Unter der Wolke wächst GemeinschaftWDC-Pavillon bringt Kreativität nach Kelkheim

Kelkheim (ju) – Schon seit Tagen wurde vor dem Rathaus gehämmert, geschraubt und aufgebaut. Zwischen Werkzeugen, Holzelementen und neugierigen Blicken entstand Stück für Stück ein ungewöhnlicher Ort mitten in Kelkheim: der WDC-Pavillon der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026. Viele fragten sich: Was kommt denn da eigentlich?

Zur Eröffnung am Mittwochabend gab es dann die Antwort – wenn auch unter regenschweren Wolken statt unter der angekündigten luftigen Installation. Doch gerade das machte den Abend besonders. Während draußen der Regen auf das Dach trommelte, rückten die Besucherinnen und Besucher im Pavillon enger zusammen. Es wurde gelacht, diskutiert, applaudiert. Die Stimmung: warm, offen und neugierig.

„Besondere Ereignisse bringen manchmal auch besonderes Wetter mit sich“, so fasste es Katharina Hesse, Hauptverantwortliche für den Pavillon, zu Beginn der Veranstaltung in passende Worte. „So haben wir uns das zwar nicht vorgestellt, aber das macht überhaupt nichts. Umso schöner, dass wir heute alle hier sind.“

Ein Pavillon als Treffpunkt für die Stadt

Der WDC-Pavillon reist in den kommenden Monaten durch die Region und macht Station in verschiedenen Kommunen. Ziel ist es, Menschen vor Ort miteinander ins Gespräch zu bringen – über Gestaltung, Zusammenleben und Demokratie.

Dass Kelkheim dafür genau der richtige Ort ist, wurde mehrfach betont. Besonders beeindruckt zeigte sich das WDC-Team vom Schild „Stadt gegen Rassismus“ am Ortseingang. „Das hat mich wirklich berührt“, so Hesse. „Kelkheim hat genau das geschafft, was wir uns mit diesem Projekt wünschen: dass Menschen es sich zu eigen machen.“

Der Pavillon solle ein Ort sein, „an dem sich eine Stadt, eine Region begegnet, miteinander spricht, sich vernetzt und gemeinsam gestaltet – und damit hoffentlich auch Demokratie stärkt.“

„Wir rücken enger zusammen“

Auch Stadtverordnetenvorsteherin Julia Ostrowicki griff die besondere Atmosphäre des Abends auf. Viele Menschen könnten mit dem Begriff „World Design Capital“ zunächst wenig anfangen, sagte sie. „Vielleicht klingt das erst einmal abstrakt oder sogar ein bisschen abgehoben. Aber genau das Gegenteil ist der Fall.“ Gerade an diesem verregneten Abend werde sichtbar, worum es gehe: „Wir rücken enger zusammen, begegnen uns, tauschen uns aus. Das erste Ziel ist also bereits erreicht.“

Sie freute sich besonders darüber, dass ein internationales Projekt wie dieses nicht nur in Frankfurt oder Darmstadt stattfinde, sondern auch in Kelkheim. „Nicht in der größten Stadt der Region, aber in einer besonders lebendigen und engagierten Stadt.“

Kelkheim auf internationaler Bühne

Bürgermeister Albrecht Kündiger sprach von einem besonderen Moment für die Stadt. Dass die Region Frankfurt RheinMain den Titel „World Design Capital“ im Wettbewerb mit internationalen Metropolen gewonnen habe, zeige die Bedeutung des Projekts.

„Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass die Region nicht nur aus den großen Städten besteht, sondern aus vielen engagierten Kommunen wie Kelkheim“, sagte Kündiger.

Er freue sich besonders darüber, dass so viele Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kultur, Vereinen und Initiativen zur Eröffnung gekommen seien. „Das zeigt, wie lebendig das gesellschaftliche Miteinander in Kelkheim ist.“

Auch wenn die große Wolkeninstallation wetterbedingt zunächst noch in sich zusammengesunken blieb, sei schon jetzt spürbar: „Hier passiert etwas Besonderes.“

„Design ist mehr als Ästhetik“

Für Christine Michel, federführend bei der Planung und Organisation von Seiten der Stadt, steht fest: Der Pavillon soll nicht nur schön aussehen, sondern Menschen aktiv zusammenbringen. „Design ist mehr als Ästhetik“, sagte sie. „Es ist Haltung, Mut und die Fähigkeit, Zukunft aktiv mitzugestalten.“

Offenheit, Vielfalt und Austausch seien die Grundlage für Innovation und ein gutes Miteinander. Entsprechend groß sei die Freude darüber gewesen, wie viele Menschen in Kelkheim an einem Strang gezogen hätten, um das Projekt möglich zu machen.

Wem gehört die Stadt?

Besonders spannend wird es in den kommenden zwei Wochen rund um die Workshops und Mitmachaktionen. Gestaltet werden sie unter anderem vom internationalen Netzwerk ConstructLab. Die Künstlerinnen und Gestalterinnen Sophie Netzer und Kerstin Reyer beschrieben den Pavillon als „Wolke“ – als offenen Treffpunkt für Gespräche, Ideen und Begegnungen.

„Kommen Sie vorbei, trinken Sie einen Kaffee, stellen Sie Fragen und diskutieren Sie mit uns“, luden sie die Besucherinnen und Besucher ein.

Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wem gehört der öffentliche Raum? Wer darf sich wo aufhalten? Und wie kann eine Stadt gemeinschaftlicher gestaltet werden?

Dafür werden alte Schilder umgestaltet, kreative Spuren im Stadtraum hinterlassen und Orte gemeinsam neu gedacht. Spaziergänge, Workshops und Aktionen laden Menschen aller Altersgruppen zum Mitmachen ein.

Zwei Wochen voller Ideen

Noch bis Mitte Mai wird der Pavillon das Bild vor dem Rathaus prägen. Geplant sind Workshops, Begegnungen, Jugendangebote und kreative Aktionen für die ganze Stadtgesellschaft.

Montag und Dienstag bleibt der Pavillon zwar geschlossen – ansonsten aber gilt: vorbeikommen, mitmachen, neugierig sein.

Oder wie es an diesem regnerischen Eröffnungsabend so treffend hieß: „Wir wollen die Welt gemeinsam ein bisschen schöner, offener und bunter machen.“

Der WDC Pavillon vor dem Rathaus ist weithin sichtbar und lädt in den nächsten zwei Wochen dazu ein, Kreativität zu fördern und Demokratie zu stärken.Fotos: Hesse/Ulbricht

Weitere Artikelbilder



X