneefall, der ein Fortkommen unmöglich machte. Der Zielort lag im militärischen Sperrgebiet, nur wenige Kilometer von der Front entfernt.
Ein Gebiet im täglichen Beschuss
Empfangen wurde die Hilfslieferung in der Stadt Gorodnya in der Verwaltungsregion Tschernihiw, einem Gebiet mit rund 10.000 Einwohnern in der Kernstadt und insgesamt knapp 20.000 Menschen mit den umliegenden Dörfern, mit der die UHK seit 2022 eng zusammenarbeitet. Offizielle Ansprechpartnerin ist Tatyana Kutznetsova-Molodchaya, Vorsitzende der Bezirksverwaltung Tschernihiw.
Gorodnya liegt etwa 40 Kilometer von der russischen Grenze und damit wenige Kilometer von der Frontlinie entfernt – mitten in der Reichweite von Artillerie und FPV-Drohnen. Die Lage ist dramatisch: täglicher Beschuss, schwere Zerstörungen der Infrastruktur, bombardierte Dörfer und Schäden an zivilen Einrichtungen prägen das Bild.
Die Hilfsgüter
Die UHK lieferte dringend benötigte Hilfsgüter, deren Bedarf vorab direkt in der Ukraine abgefragt worden war. Darunter:
• 106 Powerbanks der Firma Varta (finanziert durch Spendenaufkommen der UHK)
• 250 LED-Taschenlampen (Spende des Lions Club Königstein)
• 1.300 Kisten medizinische Untersuchungshandschuhe (Spende eines Wiesbadener Unternehmens)
• 180 Tuben Zahnpasta und 180 Doppelpakete Zahnbürsten (UHK, Spendenmittel)
• 15 Luftkammerschienen für Frakturversorgung (Spende DRK Kronberg)
• 24 Pakete Waschmittel sowie weitere Hygieneartikel
Die Verteilung der Waren in Gordnya erfolgte durch die Leiterin der Abteilung Kultur, Familie, Jugend und Sport und Abgeordnete des Regionalrats von Tschnernihiw, Olena Yatska, die wiederum die Verteilung an die Bedürftigen ihres Bezirks veranlasst. Während Powerbanks, Lampen und Handschuhe nach Gorodnya gingen, wurden medizinische Materialien wie Schienen, Waschmittel und Hygieneprodukte direkt an das Regionalkrankenhaus in Tschernihiw geliefert.
Für Fahrer Michael Post war die Reise eine enorme physische und psychische Belastung. Der Empfang in der Ukraine hingegen war überwältigend: In einer Region, die kaum noch von internationalen Hilfsorganisationen besucht wird, fühlte sich der Fahrer „empfangen wie ein Staatsgast“.
Ein Alltag im Ausnahmezustand
Der Alltag in Gorodnya hat sich grundlegend verändert. Kein fließendes Wasser, keine Zentralheizung, Strom oft nur für wenige Stunden – Folgen der wiederholten Angriffe auf Energieinfrastruktur. Da Geschäfte kaum noch geöffnet haben, werden viele Einwohner zu Selbstversorgern: Sie bauen Lebensmittel selbst an, erzeugen Energie soweit möglich privat und improvisieren bei allem, was sie nicht kaufen können. Trotz ständiger Lebensgefahr versuchen die Menschen, ihren Alltag fortzuführen: Sie gehen zur Arbeit, zur Schule, zur Universität, heiraten, gründen Familien. „Man gewöhnt sich an alles – sogar an das Summen der Drohnen und das Donnern der Front“, sagt ein Ortsbewohner resigniert.
Ein Funken Hoffnung
In einem Gebiet, in dem manche Tage nur aus Sirenengeheul, Einschlägen und Dunkelheit bestehen, war diese Hilfsfahrt mehr als eine logistische Operation: Sie war ein wichtiges Signal. Ein Beweis, dass die Menschen in Gorodnya und Tschernihiw nicht vergessen sind. Aus diesem Grund wird die Ukrainehilfe Königstein die Hilfslieferungen weiterhin fortsetzen und nimmt gerne Geldspenden entgegen. Sie garantiert, dass die Hilfslieferungen auch rechtmäßig dort ankommen, wo sie benötigt werden.
Spendenkonto der UHK DE20 5019 0000 6800 2178 47, Spendenquittungen werden von der evangelischen Immanuelgemeinde Königstein ausgestellt.
Die Hilfsgüter wurden sehnlichst erwartet, Michael Post (Mitte) fast wie ein Staatsgast empfangen.Fotos: privat
Die gepackten Kisten vor der Abfahrt in die Ukraine

