Königstein (as) – Der große Andrang auf dem Traditionsfest und die erhebliche Zahl von (sehr jungen) Besuchern, die dem Alkohol über das vernünftige Maß hinaus zusprechen, sorgen dafür, dass ein Burgfest niemals völlig reibungslos über die Bühne gehen wird.
Was sich aber am Burgfestfreitag ab etwa 21.30 Uhr vor dem Burgtor beim Einlass auf die Burg abspielte, ging über das normale und für Besucher zu erduldende Maß hinaus. Durch einen großen gleichzeitigen Ansturm vieler Burgfestgäste kam es zu extremen Staus und teilweise auch Drängeleien am steilen Hang. Es wurde Kritik geäußert, dass zu wenig Security am Eingang war, andere bemängelten, dass die Kontrollen generell zu lange dauerten. Die Tickets wurden vor dem Tor und nochmals an der Sicherheitsschleuse mit Personenkontrolle hinter dem Tor überprüft. Teilweise war die Situation so, dass es weder in die Burg hinein noch (Eingang gleich Ausgang) aus der Burg hinausging. Einige kollabierten vermutlich wegen des vorherigen Alkoholkonsums beim langen Anstehen, aber auch beim Versuch, die Burg wieder zu verlassen. Rettungskräfte und Polizei, die Amtshilfe leisteten, hatten alle Hände voll zu tun, die Menge in Schach zu halten, sich Wege zu bahnen und Patienten zu versorgen. Ein Beobachter meinte nur: „Das war wie Duisburg – nur außerhalb“ – und jeder wusste, auf welches Ereignis er damit anspielte. Zum Glück gab es in Königstein keine fatalen Folgen, nach letzten Erkenntnissen auch keine schwerer verletzten Personen. Dass das Feuerwerk durch das Chaos rund um die Burg 45 Minuten später begann, war da fast nur eine Randnotiz.
Burgvereins-Chefin Birgit Becker sagte zwar, dass Betroffene auch über die Rettungstreppe an der Festwiese aus der Burg herausgeführt wurden, das aber war wohl nicht allen bekannt – und linderte auch nicht das Einlass-Problem.
Mehrere Leute gaben irgendwann, teilweise nach zwei Stunden und mehr Wartezeit, den Versuch auf, in die Burg zu kommen. Bei manchen, vorwiegend Jugendlichen, entluden sich Alkoholkonsum und Frust darin, dass sie den Burghain, den Rathausvorplatz und Teile der Innenstadt mit leeren Flaschen und anderem Dreck übersäten. Becker, die der Sache „völlig geschockt“ gegenüberstand, wie sie im Rückblick sagte, fragte an die Adresse der Verursacher: „Glaubt ihr, dass wir wollen, dass nach unserem Heimatfest unsere Stadt so aussieht?“ Sie bedankte sich beim städtischen Betriebshof für die geleistete Arbeit am Samstagvormittag. „Hut ab, dass der Betriebshof es so hinbekommen hat, dass wir den offiziellen Empfang unseres Burgfräuleins vor dem Rathaus feiern konnten.“
Dort sagte sie bereits deutlich: „Die Ereignisse von gestern werden aufgearbeitet werden müssen, wir übernehmen dafür die Verantwortung. Zu so etwas darf es nie wieder kommen.“
Bereits für den Samstagabend wurde am Einlasssystem im Rahmen des Möglichen nachgeschärft, zwei Schleusen wurden mit Gittern in der letzten Rechtskurve vor dem Burgtor eingezogen, der Steilhang mit Flatterband gesperrt und überwacht. IH Security, die seit Jahren beim Burgfest im Einsatz ist, war mit wesentlich mehr Personal angetreten, die Polizei sehr präsent. Auch wenn es wieder zu gewissen Wartezeiten kam, verhielten sich die Burgfestbesucher – am Samstag insgesamt ein gemischteres Publikum, aber weiterhin mit vielen Minderjährigen – weitgehend ruhig.
Ruhig wird es für das Präsidium des Burgvereins, die Verantwortlichen der Stadt und alle Sicherheitskräfte, die in den Lagebesprechungen während des Burgfestes involviert waren, nicht weitergehen. Becker verwehrte sich gegen jegliche Schuldzuweisungen, sagte aber deutlich, dass das über Jahre weiterentwickelte Sicherheitskonzept „intensiv überprüft und nachgeschärft“ werden müsse.
Die vielen Mails an den Burgverein von enttäuschten verhinderten Besuchern, die es nicht auf die Burg schafften, will sie „ernst nehmen und alle beantworten“, sobald nach dem Abbau Zeit dafür sei. Über den QR-Code lasse sich gut überprüfen, ob ein Ticket eingelöst wurde oder nicht. Und die Präsidentin sagte deutlich, dass an keinem Tag mehr als die 4.000 erlaubten Karten verkauft wurden, worüber auch gemunkelt wurde am vergangenen Wochenende. Florian Fuchs vom städtischen Veranstaltungsmanagement sprach von rund 3.800 verkauften Tickets am Freitagabend und 2.560 Menschen, die in der Spitze gleichzeitig auf der Burg waren.