Königstein geschockt – Burgfest 2026 fällt aus

Königstein (as) – Fröhlich und friedlich – so möchte man die Weihnachtszeit am liebsten erleben, so hat man sie aus Kinder- und Jugendtagen in – manchmal weichgezeichneter – Erinnerung. Dass es heute nicht mehr so ist, wissen wir alle selbst – man muss sich nur die Weltnachrichten ansehen.

Aber in unserem beschaulichen Königstein? Da ist doch fast noch alles so wie früher! Und genau dort platzt keine zwei Wochen vor Weihnachten eine echte Bombe, wenn es auch nur eine Nachrichtenbombe ist: Das Burgfest, das 72 Auflagen erleben durfte, mit dem fast alle Königsteinerinnen und Königsteiner Erinnerungen und Lebensabschnitte verbinden, wird 2026 nicht stattfinden. Das teilte der veranstaltende Burgverein Königstein in einem „Brief zum Jahresende“ mit. Die Entscheidung sei in der letzten Präsidiumssitzung einstimmig gefallen. „Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht und bedauern diesen Schritt außerordentlich, da uns das Burgfest mit seiner langen Tradition wirklich sehr am Herzen liegt“, heißt es in dem Brief, der von allen Mitgliedern des Präsidiums, Präsidentin Birgit Becker, Vizepräsident Berny Frick, Schatzmeister Franz Lingner, Protokollführer Alexander Hees, Präsidialrätin Ursula Althaus-Byrne und Hofmarschall Martin Orlopp unterzeichnet ist. Ein echter Paukenschlag kurz vor Heiligabend statt Glöckchen, Flöten und Harfenspiel.

Präsidentin Birgit Becker war am vergangenen Freitag, als der Brief öffentlich wurde –zuvor waren die rund 200 Mitglieder des Vereins informiert worden – auch am Telefon anzumerken, dass ein schwerer Prozess hinter den Verantwortlichen lag. „Ich bin seit 2003 im Präsidium und seit 2010 Präsidentin. Da kann sich jeder vorstellen, dass mir diese Entscheidung sehr schwer gefallen ist.“ Im Brief heißt es: „Jeder Einzelne von uns ist mit dem Ziel angetreten, den Verein erfolgreich zu machen und unsere Traditionen weiterzuführen.“ Was ja auch über sehr viele Jahre gelungen ist, das darf neutral festgehalten werden – und diese Leistung, das Traditionsfest lange bewahrt zu haben, sollte dem Burgverein niemand absprechen.

Die Gründe für den harten Schnitt sind vielfältig und nicht nur in den Ereignissen des Burgfest-Freitags im vergangenen August zu suchen, als sich in der Schleuse vor den Sicherheitskontrollen am Burgtor chaotische Zustände abspielten und es phasenweise im Gedränge kein Rein in und kein Raus aus der Burg mehr gab. Einige Menschen mussten vom Rettungsdienst behandelt werden. Dafür hatte der Burgverein sofort die volle Verantwortung übernommen und Aufklärung versprochen. Bereits im Vorfeld des Fests 2025 hätten sich „verschiedene organisatorische und finanzielle Herausforderungen abgezeichnet“, heißt es in dem Brief. Mit den Finanzen stand es nicht zum Besten nach den Verlusten beim Burgfest 2024, und auch personell ist beim Burgverein seit Jahren alles auf Kante genäht. Verschiedene Präsidiumsmitglieder wollten bereits seit längerem ihre Ämter abgeben, wenn sich Nachfolger gefunden hätten. Becker erinnerte im Gespräch mit der KöWo auch daran, dass sie bei allen Mitgliederversammlungen der vergangenen Jahre immer wieder die Mitglieder geradezu angefleht habe, in unterschiedlichsten Formen das Präsidium bei der Organisation der Großveranstaltung zu unterstützten. Erhört wurden diese Bitten kaum.

Und dann der Freitagabend des diesjährigen Burgfests: Verschiedene Pressevertreter hätten sich an den „teils vollkommen unsachlichen Spekulationen“ beteiligt und damit die Diskussionen in der Stadt und den Sozialen Medien weiter angeheizt, wobei sie von dieser Kritik die KöWo explizit ausnahm. Abgesehen davon sei es gelungen, ein schönes und friedliches Burgfest zu feiern, so der Burgverein. Becker erinnert speziell an den gelungenen Burgfestumzug am Sonntag. „Das haben mir auch einige Mitglieder in den letzten zwei Tagen per E-Mail bestätigt, wie schön der Umzug war.“

„Unlösbare Aufgaben“

Die zugesagte Aufarbeitung der Ereignisse sei nach dem Burgfest geschehen, ebenso wie die Prüfung einer zukünftigen Machbarkeit. Im Brief steht dazu: „Schnell wurde klar, dass in Zukunft die vom Veranstalter ohnehin kaum zu erfüllenden Auflagen seitens öffentlicher Stellen sich noch weiter verschärfen werden und dass die Öffnungszeiten des Festes auf Grund von Einschränkungen in Bezug auf Lärmemissionen deutlich eingeschränkt werden müssen. Die seitens des Veranstalters zu finanzierenden Sicherheitsmaßnahmen müssten ebenfalls noch einmal drastisch aufgestockt werden. Dies alles stellt den Burgverein und das Präsidium in seiner jetzigen Besetzung vor unlösbare Aufgaben.“

Wie geht es nun weiter? Voraussichtlich im April 2026 wird die nächste Jahresmitgliederversammlung mit Neuwahlen des Präsidiums stattfinden. Das zurzeit amtierende Präsidium wird sich dann geschlossen nicht mehr zur Wahl zur Verfügung stehen. „Wir möchten damit den Weg für einen neuen Vorstand frei machen, der den Verein mit neuen Ideen und Konzepten, erfolgreich weiterführen kann“, heißt es. Weiterhin habe man beschlossen, im Januar kein neues Burgfräulein zu inthronisieren. „An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal sehr herzlich bei unserem amtierenden Burgfräulein Málva I., ihrem Gefolge und ihrer Familie bedanken, die sowohl den Verein als auch die Stadt Königstein würdevoll und stets sehr professionell vertreten haben“, so der Burgverein. Ihr Abschied ist dann ebenfalls für April geplant. Weiterhin dankte das Präsidium allen Helfern und Unterstützern, die dem Verein zum Teil seit vielen Jahren zur Seite gestanden hätten und ohne die die Vereinsarbeit schon lange nicht mehr möglich gewesen wäre.

„Ich hoffe inständig, dass es weitergeht“, sagte Becker zur Zukunft des Burgfestes. Auch Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko, die natürlich über die Situation schon im Bilde war, sagte auf Nachfrage, dass die Stadt jede Initiative, das Fest fortzusetzen, „gerne mit unterstützen möchte“. Die Absage sei natürlich „keine schöne Nachricht, eine, die mich überrascht hat“, so die Bürgermeisterin. „Das Burgfest gehört zu Königstein, das ist unser Traditionsfest.“

Beckers Angebot an ihre möglichen Nachfolger: „Wir hoffen, dass sich auf der Jahresmitgliederversammlung im April ein motiviertes Team finden wird. Bei Interesse an der Präsidiumsarbeit sind wir bereits im Vorfeld jederzeit ansprechbar!“, schließt der Brief. Ein kurzfristiges Comeback des Burgfests halten aber sowohl Becker als auch Schenk-Motzko für schwierig, ohne einem möglichen neuen Führungsteam im Burgverein vorgreifen zu wollen. Dafür sei die Zeit zwischen April und Juli vermutlich deutlich zu knapp bemessen. Eher dürfte der Blick auf das Jahr 2027 gerichtet sein. Ob nochmal so gefeiert wird oben auf der Burg, im Tal und in der Stadt, wie es jahrzehntelang gewesen ist und wie es die Königsteiner und ihre Gäste von Kindesbeinen an kennen, ist aktuell völlig offen.

Das letzte Burgfräulein? Málva I. (rechts) feierte mit ihrem Gefolge und allen Besuchern im August noch einmal ein Burgfest im klassischen Stil. Ob es dazu noch einmal kommen wird, steht im Moment in den Sternen. Der Burgverein braucht auf jeden Fall ein neues Führungsteam, das eine Wiederaufnahme mit allen behördlichen Auflagen stemmen möchte.Foto: Schramm

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